Phil Collins - Plays well with others

Phil Collins- Plays well with others

Rhino / Warner
VÖ: 28.09.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Zu Phil des Guten

Was so ziemlich jeder über Phil Collins weiß: Er war erst Schlagzeuger, dann Frontmann von Genesis. Er schrieb mit "In the air tonight" eines der größten Schlagzeug-Solos der Musikgeschichte. Er sang den Titelsong des Disney "Tarzan"-Films. Und er hat eine Glatze.

Was schon etwas weniger Leute wissen: Collins ist einer der erfolgreichsten Musiker der Welt und neben Paul McCartney der einzige, der als Solo-Künstler und Mitglied einer Band mehr als 100 Millionen Platten verkauft hat. In seiner langen Karriere hat er sich zahlreicher Genres bedient und eine schier unglaubliche Menge toller Songs geschrieben. Und früher hatte er mal Haare.

Was kaum jemand weiß: Phil Collins "plays" so "well with others", dass man eine Compilation-Box mit vier CDs und 59 Stücken veröffentlichen kann, an denen der Brite bis auf wenige Ausnahmen nur als Produzent, Schlagzeuger, Sänger oder als Live-Musiker beteiligt war. Die CDs eins bis drei sind dabei Chronologien der Jahre 1969-82, 1982-91 und 1991-2011, wogegen die vierte eine Sammlung von Live-Mitschnitten vornehmlich anderer Künstler ist, an denen Collins beteiligt war.

Der Unique Selling Point der Sammlung ist die Vielzahl berühmter Namen, über die man in der Tracklist stolpert: Brian Eno, John Cale, Eric Clapton, Robert Plant, Quincy Jones und sogar Lil' Kim sind vertreten. Schon während des Durchlaufs der ersten CD kann man als Hörer aber zu der Erkenntnis kommen, dass die Beteiligung eines Musikers in verschiedensten Funktionen nicht die beste Grundlage zur Zusammenstellung einer solchen Compilation ist. Selbstverständlich sind unter den 59 Stücken zahlreiche gute und viele hörbare, aber die schiere Masse kann auch über das fragwürdige Konzept nicht hinwegtäuschen. Denn wegen der Sortierung folgt auf den wilden Prog-Rock von Peter Banks ("Knights (Reprise)") der brave Folk-Rock von Eugene Wallace ("Don't you feel it") oder an späterer Stelle auf den Jazz-Rock von Collins Band Brand X ("And so to F") der soulige Soft-Rock von Robert Fripp ("North star") und so verkommen die CDs eher zu musikalischen Wundertüten als kohärenten Liederbündeln.

Am stimmigsten ist da die zweite CD, die wie eine Zusammenstellung von zu unrecht vergessenem Achtziger-Pop-Rock daher kommt, mit "Angry" eine ungewohnte Facette von Paul McCartney bietet, leider aber auch das unumgängliche "Do they know it's Christmas?" beinhaltet. Die dritte CD erstaunt vor allem dadurch, dass die Songs viel mehr nach Achtzigern klingen, als nach den Neunzigern und 2000er Jahren, in denen sie entstanden sind, so zum Beispiel die beiden John-Martyn-Songs "Suzanne" und "Could've been me". Die "In the air tonight"-Version von der oben erwähnten Lil' Kim sticht als modernstes Lied eindeutig heraus – was nicht unbedingt positiv gemeint ist.

Weil eine Version von "In the air tonight" aber nicht genug ist, wird die vierte CD von einer ungewohnten Akustik-Version eröffnet, die belegt, dass Collins ein fantastischer Sänger ist, der aber das ikonische Schlagzeug fehlt. Daneben gibt es unter anderem Darbietungen von Klassikern wie "While my guitar gently weeps" oder "Layla", die sich lohnen, aber auch schon in vielen anderen Versionen existieren. Wer sich also davon überzeugen lassen möchte, dass die Bedingung "Phil Collins hatte seine Finger im Spiel" nicht als Konzept einer solchen Box ausreicht, sollte zuschlagen. Wer sich hingegen von Collins Talent überzeugen möchte, sollte einfach seine regulären Alben oder Best-ofs hören.

(Simon Conrads)

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Highlights

  • Pablo Picasso (John Cale)
  • Angry (Paul McCartney)
  • Suzanne (John Martyn)
  • Layla (Live) (Eric Clapton)

Tracklist

  • CD 1
    1. Guide me Orion (Flaming Youth)
    2. Knights (Reprise) (Peter Banks)
    3. Don't you feel it? (Eugene Wallace)
    4. I can't remember, but yes (Argent)
    5. Over Fire Island (Brian Eno)
    6. Savannah woman (Tommy Bolin)
    7. Pablo Picasso (John Cale)
    8. Nuclear burn (Brand X)
    9. No one receiving (Brian Eno)
    10. Home (Rod Argent)
    11. M386 (Brian Eno)
    12. ...And so to F... (Brand X)
    13. North star (Robert Fripp)
    14. Sweet little mystery (John Martyn)
    15. Intruder (Peter Gabriel)
    16. I know there's something going on (Frida)
    17. Pledge pin (Robert Plant)
    18. Lead me to the water (Gary Brooker)
  • CD 2
    1. In the mood (Robert Plant)
    2. Island dreamer (Al Di Meola)
    3. Puss 'n' boots (Adam Ant)
    4. Walking on the Chinese wall (Philip Bailey)
    5. Do they know its Christmas? (Band Aid)
    6. Just like a prisoner (Eric Clapton)
    7. Because of you (Philip Bailey)
    8. Watching the world (Chaka Khan)
    9. No one is to blame (Phil Collins' version) (Howard Jones)
    10. If leaving me is easy (The Isley Brothers)
    11. Angry (Paul McCartney)
    12. Loco in Acapulco (Four Tops)
    13. Walking on air (Stephen Bishop)
    14. Hall light (Stephen Bishop)
    15. Woman in chains (Tears For Fears)
    16. Burn down the mission (Phil Collins)
  • CD 3
    1. No son of mine (Genesis)
    2. Could've been me (John Martyn)
    3. Hero (David Crosby)
    4. Ways to cry (John Martyn)
    5. I've been trying (Phil Collins)
    6. Do nothin' till you hear from me (Quincy Jones)
    7. Why can't it wait 'til morning
    8. Suzanne (John Martyn)
    9. Looking for an angel (Laura Pausini)
    10. Golden slumbers / Carry that weight / The end (George Martin)
    11. In the air tonite (Lil' Kim feat. Phil Collins)
    12. Welcome (Phil Collins)
    13. Can't turn back the years (John Martyn)
  • CD 4
    1. In the air tonight (Live) (Phil Collins)
    2. While my guitar gently weeps (Live) (George Harrison)
    3. You win again (Live) (Bee Gees)
    4. There'll be some changes made (Live) (Phil Collins & Tony Bennett)
    5. Stormy weather (Live) (Phil Collins & Quincy Jones)
    6. Chips and salsa (Live) (The Phil Collins Big Band)
    7. Birdland (Live) (Phil Collins with The Buddy Rich Big Band)
    8. Pick up the pieces (Live) (The Phil Collins Big Band)
    9. Layla (Live) (Eric Clapton)
    10. Why (Live) (Annie Lennox)
    11. (Everything I do) I do it for you (Live) (Bryan Adams)
    12. With a little help from my friends (Live) (Joe Cocker)

Gesamtspielzeit: 285:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
...
2018-12-01 17:23:08 Uhr
Against all Odds zeigt,dass Schnulze und guter
Song nicht unbedingt Widersprüche sein müssen.,aber bei Sachen wie Another Day in
Paradise oder One more Night bin ich auch raus.

nörtz

Postings: 4836

Registriert seit 13.06.2013

2018-12-01 16:52:20 Uhr
Auch die 80er-Genesis sind leider vor Collins-Schnulzen nicht verschont geblieben.
Letzte Woche mal 'ne Stunde MTV geschaut...
2018-12-01 13:58:56 Uhr
Aber selbst so Schnulzen wie Hold on my Heart
sind gemessen am Mainstream heute immer
noch Gold wert.Hab vor einigen Stunden die
Collection "Turn it on again"von Genesis erworben.Leider liegt der Schwerpunkt auf den
Sachen aus den 80-ern,wobei selbst die beileibe
nicht unerträglich sind.Auf jeden Fall eine
Bereicherung für meine CD-Sammlung.

Watchful_Eye

Postings: 1401

Registriert seit 13.06.2013

2018-12-01 02:24:17 Uhr
Übrigens diejenigen, die Phil Collins bisher nur von seiner schnulzigen Seite kennen, sollten sich mal das auf Disc 1 befindliche "Nuclear Burn" mit seiner Jazz Fusion-Band "Brand X" reinziehen. ;)

https://www.youtube.com/watch?v=vo7mYqaMKXA
Ha
2018-12-01 01:42:25 Uhr
wie bitte?? kein "easy lover" mit philip bailey auf der zweiten cd der 80er drauf? schändlich! das ist doch eines seiner besten kollabos von phils karriere!

DAS dachte ich mir auch.
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