Tom Petty - An American treasure

Tom Petty- An American treasure

Reprise / Warner
VÖ: 28.09.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Auf Immerwiedersehen

Vielen wird der 02.10.2017 noch als ein trauriger Tag in Erinnerung sein. Infolge einer unglücklichen Kombination von Schmerzmitteln verstarb Tom Petty, der trotz Lungen- und Knieproblemen sowie einer gebrochenen Hüfte weiter auf Tour gehen wollte. Dass Petty selbst vor der Tour erklärt hatte, in Zukunft kürzer treten zu wollen, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, macht den Todesfall umso tragischer. Das anlässlich des ersten Todestages veröffentlichte "An American treasure" gedenkt jedoch weniger seines Todes, es feiert vielmehr Leben und Musik der Rock-Legende. Und die Zusammenstellung – in Kooperation mit Pettys Tochter Adria und Dana York, seiner Witwe ausgesucht – macht sofort klar: Dies ist kein billiger Tribut, bei dem schnell die erfolgreichsten Songs zusammengewürfelt wurden, um ohne viel Aufwand Kohle zu machen. Eine solche Veröffentlichung hätte auch nur bedingt Sinn, da mit den Greatest Hits von 1993 ohnehin schon so ziemlich die bestmögliche Werkschau der populärsten Songs existiert. "An American treasure" hingegen versammelt Mudcrutch-Lieder, Live-Aufnahmen, alternative Versionen, Demos, Outtakes, unveröffentlichte Stücke. Kein "Free Fallin'", kein "Mary Jane's last dance", kein "Refugee", kein "American girl", kein "Learning to fly". Und trotzdem ist es selbst nach dem abschließenden 63. Track noch immer ungemein spannend und bietet auch abseits der meisten großen Hits mehr als genug wunderbare Stellen, in denen man sich immer wieder glückselig verlieren kann.

Dabei ist es kaum möglich, diese Zusammenstellung zu sehr zu loben, da einfach so viel zu entdecken ist. So zeichnet sie beispielsweise wunderbar den Aufstieg Pettys nach, wenn der 1976er-Live-Mitschnitt des Outtakes "Surrender" mitsamt recht zaghaftem Applaus noch ebenso von den Anfangstagen zeugt wie die darauffolgende, fast schüchterne, Einleitung "This song is a new song. It's called 'Listen to her heart'." Die langsamere Version von "I won't back down" hingegen lebt von der knisternden Atmosphäre des zunehmend gebannter lauschenden Publikums, während noch vor dem ersten Ton des Klassikers "Into the great wide open" gleich alle Dämme brechen. Was "An American treasure" jedoch vor allem auszeichnet, sind nicht die riesigen Leuchtfeuer aus dem Repertoire einer Rock-Legende, sondern vor allem die kleineren, weniger beachteten, aber keineswegs weniger tollen, Lichter am Wegesrand. Dabei ist es kaum fair, einzelne Songs aus dieser Schatzkiste herauszugreifen. Dem einen wird vielleicht das flotte "Lonesome Dave" mehr zusagen, dem anderen der Mudcrutch-Outtake "Lost in your eyes", der nächste entdeckt das tolle "Rebels" hier in seiner alternativen Version für sich und der übernächste schließt "Saving grace" unverhofft ins Herz. Eine Liste, die sich noch mühelos viel viel weiter führen lassen würde.

Wohl nur die größten Die-Hard-Fans hätten jene Songs, die überhaupt schon einmal veröffentlicht worden waren, ausnahmslos gekannt, womit es für alle anderen noch zahlreiche Schätze zu finden gibt. Und selbst wenn man schon alles gekannt hätte, müsste man noch immer anerkennend diese unkonventionelle und stilvolle Auswahl goutieren. Falsch machen können mit "An American treasure" also höchstens diejenigen etwas, welche schlicht eine Aneinanderreihung der dicksten Hits erwartet haben. Stellvertretend für die vielen großartigen alternativen Versionen sei die Clubhouse-Version von "You and me" erwähnt. Während die herkömmliche Variante auf "The last DJ", nicht gerade dem Heartbreakers-Album mit der besten Reputation, noch ganz gut gefiel, schält sich hier eine unheimlich schöne Piano-Ballade heraus, der man allen Kitsch vor lauter Freudentränen nur verzeihen kann. "An American treasure" gehört damit und nicht zu vergessen mit dem Versprechen, mit jedem Durchgang auf weitere und andere Schmuckstücke zu stoßen, zu jenen Kompilationen, von denen es leider viel zu wenige gibt. Man sieht Tom Petty vielleicht nicht in einem völlig neuen Licht, aber im vollen Schein.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • Lost in your eyes
  • Rebels
  • I won't back down
  • You and me
  • Saving grace

