Rita Ora - Phoenix

Rita Ora- Phoenix

Atlantic / Warner
VÖ: 23.11.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Das Glück der Genügsamen

Für eine Charts-präsente, erfolgreiche Popsängerin hatte es Rita Ora in den letzten Jahren nicht leicht. Aus der festgefahrenen Indie-Fraktion muss sie sich sowieso immer wieder die alte Leier vom fremdgesteuerten Plastik-Püppchen anhören, schon von ihrem Genre heraus jeglichen Mehrwerts beraubt. Dazu kamen Querelen mit ihrem Ex-Label, die ihr zweites Album "Phoenix" stark verzögerten, sowie kürzlich Kritik aus der eigenen Anhängerschaft für die fehlgeleitete LGBTQ-Hymne "Girls" mit ihrer Fetischisierung echter Frauenliebe zur hedonistischen Männerfantasie. Zu unguter Letzt blieb der ganz große Weltstar-Durchbruch weiterhin aus, wodurch Ora im schnelllebigen Mainstream-Geschäft zur Fußnote zu werden droht, nach der in fünf Jahren schon kein Hahn mehr kräht. Verdient hat sie das alles nur bedingt, zumindest sind gute Absichten, Hingabe für die Musik und ein großes Fan-Herz bei der Britin unverkennbar. Man wünscht es ihr deshalb nicht, doch trotzdem muss man ehrlicherweise konstatieren: Würde sie sich zurückziehen, wäre das kein allzu großer Verlust für die Pop-Geschichte.

So ist "Phoenix" trotz Oras Herzblut leider wieder ein generisches, glattes Formel-Konstrukt, das sich aufgrund seines in die Länge gezogenen Entstehungsprozesses – die Hälfte der Tracks ist bereits bekannt, teilweise seit anderthalb Jahren oder schon auf anderen Veröffentlichungen erschienen – auch mehr wie eine Singles-Kollektion anfühlt. Da blitzen zwar immer wieder gute Ansätze, Melodien, stellenweise ganze Songs auf, doch erzwungene Clubtauglichkeit und die größtenteils zugekleisterte Produktion machen den Hörgenuss zur Sisyphos-Aufgabe. Immerhin wird der Nervfaktor des eröffnenden "Anywhere" mit seiner Billig-Electro-Hook im Folgenden nicht mehr erreicht, die anderen Singles wie die Avicii-Zusammenarbeit "Lonely together" oder der "Fifty shades freed"-Soundtrack-Beitrag "For you" sind harmlose Charts-Kost, charakterlos zwar, aber abseits ihres aufdringlichen Sounds durchaus bekömmlich. Mit "Summer love" hat das englische D'n'B-Kollektiv Rudimental indes sogar ein unerwartet großes Highlight für ihre Landsfrau gezimmert, das mit bemerkenswerter Dynamik, melancholischem Einschlag und kraftvollen Drum-Wirbeln auch elaborierteren Electro-Acts wie AlunaGeorge oder Disclosure gut zu Gesicht gestanden hätte.

Wenn man dem Genre nicht grundsätzlich abgeneigt ist, lässt sich hier auch an anderen Stellen Spaß haben, wodurch man "Phoenix" insgesamt keineswegs weniger als Durchschnitt attestieren kann. Die bisher unveröffentlichten "New look" und "Only want you" kommen luftiger und melodisch stärker als der Rest daher, in letzterem darf für die finalen zehn Sekunden sogar die Gitarre ein bisschen ausrasten. Auch das eingangs erwähnte "Girls" überzeugt trotz seiner inhaltlichen Problematik musikalisch, bringt mit starken Parts von Charli XCX und Cardi B ein bisschen Anarchie in ein Album, das sich sonst konservativer als der Veränderungswillen der SPD zeigt. Nein, Ora offenbart hier wenig Ambition, ihrer Stimme und Persönlichkeit gerecht zu werden, sie macht es sich stattdessen weiterhin in der dick gepolsterten, massen-, wie zeitgeisttauglichen Charts-Ecke bequem, in der sie nicht weiter auffällt und sich zumindest die nächsten paar Jahre noch keine Gedanken um ihre Relevanz machen muss. Man gönnt es ihr, doch wenn irgendwann in den 2020ern nur noch ein "Rita wer?" bei Erwähnung der Britin zu hören ist, wird sie nur wenige Argumente zur Beschwerde haben.

(Marvin Tyczkowski)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Summer love (with Rudimental)

Tracklist

  1. Anywhere
  2. Let you love me
  3. New look
  4. Lonely together (Avicii feat. Rita Ora)
  5. Your song
  6. Only want you
  7. First time high
  8. For you (with Liam Payne)
  9. Summer love (with Rudimental)
  10. Girls (feat. Cardi B, Bebe Rexha & Charli XCX)
  11. Keep talking (feat. Julia Michaels)
  12. Hell of a life

Gesamtspielzeit: 41:50 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Johann Tilly

Postings: 1

Registriert seit 29.12.2019

2019-12-29 05:13:40 Uhr
Man muss kein Welt Star sein. Der Erfolg und die Bekanntheit die Rita Ora bisher hat reicht absolut. Hauptsache ist, dass der Künstler gute Musik veröffentlicht/produziert/singt.

Das Album "Phoenix" ist wie das Vorgänger Album großartig und fast jeder Song darauf ist gut. Ich hoffe, dass Rita Ora, Bebe Rexha, Dua Lipa und Becky G noch viele großartige Musiktitel veröffentlichen werden. Alle 4 haben schon viele tolle Titel rausgebracht. Danke dafür,

kapomuk

Postings: 56

Registriert seit 25.08.2014

2018-12-01 20:54:08 Uhr
Plastik-Pop …

https://tagpacker.com/user/peterhbg?t=VÖ181123,Rita_Ora:_Phoenix_*
Meinungen
2018-11-16 09:35:41 Uhr
Die Google-Bildersuche erfreut...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17214

Registriert seit 08.01.2012

2018-11-15 21:13:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17214

Registriert seit 08.01.2012

2018-09-21 20:26:15 Uhr - Newsbeitrag
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify