Valley Maker - Rhododendron

Valley Maker- Rhododendron

Frenchkiss / Membran
VÖ: 12.10.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Echt schön

Mit dem Wörtchen "schön" ist man immer schnell bei der Hand, wenn etwas ohne qualifizierte Begründung für ansprechend befunden werden soll. Es hat dank Kant einen Objektivitätsanspruch und ist trotzdem recht bedeutungsarm. Valley Maker hat es mit seinem zweiten Album "Rhododendron" nun geschafft, 40 Minuten Musik zu produzieren, die dem Hörer nach dem ersten Durchgang nur dieses Wort entlocken: "Schön." Das passt zum Titel, für den Pflanzenunkundigen ist der Rhododendron ja auch erst mal nur ein schönes Gewächs. Es aber bei diesem knappen Urteil zu belassen, täte Valley Maker Unrecht. Austin Crane, der hinter dem Pseudonym steckt, hat sich seit seinem Debüt hörbar weiterentwickelt und die Introversion des 2015 erschienenen "When I was a child" gegen größere Arrangements und ein neues Selbstbewusstsein eingetauscht. Als Doktorand der Humangeographie beschäftigt er sich auch auf "Rhododendron" mit der Wechselbeziehung von Mensch und Planet Erde und spinnt vielseitige, gefällige Klanglandschaften um seine abstrakten Grübeleien. Dabei trägt jedes Stück eine wohlige Melancholie mit sich, die mit den ersten kalten Herbsttagen fantastisch harmoniert.

"A couple days" startet mit einem kurzen, repetitiven Gitarren-Riff, das immer wieder von "Ooh-Ooh"s unterbrochen wird, bis Crane mit seinem nasalen Gesang einsteigt und den Hörer mit den ersten Zeilen in seinen Bann zieht: "Time is just a game I play / It's written on the ocean's waves / Circling beyond my brain / Something I could not contain." Der sparsam eingesetzte Backgroundgesang gibt dem Lied den letzten Schliff zu einem echten Folk-Rock-Juwel. "Beautiful birds flying" klingt mit seiner mächtigen Kombination aus Gitarre, Klavier und treibendem Tambourin so sehr nach Aufbruch und Reise, dass man sich beim Augenschließen leicht in einen Road-Trip durch die amerikanischen Weiten träumen kann. Einen ganz ähnlichen Effekt hat im Februar 2018 Leif Vollebekk mit seinem feinfühligen Album "Twin solitude" erzielt. Genau wie Vollebekk setzt auch Crane auf die Kraft der Ruhe und einfacher Strukturen. Das ergreifende "Rise up" wartet mit Bläsern auf, die dem Stück trotz aller Tragik ein wenig Optimimus einflößen. "Be born today" ist dagegen eindringlicher Americana, der sich um eine bedrückende Western-Gitarre formiert. Ein Klavier, das von ganz weit her zu kommen scheint, etabliert eine gespenstische Atmosphäre, die mit dem gedankenversunkenen Text auf fesselnde Art und Weise korrespondiert.

Produziert wurde das Album von Chaz Bear, der auch als Toro Y Moi bekannt ist, und Trevor Spencer. Bear und Crane spielten die Songs gemeinsam in Portland ein, bevor sie in Seattle von Spencer, der bereits mit Father John Misty und Fleet Foxes gearbeitet hat, fertig gemischt wurden. Den LoFi-Charme des Debüts haben die beiden Gehilfen zwar aus der Musik herausproduziert, dafür aber mit viel dichteren Instrumentierungen für bedeutend mehr Dringlichkeit gesorgt. Der Closer "River bend my mind" ist dafür das beste Beispiel. Das auf E-Piano, Gesang und sphärische Gitarren-Klänge reduzierte Stück bringt das Album noch mal auf den Punkt: schön halt.

(Simon Conrads)

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Highlights

  • A couple days
  • Beautiful birds flying
  • Rise up
  • Be born today

Tracklist

  1. A couple days
  2. Light on the ground
  3. Beautiful birds flying
  4. Rise up
  5. Seven signs
  6. Be born today
  7. Baby, in your kingdom
  8. Planted in the tall weeds
  9. Wonder
  10. River bend my mind

Gesamtspielzeit: 39:21 min.

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MasterOfDisaster69

Postings: 408

Registriert seit 19.05.2014

2018-11-21 19:57:49 Uhr
genau, echt richtig schön uninteressant

kapomuk

Postings: 39

Registriert seit 25.08.2014

2018-11-20 08:30:26 Uhr
Dahinplätschernder Indie-Pop mit Folk- und Jazz-Schnippeln (Saxofon!)

https://tagpacker.com/user/peterhbg?t=Valley_Maker:_Rhododendron_**

Armin

Postings: 13630

Registriert seit 08.01.2012

2018-11-15 21:15:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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