Tracklist

  1. CD 1: Surrender (Outtake, 1976)
  2. Listen to her heart (Live at The Record Plant 1977)
  3. Anything that's rock 'n' roll (Live at Capital Studios 1977)
  4. When the time comes (2018 Remaster)
  5. You're gonna get it (Alternate version 1978)
  6. Radio promotion spot (1977)
  7. Rockin' around (with you) (2018 Remaster)
  8. Fooled again (I don't like it) (Alternate version 1976)
  9. Breakdown (Live at Capitol Studios 1977)
  10. The wild one, forever (2018 Remaster)
  11. No second thoughts (2018 Remaster)
  12. Here comes my girl (Alternate version 1979)
  13. What are you doing in my life (Alternate version 1979)
  14. Louisiana rain (Alternate version 1979)
  15. Lost in your eyes (Outtake 1974)
  16. CD 2: Keep a little soul (Outtake 1982)
  17. Even the losers (Live at Rochester Community War Memorial 1989)
  18. Keeping me alive (Outtake 1982)
  19. Don't treat me like a stranger (2018 Remaster)
  20. The apartment song feat. Stevie Nicks (Demo 1984)
  21. Concert intro (Live at The Forum 1981)
  22. King's road (Live at The Forum 1981)
  23. Clear the aisles (Live at The Forum 1981)
  24. A woman in love (it's not me) (Live at The Forum 1981)
  25. Straight into darkness (Alternate version 1982)
  26. You can still change your mind (2018 Remaster)
  27. Rebels (Alternate version 1985)
  28. Deliver me (Alternate version 1982)
  29. Alright for now (2018 Remaster)
  30. The damage you've done (Alternate version 1987)
  31. The best of everything (Alternate version 1985)
  32. Walkin' from the fire (Outtake 1984)
  33. King of the hill feat. Roger McGuinn (Early take 1987)
  34. CD 3: I won't back down (Live at The Fillmore 1987)
  35. Gainesville (Outtake 1998)
  36. You and I will meet again (2018 Remaster)
  37. Into the great wide open (Live at Oakland-Alameda County Coliseum 1991)
  38. Two gunslingers (Live at The Beacon Theatre 2013)
  39. Lonesome Dave (Outtake 1993)
  40. To find a friend (2018 Remaster)
  41. Crawling back to you (2018 Remaster)
  42. Wake up time (Alternate take 1992)
  43. Grew up fast (2018 Remaster)
  44. I don't belong (Outtake 1998)
  45. Accused of love (2018 Remaster)
  46. Lonesome sundown (2018 Remaster)
  47. Don't fade on me (Alternate take 1994)
  48. CD 4: You and me (Clubhouse version 2007)
  49. Have love will travel (2018 Remaster)
  50. Money becomes king (2018 Remaster)
  51. Bus to Tampa Bay (Outtake 2011)
  52. Saving grace (Live at Malibu Performing Arts Center 2006)
  53. Down south (2018 Remaster)
  54. Southern accents (Live at Stephen C. O'Connell 2006)
  55. Insider feat. Stevie Nicks (Live at Stephen C. O'Connell 2006)
  56. Two men talking (Outtake 2012)
  57. Fault lines (2018 Remaster)
  58. Sins of my youth (Early take 2012)
  59. Good enough Alternate version 2012)
  60. Something good coming (2018 Remaster)
  61. Save your water (2018 Remaster)
  62. Like a diamond (Alternate version 2002)
  63. Hungry no more (Live at House of Blues 2016)

Gesamtspielzeit: 245:33 min.

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Armin

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2018-12-20 20:46:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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