Vanishing Kids - Heavy dreamer

Vanishing Kids- Heavy dreamer

Svart / Cargo
VÖ: 30.11.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Abstieg ins Nichts

Madison, Wisconsin ist einer dieser Orte, von denen man schon gehört hat. Wie es dort aussieht oder welche Menschen dort leben, weiß jedoch niemand. Wahrscheinlich nicht einmal die Menschen in Madison, Wisconsin. Ideale Voraussetzungen also, um der Realität zu entsagen und eine Band zu gründen. Eine Band, deren Musik von der Idylle der Great Lakes nicht weiter entfernt sein könnte. Vanishing Kids tragen ihren Namen nicht zufällig. Hinter jedem Idyll wartet ein Schlund, der in die Finsternis führt. Auf ihrem Debütalbum "Heavy dreamer" mimen die vier Musiker den Kerberos.

Der Titelsong sorgt zunächst für Irritation: Das Intro erinnert nicht nur an "Child in time", es ist "Child in time". Danach lösen sich die Befürchtungen, ein Pseudocover ertragen zu müssen, jedoch in Luft auf. Stattdessen zelebriert die Band das Gefühl des weltvergessenen Dahindämmerns. Raumgreifende Chöre und Synths verleihen verleihen dem Song einen ätherischen Charakter. Über allem schwebt Nikki Drohomyrekys Gesang, der wirkt, als wäre er im Nebel aufgenommen worden. Genre-Schubladen wie Progressive Rock oder gar Doom greifen definitiv zu kurz – Vanishing Kids haben tatsächlich eine bis dato unbewohnte Nische gefunden. Zwar erinnern das leicht verschleppte Tempo und ausschweifenden Arrangements bisweilen an Pink Floyd, in härteren Passagen merkt man allerdings, dass die Musiker dem Metal nicht abgeneigt sind. Vor allem die virtuosen Soli wecken Erinnerungen an Größen aus den Bereichen Epic und Power Metal.

Im Kern ist die Musik des Quartetts vor allem eines: psychedelisch. Das Bewusstsein tritt hinter einen Schleier aus Delay- und Halleffekten zurück und überlässt die Bühne dem Instinkt. Die Band schreckt dabei nicht vor komplexeren Arrangements zurück. Kaum ein Song folgt dem klassischen Pop-Schema, vielmehr kreisen die Kompositionen der US-Amerikaner um repetitive Akkordfolgen, die ohne Anfang und Ende dem Nichts entgegentrudeln. "Mockingbird" klingt beispielsweise so, als wäre es einem Fiebertraum entsprungen. Drohomyreky singt verzweifelt gegen den Mahlstrom an, muss letzten Endes jedoch kapitulieren. Das hört sich genau so eigenartig an, wie die Beschreibung vermuten lässt. Großartig also.

"Heavy dreamer" ist ein sehr homogenes Album. Es fordert vom Hörer die Bereitschaft, sich für 50 Minuten aus der Realität zu verabschieden und sich Stück für Stück in den Abgrund ziehen zu lassen. Endzeitstimmung macht sich breit, wenn in Songs wie "Reaper" der Tod heraufbeschworen wird. Wer düstere Musik machen will, sieht sich mit einem Problem konfrontiert: Übertreibt man es mit dem Pathos, wirkt das Dargebotene lächerlich. Nicht viel besser ist es, wenn durch maximale Brutalität mangelndes Gespür für die notwendigen Zwischentöne überknüppelt wird. Vanishing Kids wählen glücklicherweise den Mittelweg in die Hades. Ihre Songs sind heavy, ohne stumpf zu sein. Elegisch, aber niemals kitschig. Schon der Eröffnungstrack "Creation" vereint alles, was das Quartett ausmacht, in konzentrierter Form. Von da an geht's bergab. Schaurig schön.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Creation
  • Heavy dreamer
  • Mockingbird
  • Reaper

Tracklist

  1. Creation
  2. Heavy dreamer
  3. Without a sun
  4. Mockingbird
  5. Eyes of secrets
  6. Reaper
  7. Rainbows
  8. Magnetic magenta blue

Gesamtspielzeit: 50:59 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

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Registriert seit 07.06.2013

2019-01-07 18:36:44 Uhr
Mehr Beachtung!

The MACHINA of God

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Registriert seit 07.06.2013

2019-01-06 20:06:35 Uhr
Haha ok. Dann hab ich die überlesen.
Platte gefällt mir immer besser.

Sick

Postings: 86

Registriert seit 14.06.2013

2019-01-06 19:45:19 Uhr
Echt? Du kennst Deep Purple nicht? Hammer. :)

The MACHINA of God

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Registriert seit 07.06.2013

2019-01-04 19:57:23 Uhr
Okay, nach 5 Songs bin ich recht angetan. Angesludgder psychedelisch-verträumter ProgRock.

The MACHINA of God

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Registriert seit 07.06.2013

2019-01-04 19:39:05 Uhr
Aber das gefällt dann doch ganz gut aufs erste Ohr.
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