Meek Mill - Championships

Meek Mill- Championships

Maybach / Atlantic / Warner
VÖ: 30.11.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Prada Frühling

Meek Mill ist ganz oben angekommen. Ob zu Recht, wird erst in Zukunft entschieden. Fest steht: Der Rapper aus Philadelphia beherrscht sein Handwerk. Vielseitig und versiert ist sein Vortrag, überwiegend prominent sind die Features. Hingeschludertes Genuschel gibt es auf "Championships", Mills viertem vollwertigem Album, nur am Rande. Stattdessen haut der MC dem Hörer im "Intro" erstmal ein Phil-Collins-Sample um die Ohren, bevor er sich in eine regelrechte Tirade hineinsteigert. Dass der Track auch musikalisch die Kurve bekommt, weckt Hoffnungen. Endlich mal wieder ein Mainstream-HipHop-Album, das auf ganzer Länge überzeugen kann? Selbstverständlich nicht. Dazu ist es nicht nur zu lang, sondern vor allem zu beliebig. Während Kollegen wie Kendrick Lamar, Vince Staples oder Tyler The Creator ihren Alben immer wieder konzeptionelle Rahmen geben, regiert auf "Championships" das eherne Prinzip des Kommerzraps: Fünf Banger, fünf okaye Songs, zehn Tracks Füllmaterial. Snoop Dogg lässt grüßen.

Unterhaltsam ist "Championships" dennoch über weite Strecken. Die modernen, jedoch nur selten penetranten Beats sorgen für jede Menge Abwechslung. Hinzu kommt, dass Meek Mill immer wieder richtig starke Hooks in petto hat. "Uptown vibes" besitzt beispielsweise absoluten Ohrwurmcharakter, wenngleich der Song gegen Ende nur haarscharf am völligen Nonsens vorbeischrammt. Schuld daran ist der deplatziert wirkende Part des Anuel AA. Ähnlich meschugge, aber deutlich kohärenter ist "Splash warning", dessen schräger Beat ein spätes Highlight des HipHop-Jahres 2018 ist. Apropos schräg: Auch der Beat von "Going bad", bei dem der unvermeidbare Drake ein paar nichtssagende Zeilen in die Autotune-Maschine quatscht, gefällt mit seinem verstimmten Klaviersample.

Wirklich stark sind die mit weiterer Prominenz entstandenen Tracks. So unterstreicht Cardi B in "On me" ihren Status als derzeit führende Battle-Rapperin, wenngleich das Nicki Minaj sicherlich anders sieht. Noch besser ist der sechsminütige Oldschool-Knaller "What's free", für den Mill sich Rick Ross und Jay-Z ins Studio geholt hat. Während der Beat geschickt moderne Hihat-Spielereien mit alter Wu-Tang-Samplekunst vereint, liefern Ross und Jigga zwei ihrer besten Featureparts seit langer Zeit ab. Textlich arbeiten sich die MCs an gesellschaftlichen Gräben ihres Heimatlandes ab. Brücken werden dabei jedoch nicht gebaut, dazu liegt zu viel im Argen. Jay-Z macht zudem dort weiter, wo er in "The story of O.J." aufgehört hat: Der Weg des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit ist und bleibt für ihn aus Schotter: "I ain't got a billion streams / Got a billion dollars". Und es hat "bling" gemacht.

Je länger "Championships" läuft, desto störender werden die stilistischen Sprünge zwischen einzelnen Tracks. Das in Richtung Mumble-Rap schielende "Almost slipped" verhält sich zu "Tic tac toe" wie Gesichtstattoos zu Arschgeweihen. Interessant ist hingegen, dass es auf dem Album kaum R'n'B-Hooks gibt. Bei einer der wenigen Ausnahmen zeigt Ella Mai in "24/7" eine solide Leistung. Völlig Banane wird es schließlich in "Wit the shits (W.T.S.)": Zu einem Instrumental, das wahrscheinlich von Pacman im Pillenrausch zusammenklickt wurde, zelebriert Mill in konzentrierter Form den Nihilismus des kontemporären Rapgames. Kann man scheiße finden, muss man aber nicht. Jeder selbsternannte "Realkeeper", der von derlei Unfug getriggert wird, hat es nicht anders verdient. Meek Mills Erfolg steht sinnbildlich für den Status Quo des HipHop. Raffinesse trifft auf Dada, Gucci Gang trifft auf Prada.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Intro
  • On me (feat. Cardi B)
  • What's free (feat. Rick Ross & Jay-Z)
  • Splash warning (feat. Future, Roddy Ricch & Young Thug)

Tracklist

  1. Intro
  2. Trauma
  3. Uptown vibes (feat. Fabolous & Anuel AA)
  4. On me (feat. Cardi B)
  5. What's free (feat. Rick Ross & Jay-Z)
  6. Respect the game
  7. Splash warning (feat. Future, Roddy Ricch & Young Thug)
  8. Championships
  9. Going bad (feat. Drake)
  10. Almost slipped
  11. Tic tac toe (feat. Kodak Black)
  12. 24/7 (feat. Ella Mai)
  13. Oodles o' noodles babies
  14. Pay you back (feat. 21 Savage)
  15. 100 summers
  16. Wit the shits (W.T.S.) (feat. Melii)
  17. Stuck in my ways
  18. Dangerous (feat. Jeremih & PnB Rock)
  19. Cold hearted II

Gesamtspielzeit: 69:15 min.

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Armin

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2018-12-20 20:48:58 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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