The Pretenders - Loose screw

The Pretenders- Loose screw

Artemis / Eagle / Edel
VÖ: 26.05.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schraubenzieher

Die aufregenden Zeiten sind für die Pretenders ja schon ein Weilchen her. Damals in den Achtzigern galten Chrissie Hynde und ihre Mannschaft noch als heiß, verdammt heiß. Mehr noch als Blondie waren die Londoner das umwerfendste Bindeglied zwischen dem Aufruhr des New Wave und dem Zucker des aufziehenden Pop-Jahrzehnts. Egal, ob es watteweiches Gesäusel wie "Brass in pocket" oder hüpfender Rock wie "Don't get me wrong" war. Daran konnten weder so manche Auszeit noch Hyndes arg zweifelhafte Avancen an Seichtfüße wie UB40 (Hitsingles) oder Jim Kerr von den Simple Minds (Tisch und Bett) nichts ändern.

Schon seit längerem sind die Pretenders ein eingefahrenes Vehikel mit fester Steuerfrau und austauschbaren Rädchen. Einmal mehr ist es also Hynde, die sich in den Mittelpunkt stellt. Wer eine solch warme Stimme sein eigen nett, kann sich das durchaus leisten. Und wer unerwartet feurige Songs wie "Lie to me" schreibt, erst recht. Der beste Pretenders-Song seit anderthalb Jahrzehnten brodelt, spuckt Feuer und tritt Schienenbeine. Vor allem die der Kerle. "This elaborate yarn / You left behind like a breadcrumb trail / It's too hard to find / The way out of your fairytale." Vorsicht, diese Lady ist Mitglied im Club der Teufelinnen.

Und auch die zappeligen Polyrhythmen von "Time" wissen zu erfreuen. Fast will man der Exil-Amerikanerin die Hand schütteln. Die Rückkehr der früheren Hochform konstatieren. Sich an routinierten und doch erstaunlich zündbereiten Songs freuen. Was dagegen spricht? Ganz einfach, der Rest von "Loose screw". So furios die Platte loslegt, so schnell schlafen ihr die Füße ein. Sei es die plätschernde Selbstdiagnose aus "Complex person", bei dem auch der zickige Text wenig rettet. Seien es Plattheiten wie "Nothing breaks like a heart" oder "The losing". An jeder Ecke lauern suppige Keyboards, halbherzige Offbeats und steife Reggae-Versuche. Und was nützt die aufrichtigste Eigentherapie, wenn die Songs vor lauter Langeweile eingehen? Nur "Fools must die" rettet sich noch aus dem Einerlei hinaus. Hynde selbst beschreibt die neue Scheibe als "easy listening". Als ob man darauf so stolz sein könnte ...

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Lie to me
  • Time
  • Fools must die

Tracklist

  1. Lie to me
  2. Time
  3. You know who your friends are
  4. Complex person
  5. Fools must die
  6. Kinda nice, I like it
  7. Nothing breaks like a heart
  8. I should of
  9. Clean up woman
  10. The losing
  11. Saving grace
  12. Walk like a panther

Gesamtspielzeit: 65:16 min.

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