Klaus Johann Grobe - Du bist so symmetrisch

Klaus Johann Grobe- Du bist so symmetrisch

Trouble In Mind / Secretly Canadian / Cargo
VÖ: 26.10.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Macht Platz für den Bass

"Erst hatten sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu." So würde es wohl der Ex-Fußballer Jürgen Wegmann ausdrücken, der durch dieses Zitat unsterblich geworden ist. Nicht nur, dass Klaus Johann Grobe sich einen Namen zugelegt haben, der den Unwissenden eher an einen Singer-Songwriter, an Schlager oder klassische Musik denken lässt, als an den feschen Indie-Pop, den die beiden Schweizer seit inzwischen vier Jahren vorlegen. Nach einem Konzert in Amsterdam wurde dem Duo unlängst auch noch der Tourbus mit sämtlichem Equipment leergeräumt (Mitleidige dürfen sich per Crowdfunding an der Neufinanzierung beteiligen) und zu allem Überfluss schmorte ihr neues Album hier bei Plattentests.de ein paar Wochen verpackt auf dem Schreibtisch. Schande über unsere Häupter, Klaus Johann Grobe liefern mit "Du bist so symmetrisch" eines der deutschsprachigen Musikhighlights des Jahres 2018.

Nach einer einjährigen Bandpause setzten sich Sevi Landolt und Daniel Bachmann wieder zusammen, um ihre gesammelten Inspirationen in neue Musik zu verwandeln. Dabei knüpfen sie zwar fast nahtlos an den Vorgänger "Spaget der Liebe" an, loten aber auch noch neue musikalische Territorien aus und sagen vor allem der Hammond-Orgel ade, die ihren Sound bisher geprägt hat. Was vorher ein Stil-Mix war, ist jetzt ein Genre-Flickenteppich, aber Klaus Johann Grobe schicken dem Hörer genug Groove in die Beine, damit er sich tanzend seinen Weg aus diesem Disco-Irrgarten bahnen kann. Hörbar beeinflusst von späteren Kraftwerk-Alben und den sonstigen Projekten von Klaus Dinger, kleiden sie deren Klänge in ein modernes Indie-Pop-Gewand à la Metronomy, als Accessoires gibt's dazu noch R'n'B, Jazz, Funk und viel Disco.

"Discogedanken" beginnt mit einem verträumten Synthie, während vorsichtig der Protagonist des Albums eingeführt wird: der Bass. Was Royal Blood im Rock bereits bewiesen haben, zeigen die Schweizer jetzt auch im Indie-Pop. Die oft unterschätzte Bass-Gitarre kann verdammt sexy sein, wenn man sie einfach mal ins Rampenlicht stellt. Um dessen perlende Funk-Motive basteln sie mit mehreren Synthies dichte Soundwände, so auch im Highlight-Track "Der König". "Das wirkt doch albern / Jetzt zappelt nicht so rum" singen sie, müssen sich aber gar nicht wundern, dass man zu ihrer Musik albern zappelt. Man kann gar nicht anders. "Du siehst auch so cool aus / Warst schon top damals im Schulhaus / Doch heute ist die Welt noch deutlich größer / Zwischen New York und dem Tösstal" singt (oder besser sagt) Landolt in "Zu spät" und macht damit deutlich, dass es hier nicht primär um die Texte geht, die oft sehr abstrakt gehalten sind. Die Musik spricht für sich. Der Song klingt wie eines der Schmuse-Disco-Stücke von Bands wie Kool and the Gang, nur eben gleichzeitig auch nach 2018.

In bester Bilderbuch-Manier mischen sie in "Out of reach" englische Begriffe unter den Text, sodass man schicke Treter nicht an den Füßen, sondern an den "feet" hat und Dinge nicht außer Reichweite sind, sondern, na ja, siehe Songtitel. Der Track ist ein weiteres Highlight und transportiert den Hörer gedanklich direkt in eine ekstatisch tanzende Menschengruppe. Weil man bei den zahlreichen Disco-Tracks als Normalsterblicher aber mit dem Tanzen kaum hinterherkommt, hat das Duo noch zwei Instrumentaltracks eingestreut, die kurz das Tempo rausnehmen, um im Anschluss wieder Bewegungsdrang en masse zu erzeugen. In "Von gestern" hat Landolt ein Versprechen für alle, die sich diesem Drang verweigern: "Ihr seid schon immer ewig von gestern / Das ist mir ganz egal, ich zieh' euch hinein."

(Simon Conrads)

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Highlights

  • Der König
  • Von gestern
  • Out of reach

Tracklist

  1. Discogedanken
  2. Ja!
  3. Der König
  4. Sintemal 1
  5. Von gestern
  6. Watte in meinem Kopf
  7. Out of reach
  8. Du & ich
  9. Sintemal 2
  10. Siehst du mich noch?
  11. Zu spät
  12. An diesem Abend

Gesamtspielzeit: 44:57 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-12-10 21:32:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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