The Angelcy - Nodyssey

The Angelcy- Nodyssey

The Angelcy
VÖ: 07.12.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Himmlische Heilung

Israel ist nicht gerade bekannt für aufregende Musikexporte. In den letzten Jahren war das Land in diesem Zusammenhang vor allem dann in den Nachrichten, wenn wieder ein bedeutender Künstler ein geplantes Konzert unter dem Druck der BDS-Bewegung (Boycott, Divestment, Sanctions) abgesagt hat. Dabei würde man der aus Tel Aviv stammenden Band theAngelcy (so schreiben sie sich selbst) durchaus gönnen, dass sie Schlagzeilen macht. Die elf Tracks auf ihrem zweiten Album "Nodyssey" haben einen ähnlich kathartischen Effekt auf den Hörer wie die Verträumtheit von Edward Sharpe & The Magnetic Zeros und entwickeln stellenweise die gleiche versöhnliche Verve, die The Lumineers mit ihrem zum Mitklatschen verpflichtenden Hit "Ho hey" perfektioniert haben. Schon das Debüt "Exit inside" wurde in Israel von der Kritik gefeiert und schließlich auch in Europa veröffentlicht, sodass The Angelcy inzwischen Konzerte auf dem ganzen Kontinent spielen und seit nunmehr drei Jahren fast pausenlos auf Tour sind.

Das neue Album "Nodyssey" präsentiert sich nun als Verdichtung dessen, was auf dem Erstling bereits durchschien. Zwar kommen die Stücke etwas melancholischer und weniger kämpferisch daher, aber die wirkungsvolle, vielseitige Instrumentierung mit Streichern und Bläsern eignet sich bestens als Vehikel für Bar Ors oft abstrakte Texte. Bereits auf "Exit inside" gab es mit Tracks wie "My baby boy" Klagelieder zur politischen Situation des nicht endenwollenden Israel-Palästina-Konflikts, und mit "The revolution" oder "Holyland" sind auch diesmal Songs mit ganz ähnlicher Färbung dabei. Der erstgenannte täuscht dabei durch das leichtfüßige Arrangement eine wohlige Ausgelassenheit vor, der Text steht dieser allerdings diametral entgegen. "They're the ones who are bombing people / And are killing innocent people" singt Bar Or, und dem Hörer gefriert der Bewegungsdrang in den Beinen. Der Großteil der übrigen Songs ist zwar weniger explizit politisch, aber nicht weniger ergreifend.

Das gilt auch für den Opener "Rising". Dessen druckvoller Folk-Rock mit gespenstischen Chören, gezupften Streichern und wunderbaren Klarinetten-Einwürfen belegt den oben erwähnten, versöhnlichen Charakter der Musik, denn: "We are one / We are one / All hearts melting in the sun." Was aber Bar Or nicht daran hindert, im so rührenden wie ruhigen "I worry" seine eigenen Sorgen zu erläutern. Solche Dynamikwechsel von treibend zu leise und zurück zeichnen das Album aus, und es beeindruckt im direkten Kontrast zutiefst, dass die Band beide Facetten anscheinend mit Leichtigkeit beherrscht. Dem eingängigsten Stück "Mona Lisa", dessen Refrain auch aus einem Seemannslied stammen könnte, folgt beispielsweise das besonders zarte "Vira", ohne dass der Gegensatz irritieren würde. "Breakdown" als Album-Highlight entwickelt in seiner kurzen Spielzeit dank des Refrains einen unheimlichen Sog und sogar großes Gänsehautpotenzial. "But if somehow you don't leave me / I'll get myself much better, believe me" verspricht Bar Or. The Angelcy hingegen sollten sich anstrengen, wenn sie selbst noch besser werden wollen.

(Simon Conrads)

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Highlights

  • I worry
  • Breakdown
  • The revolution

Tracklist

  1. Rising
  2. I worry
  3. Everyone
  4. Breakdown
  5. Cetacean stranding
  6. The revolution
  7. Mona Lisa
  8. Vira
  9. All around the wishing well
  10. Holyland
  11. Nodyssey

Gesamtspielzeit: 43:22 min.

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Armin

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2018-12-01 00:14:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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