Kacey Musgraves - Golden hour

Kacey Musgraves- Golden hour

MCA / Universal
VÖ: 30.03.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Woman with country

Man könnte sagen: Was den Deutschen ihr Schlager, ist den Amis ihr Country. Während Popmusik und Rap beispielweise auf beiden Seiten des Teiches hoch im Kurs sind – wenn auch teils mit lokalen Vertretern – sind Helene Fischer und Konsorten so selten exportfähig wie Country eben ureigen amerikanisch ist. Ein Johnny Cash war eine der wenigen Ausnahmen, Shania Twain oder Taylor Swift wurden derweil hierzulande erst richtig erfolgreich, als sie schon längst im Pop angekommen waren. Vielleicht ist es das muffige Image aus Cowboystiefeln und Redneck-Attitüde, das immer noch vor den durchaus spannenden Genre-Mischungen dominiert? Und so erntet auch der Name Kacey Musgraves in Good Ol' Germany nur Achselzucken, während die US-Presse hyperventiliert und mit Lobpreisungen nur so um sich wirft. Was kann diese Dame, die alle Antworten auf die Frage nach dem Country-Album des Jahres so einseitig werden lässt?

Zunächst ist ihr drittes reguläres Album "Golden hour" rein stilistisch klar Country, aber es fühlt sich anders an – ähnlich wie Kanye West in seiner Hochphase mehr als einfacher HipHop war oder Liturgy und Deafheaven nicht einfach nur Black Metal. Musgraves sprengt keine Genregrenzen, sie führt vielmehr andere Elemente mit einer Leichtigkeit ein, sodass Schubladen völlig in den Hintergrund treten. "Born in a hurry, always late / Haven't been early since '88" lauten die eröffnenden Zeilen samt Hinweis auf das Geburtsjahr der Texanerin. Doch Hektik ist in "Slow burn" keinesfalls angesagt: "Taking my time while the world turns." Das herrliche Arrangement träumt sich in den Tag hinein, hebt zur Mitte des Songs hin ab. Es ist eine Art Blaupause für "Golden hour", das häufig mit einem Schleier auf die Welt blickt und mit leichtem Hall eine wunderbare Atmosphäre schafft.

Genau diese ist der Trumpf, den Musgraves auch in "Oh, what a world" ausspielt. Eine Vocoderstimme zeichnet zärtlich die fantastische Melodie nach, verstärkt den außerweltlichen Charakter. "Thank God it's not to good to be true." In der Tat. Dazwischen finden sich immer wieder konventionellere Stücke, die sich entweder näher am ursprünglichen Country orientieren oder leichtfüßiger Gitarrenpop sind, aber wer möchte sich bei angenehmen Ohrwürmern wie "Happy & sad" schon beschweren? Zumal eine kurze, ergreifende Pianoballade wie "Mother" oder das muskulös trommelnde "Velvet Elvis" für Abwechslung sorgen. Selbst der einzige Ausflug in reine Chartgefilde gelingt bravourös: "High horse" reitet auf einem schmissigen Rhythmus gen Sonnenuntergang und verteilt dabei verbale Peitschenschläge gegen aufsässige Typen. "Giddy up and ride straight out of this town / You and your high horse." Garniert mit einem giftig-süßen Lächeln.

Klar, der Rhythmus ist häufig am ursprünglichen Country orientiert, der Einsatz von Slide Guitar und Banjo tut sein Übriges, aber es hat nichts von der Muffigkeit, die man in Deutschland so oft mit dem Genre verbindet. Wofür die Countrymusik selbst nichts kann, denn wie überall gibt es auch hier Weiterentwicklungen und Vordenker. Musgraves demonstriert eindrucksvoll, welchen Weitblick und welche Stimmung sie mit den auf dem Papier so limitierten Mitteln erzeugen kann, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen. "Golden hour" mag dabei nicht immer auf der Höhe seiner unbestreitbaren Highlights sein, leistet sich indes allerdings auch keine Schwächen. Daher ist das Crossover-Potenzial nur eine logische Folge von Musgraves' Talent, Musikgespür und Desinteresse an Redneck-Klischees. Der Schlager müsste für ein entsprechendes Pendant noch eine ganze Weile suchen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Slow burn
  • Oh, what a world
  • Space cowboy
  • High horse

Tracklist

  1. Slow burn
  2. Lonely weekend
  3. Butterflies
  4. Oh, what a world
  5. Mother
  6. Love is a wild thing
  7. Space cowboy
  8. Happy & sad
  9. Velvet Elvis
  10. Wonder woman
  11. High horse
  12. Golden hour
  13. Rainbow

Gesamtspielzeit: 45:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Jetzt echt jetzt
2019-02-13 21:49:59 Uhr
Echt nix verpasst.
Echt jetzt
2019-02-11 19:47:35 Uhr
Ich argumentiere immer so gut.
Nix verpasst.
Echt jetzt
2019-02-11 19:17:19 Uhr
Gerade eben das erste Mal von der Dame gehört.
Nix verpasst.

kingsuede

Postings: 1269

Registriert seit 15.05.2013

2019-02-11 18:58:54 Uhr
Golden Hour ist natürlich großartig und wurde nun zurecht mit zwei Grammys bedacht.
M.B.
2019-01-04 23:34:49 Uhr
So ein Bullshit... die großartige Kacey Musgraves hat es trotz ihrer offenen Haltung gegen Rassismus und Homophobie mit diesem fantastischen Album endlich geschafft, auch in Nashville die längst überfällige Anerkennung für ihr Schaffen zu bekommen. Was also soll dieses dumme Gelaber von weißen Männern!?
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