Josephine Foster - Faithful fairy harmony

Josephine Foster- Faithful fairy harmony

Fire / Cargo
VÖ: 16.11.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein Mammut aus Federn

Bei einer Künstlerin wie Josephine Foster kommt man einfach nicht umhin, von ihrer Stimme zu sprechen. Nun werden als "Naturereignisse" normalerweise eher gewaltige Auswüchse bezeichnet, doch auch Fosters Gesang ist ein solches. Mit kribbelig machender Zartheit umgarnt und bekleidet sie ihre fast unwirklichen Stücke, ihre Vocals bleiben nur als feines Kondensat auf deren Oberfläche zurück oder als wässriges Vibrieren in den Zwischenräumen. Solche Gestalten werden gerne Elfen oder Feen genannt, und an diese denkt man auf dem passend betitelten "Faithful fairy harmony" nur allzu oft. Nichts erscheint erst mal konkret auf diesem vom Umfang her kolossalen, doch in der Ausführung so feingliedrigen Album, dessen 18 Songs weich vorbeigleiten.

"The virgin of the snow" wandelt somnambul über dämmrige Präriewiesen, die Akustikgitarre bildet einen schummrigen, aber gangbaren Untergrund für das Säuseln Fosters, ein Cello lässt den Himmel etwas tiefer stehen, der jedoch durch das Emporschweben von Fosters Stimme in kristalline Höhen sanft aufgebrochen wird. Solche Momente sind nah dran am Technicolor-Kitsch früher Hollywood-Blockbuster, doch in Fosters Vortrag wirkt eine spirituelle Wahrhaftigkeit, die mit leichter Hand ins transzendente Schwindeln führt. Eine rustikale Körnigkeit weist dagegen das selbstbewusst geschrammelte "Lord of love" auf, ergänzt durch sattwohlige Percussion. Nur Foster selbst schwebt schon wieder im Äther und schickt von dort den Refrain mit einer Andeutung von Ausgelassenheit hinab.

Die Songs bewegen sich entweder durch nachcolorierte Seerosenteich-Panoramen oder besitzen eine rurale Country-Haptik, für eine weichgezeichnete Rotlicht-Orgel findet sich dabei genauso Verwendung wie für die Newsomsche Harfe. Deutlich diesseitiger sind die klassischen Klangfolgen des Klaviers in "The peak of paradise", denen ein wehmütiges Cello den Weg in eine submarine Unterwelt weist. Ob hell oder eher düster, die Songs dieser Platte gönnen sich trotz zeitweiliger Klarheit in Sound und Tönen eine uneindeutige Verwässerung, wie konzentrische Kreise, welche die glatte Oberfläsche eines Bergsees in Unruhe versetzen. Es sprudelt und rieselt betörend auf "Faithful fairy harmony", Josephine Foster tut alles dafür, harte Kanten und schroffe Passagen zu vermeiden. Ihr dem Album den Titel gebender Epilog besitzt dann zwar auch markante Tastenklänge, die von einer watteweichen Nostalgie herüberschwappende Stimme Fosters setzt dieses wie auch die anderen Stücke jedoch in eine verzückte Betäubung. Da schreckt einem am Ende sogar die wuchtige E-Gitarre nicht mehr auf.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • The virgin of the snow
  • Lord of love
  • The peak of paradise
  • Faithful fairy harmony

Tracklist

  1. Soothsayer song
  2. A little song
  3. The virgin of the snow
  4. Pearl in oyster
  5. Benevolent spring
  6. Force divine
  7. All pales next to you
  8. Lord of love
  9. Eternity
  10. Indian burn
  11. The peak of paradise
  12. Adieu color adieu
  13. Pinning away
  14. Challenger
  15. I was glad
  16. Sheperd moon of Starry Height
  17. Little lamb
  18. Faithful fairy harmony

Gesamtspielzeit: 76:04 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-11-22 21:37:07 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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