City And Colour - Guide me back home

City And Colour - Guide me back home

Still / Caroline / Universal
VÖ: 23.11.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Heimfahrt

Ich sitze nachts im Auto, höre das neue Live-Album von City And Colour auf deren ebenfalls frischem, eigenen Label "Still Records" und überlege, ob ich das, was da ertönt, ansprechend melancholisch oder eher ein bisschen nervig finde. Ich kann mich nicht so recht entscheiden, deshalb frage ich meine Mutter, die neben mir sitzt.

"Das erinnert mich an etwas", sagt sie und überlegt kurz. "Ja, genau: Jackson Browne! Das ist auch so Gitarren-Geheule." Ich lache kurz auf. "Naja, es klingt schön kuschelig und atmosphärisch, aber auf Dauer ist es doch bisschen larmoyant alles, oder? Und, sorry, aber ehrlich gesagt, klingt der Typ ein bisschen verspannt", rechtfertigt sie sich. Sie spult vor zum nächsten Song und liest den Titel vor: "What makes a man live" – "'Live' steht da nur, weil das ganze Album bei einem Konzert aufgenommen wurde", korrigiere ich. "Echt? Dann ist es zumindest ganz gut musiziert. Auf diese Kopfstimme ist er sicher stolz. Ist schon professionell." – "Ist ja auch ein professioneller Musiker", merke ich an. Der Song verklingt mit sanften Gitarrenklängen, lauter Applaus ist zu hören. "Das Publikum ist ja ganz angetan", kommentiert meine Mutter. Ich zucke mit den Achseln. "Sind ja auch Kanadier." – "Ach so."

Meine Mutter liest den nächsten Songtitel vor: "'If I should go before you'. Na, das ist sicher auch nicht positiver." Wir lauschen Dallas Green, der da singt: "If I should go, before you / Into the great unknown / I'll leave my ghost right beside you / You won't have to wait alone." "Wie man's nimmt", resümiere ich. Wir fahren weiter durch die Dunkelheit, der Regen prasselt auf die Windschutzscheibe und zeichnet die entgegenkommenden Lichter weich, und bei "Hello, I'm in Delaware" komme ich endlich in die wohl angestrebte feierlich-traurige Stimmung. "Fahr nicht so weit rechts", sagt meine Mutter.

Meiner Mutter gefällt dafür "Lover come back" recht gut. "Das ist direkt etwas zum Mitsingen." Ansonsten findet sie die Melodien von City And Colour etwas gleichtönig, Rhythmus spielt fast überhaupt keine Rolle. "Wenn ich Musiker wäre, würde ich wahrscheinlich auch solche Musik schreiben, weil mir nichts anderes einfallen würde." – "Mit anderen Worten, Du meinst, dass Du das auch noch hinbringen würdest?", frage ich. Sie verdreht die Augen. "Das Problem ist...", setze ich wieder an, " ...ich glaube, ich hab das Album nur zugeteilt bekommen, weil der Chef den Künstler gerne mag. Ich hätte es ansonsten eher aussortiert." – "Oh nein. Dann darfst Du das Album wohl nicht verreißen." – "Eher nicht", erwidere ich und lache dann: "Aber Du darfst das."

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • Hello, I'm in Delaware
  • Lover come back

Tracklist

  1. Forgive me/Two coins
  2. Friends
  3. What makes a man
  4. If I should go before you
  5. We found each other in the dark
  6. Silver and gold
  7. Hello, I'm in Delaware
  8. O sister
  9. Runaway
  10. Twilight
  11. Casey's song
  12. Lover come back
  13. As much as I ever could
  14. Paradise
  15. Against the grain
  16. Comin home
  17. Sensible heart
  18. Waiting
  19. The girl
  20. Sleeping sickness

Gesamtspielzeit: 97:37 min.

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