Marteria - Live im Ostseestadion

Marteria- Live im Ostseestadion

Green Berlin / Sony
VÖ: 30.11.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Started from the bottom

"Ich spring von Level zu Level zu Level" rappt Marteria auf seinem mittlerweile flächendeckend als Pop-Rap-Klassiker anerkannten Zweitwerk "Zum Glück in die Zukunft". Ein Album später folgte "Oh mein Gott, dieser Himmel / Wie komm ich da bloß rein?" Und auch wenn seine jüngsten beiden Platten "Roswell" sowie "1982", die Zusammenarbeit mit Casper, die großen Hits vermissen ließen: Viel höher und viel weiter, als 33.000 Menschen an einem Fleck zu versammeln, schaffen es zugegebenermaßen wenige deutsche Künstler. Denn so kitschig diese Erfolgsgeschichte auch klingen mag, ist "Live im Ostseestadion" doch in seiner Gesamtheit ein bemerkenswertes Werk geworden – ein antifaschistischer HipHop-Künstler verkauft das Stadion einer Stadt in der ostdeutschen Provinz aus, die von DDR-Vergangenheit und Nazi-Problematik gebeutelt ist. "Und Du glaubst nicht an Wunder?"

Dass Marten Laciny schon als Kind auf den Rängen dem FC Hansa Rostock zujubelte und später selbst als Profifußballer dort spielte, ist dabei nicht einmal das Bemerkenswerteste. Vielmehr steht das ganze, über ein Jahr lang geplante Projekt für das schiere Ausmaß, das HipHop in Deutschland angenommen hat: Die größte Stadionshow eines Deutsch-Rappers bis dato. Und diese hatte es in sich, das hört man "Live im Ostseestadion" an. Sind Live-Alben sonst der eher klägliche Versuch, Konzerterlebnisse für die Handys und heimischen Sound-Anlagen zu konservieren, wird es bei Marterias Monumentalprojekt schwer, sich seiner Wirkung zu entziehen.

Natürlich werden die meisten Nummern der 24 Song starken Audioversion – auf der DVD sind es noch fünf weitere – den meisten Hörern zur Genüge bekannt sein, spätestens mit den Radio-Hits "OMG" und "Kids (2 Finger an den Kopf)" war Marteria auch im Mainstream omnipräsent. Ein Umstand, der es sowohl Live-Alben als auch -auftritten für gewöhnlich einfacher macht. Die akribische Leidenschaft aber, die der Rostocker zusammen mit seiner Band an den Tag legt, spricht für sich. Musikalisch sitzt hier wirklich alles, der Sound und die Arrangements wurden für den Live-Gebrauch stimmig angepasst und gerade das Schlagzeug verströmt eine ungeheure Energie, welche die durchproduzierten Studioversionen teilweise blass aussehen lässt. Marterias harter, elektronischer und basslastiger Sound kommt im Backing-Track immer durch, die Live-Instrumente Bass, Schlagzeug sowie ein Sampler geben der Musik aber die nötige Portion Rock-Rotz, ohne dabei unbeholfen zu wirken. Beispielsweise setzen ein paar abweichende Hits und eine offene Hi-Hat in "Aliens" mit Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß ungeahntes Potenzial frei.

Zu den bekannten Hits gesellen sich der obligatorische, aber stimmige Auftritt des kiffenden Revoluzzer-Alter-Egos Marsimoto, drei Songs mit Marterias langjährigem Weggefährten Casper, deren kürzlich erschienenes Kollabo-Album "1982" mehr schlecht als recht einschlug, eine Reunion mit Lacinys Rap-Crew aus ersten Tagen und zum großen Abschluss das krönende Feature mit Miss Platnum bei der Lifestyle-Hymne "Lila Wolken". 33.000 feierwütige Rostocker kann aber die Unterkomplexität von "Adrenalin" herzlich egal sein, solange das Stück die Moshpits bedienen kann. Und spätestens, wenn in "Bengalische Tiger" das Ostseestadion in flammend rotes Licht getaucht wird – zu bewundern auf der dazugehörigen DVD oder auf YouTube – ist klar, dass es sich bei diesem Konzert nicht um das Routine-Programm eines Roger Waters handelt, sondern um den unaufhaltsamen Aufstieg einer Jugend-Untergrundkultur in den Mainstream. Und das ist auf gewisse Weise noch viel mehr wert.

(Julius Krämer)

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Highlights

  • Aliens
  • Das Geld muss weg
  • Grüner Samt 2018
  • OMG

Tracklist

  • CD 1
    1. Roswell
    2. Aliens (feat. Teutilla)
    3. Endboss
    4. Scotty beam mich hoch
    5. El presidente
    6. Bengalische Tiger
    7. Tauchstation
    8. Marteria Girl
    9. Verstrahlt
    10. R.O.S.T.O.C.K.
    11. Das Geld muss weg
    12. Links
  • CD 2
    1. Grüner Samt 2018 (feat. Marsimoto)
    2. Eine kleine Bühne (feat. Marsimoto)
    3. Photoshop (feat. Marsimoto)
    4. Champion sound (feat. Casper)
    5. Supernova (feat. Casper)
    6. Adrenalin (feat. Casper)
    7. OMG
    8. Kids (2 Finger an den Kopf)
    9. Lila Wolken (feat. Miss Platnum
    10. Mein Rostock
    11. Feuer
    12. Die letzten 20 Sekunden

Gesamtspielzeit: 99:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Slay
2019-08-08 15:45:40 Uhr
Mit welchem Album fängt man bei Materia an?

Armin

Postings: 15737

Registriert seit 08.01.2012

2018-12-10 21:29:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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