Oliba International - Oliba International

Oliba International- Oliba International

Maaula / Broken Silence
VÖ: 23.11.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Je ne parle pas kényen

Man kann eine gewisse kulturelle Entspanntheit auch daran messen, dass über gewisse Dinge nicht mehr diskutiert werden muss. Da sind diese fünf jungen Männer aus Tours in Frankreich, offensichtlich ohne afrikanische Wurzeln, und adaptieren als Oliba International Highlife, kenianischen Benga und kongolesische Rumba. Anstatt nun zu debattieren, ob sie das dürfen, sollte man einfach in den Blickpunkt nehmen, dass ihnen das scheinbar unheimlich Spaß macht und was noch wichtiger ist, der geneigten Hörerin umso mehr. Vielleicht wäre es angebrachter sich direkt mit den Originalen zu beschäftigen, aber das kann ob dieser Platte ja noch kommen.

Vor allem fällt durch die Interpretation der fünf Jungs auf, wie detailverliebt und hochauflösend jene afrikanischen Musikrichtungen sind. Man nehme nur das facettenreiche "Marelle": Sousaphon, Saxophon und E-Gitarre wuseln vielgliedrig um die Marching Drums herum, stoßen Kaskaden von unterschiedlichen Tönen aus, doch es kommt nie dazu, dass dies zu einem vermanschten Klangbrei gerät. Eher entsteht ein auf gemächlichem Swing fußendes Klangmosaik, jeder Ton, auf- und absteigend, behält eine gewisse Autonomie, bleibt ablesbar in seiner Bedeutung und trägt dennoch zum großen Ganzen bei. Und so kann man bei der tiefenentspannten Rumba "Losanges" gleich mehrere Dinge beobachten. Da entrollt sich ein feingliedriges, gleichwohl weich glänzendes Saxophonspiel über einen disziplinierten, nicht desto weniger runden Schlagzeugbeat, das Gefühl, das sich aus vielen winzig kleinen Teilchen ein Gesamtbild ergibt, herrscht vor. Und dann, wie gesagt, der große Spaß, man wiegt sich in den Hüften, lässt diese kreisen und jeder Ton krault wohlig den Nacken. Es handelt sich bei dieser schwungvollen Kleinigkeit um ein Räderwerk, welches punktgenau ineinander greift, man sieht jedoch jedes Zähnchen.

Die Akkuratesse bei einem Song wie "Lucidum" ist das Eine, wie jedoch die E-Gitarre etwas westlichen Blues in die sonnigen Gefilde einsickern lässt, ist der andere merkenswerte Punkt. Dazu spielt das Saxophon gutmütig in sich ruhende Passagen, die nie zu grell geraten. Denn bei aller Spielfreude halten Oliba International zumeist Maß, übersteuern ihre Stücke nicht ins Hysterische oder Ungeordnete. Und dies führt dazu, dass diese Platte ein eindrucksvolles Beispiel in kompositorischer Fülle ist, die sich jedoch in strengen rhythmischen und melodischen Regeln bändigt. Das heißt jedoch nicht, dass "Vedette" nicht starkstrommäßig abgehen würde. Hier wird das Mosaik zum Wimmelbild, mit ein wenig Konzentration lässt sich aber jedes Tonelement, sei es noch so klein, deutlich heraushören. So ist es dann auch egal, dass Tours nicht in Kenia sondern in Indre-et-Loire liegt, Oliba International sind jedenfalls qualifizierte Botschafter in Sachen afrikanischer Musik.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Merelle
  • Lucidum
  • Losanges

Tracklist

  1. Oliba room
  2. Merelle
  3. Lucidum
  4. Vedette
  5. Vermouth sunbath
  6. Losanges
  7. Mandoline
  8. Umami

Gesamtspielzeit: 54:33 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-12-10 21:33:14 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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