Lucinda Williams - World without tears

Lucinda Williams- World without tears

Lost Highway / Universal
VÖ: 07.04.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Verzweiflung im Halbschatten

Tante Lu mal wieder. Lucinda Williams, die Grande Dame des Alt. Country jenseits von Nashville und anderen Klischees, verarbeitet mal wieder die Trennung von einem Lover. Kennt man ja. Aber das soll als Lästerei genügen, denn im Gegensatz zum kargen, manchmal etwas beliebigen Vorgänger "Essence" sind die Klagen diesmal eher ein Grund zur Freude. Denn es gesellt sich Spott hinzu. Und über Zeilen wie "You don't have to prove your manhood to me constantly" grinst man doch gerne.

Außerdem wieder dabei: die verzerrte Gitarre. Es wird tatsächlich rockiger im Hause Williams, was wohl auch auf den guten Ratschlag des Ex-Ehemanns zurückfällt. Mit ein paar Gitarren mehr könne sie ihr "Exile on Main Street" zustande bringen, meinte der. Ein guter Rat. Denn so kann sich der geneigte Hörer über "Real live bleeding fingers and broken guitar strings" freuen. Und solche Tell-tale-Songtitel sind keine Alibis. Ihre Mitstreiter, die sie übrigens bei Hutträger Dwight Yoakam stibitzte, breiten einen folk-, blues, rock- und natürlich countryinformierten Teppich aus, über den Williams ihre wettergegerbte Kehle wandeln lassen kann.

Wie beim famosen "Righteously". Mehr gesprochen als gesungen reibt sich die Grammy-Preisträgerin an ihrem jüngsten Ex, während ein verspielter Groove auf das kratzbürstige Gitarrensolo wartet. Zeichen für die neue Körperlichkeit und ein echtes Highlight im grundsoliden Mannschaftsspiel. Wie auch der zerbrechliche Schleicher "Words fell", bei dem die Pedalsteel leise weint und die Besen das Schlagzeug streicheln. "Words fell like roses at your feet / When you let me see you cry." Auf der Suche nach der Schulter zum Anlehnen, klagt sich Williams den Kummer von der Seele. Und streift dabei so manches Herz.

Nein, Trost findet man hier keinen. Schon die ersten Verse des Titelsongs reichen, um die Verzweiflung mit Händen greifen zu können: "If we lived in a world without tears / How would bruises find the face to lie upon? / How would scars find skin / To etch themselves into?" Antworten gibt es keine. Nur herzzerreißende Melodien. Und ehrlichen Dreck. Und eine Lucinda Williams, die all ihre Routine ausspielt und uns doch immer wieder mit ihr den doppelten Boden entdecken läßt: "I believe in the American dream / But things are never quite what they seem." Justly spoken.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Fruit of my labour
  • Righteously
  • Real live bleeding fingers and broken guitar strings
  • Words fell

Tracklist

  1. Fruits of my labor
  2. Righteously
  3. Ventura
  4. Real live bleeding fingers and broken guitar strings
  5. Overtime
  6. Those three days
  7. Atonement
  8. Sweet side
  9. Minneapolis
  10. People talkin'
  11. American dream
  12. World without tears
  13. Words fell

Gesamtspielzeit: 59:48 min.

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