Blackmail - Friend or foe?

Blackmail- Friend or foe?

WEA / Warner
VÖ: 26.05.2003

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The latest bliss

Dicke Regenwolken haben sich vor die Sonne gedrängelt. Kräftige Windböen wirbeln Laub und Staub auf. Da braut sich was zusammen. Streicher und Schlagzeug verkünden großes Drama, eine vertraute Stimme kämpft gegen den aufkommenden Sturm an. "Your tears have turned the water black". Die ersten Tropfen fallen vom Himmel, schwarz wie die Nacht und schwer wie die Angst. Es wird ungemütlich. Blitz und Donner zerreißen den Horizont, der Regen steigert sich zu einem kräftigen Gewitterschauer. "Your hands protect your eyes / I'm sure you've lost your speech". Die Spucke bleibt weg, der Puls rast, das Unwetter tobt. Eine Gitarre durchschneidet die Luft, Ohmacht überkommt den Körper. Cut.

Rückblende. Im Februar 2001 veröffentlichen Blackmail ihr drittes Album. Mit "Bliss, please" geben sie ihr definitives "Ja"-Wort zum Pop, vergessen aber nicht, wo sie herkommen. Ein Alptraum in rosarot, in dem der höchste Gitarrenberg zu jeder Zeit von einer noch größeren Melodie überragt wird. Die Band wächst über sich und alle anderen hinaus, man reiht Hit an Hit und steht schließlich vor einem Album, das vieles verändert. Ausverkaufte Konzerte, Fernsehen, Albumcharts. "We'll never be the same again".

Natürlich ist Koblenz aber viel zu clever, um sich auf den Erfolg etwas einzubilden. "Friend or foe?" stellt nicht etwa seinem Vorgänger nach. Nein, man tritt lieber einen Schritt zurück, um mindestens zwei nach vorne zu kommen. Im selbstgebauten Studio haben Blackmail ihr bisher kompaktestes Album aufgenommen. Staubtrocken produziert werden zahllose Ideen, Instrumente und Details auf engstem Raum mit viel Gefühl in den Fingerspitzen ausgespielt. Zwischen die einzelnen Stücke paßt kaum mehr ein Blatt Papier, trotzdem will man nie zu viel des Guten. Plus: Die Platte langt derartig in die Vollen, wie es seit "Science fiction" nichts mehr aus der Stadt der unbegrenzten Gitarrenmöglichkeiten getan hat. Ein Richterskalen sprengendes Erdbeben.

"Friend or foe?" tanzt auf vielen Hochzeiten. "Evon" zuckt erst wie ein Fisch im Netz und kämpft dann mit dessen Überlebenswillen. "It could be yours" gibt sich als erste Single temporeich, im melodieverliebten "Leave" lugt der Pop noch mal aus einem alten Klavierkasten hervor. Der Forschungsdrang der Band ist dabei ungebrochen. "Fast summer" löst sich nach eigenartigem Piepen und Klackern in eine träumende Steel-Gitarren-Nummer auf. "Nobody's home" verdreht die Augen und berserkert sich rücksichtslos durch zwei fassungslose Minuten. Lediglich einen echten Überflieger sucht man hier vergebens. Der Star ist das Album. Elf Freunde müßt ihr sein.

Im finalen "Friend" entlädt sich das Gewitter. "We try to stop ourselves from getting swept away" singt Charakterkopf Aydo Abay, während losgeleinte Gitarren in zehn Minuten alles verwüsten, was die vorangegangene halbe Stunde überstanden hat. Ein letztes Mal auf die Zähne beißen. Als der Sturm sich gelegt hat, erfüllt die Frische eines reinigenden Gewitters die Luft. Tief durchatmen. "Friend or foe?" Blackmail stellen die Vertrauensfrage, und es kann nur eine Antwort geben. Ein Album mit der Kraft der Naturgewalten.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Airdrop
  • Evon
  • Friend

Tracklist

  1. Airdrop
  2. Evon
  3. It could be yours
  4. On the tightrope
  5. Sunday sister
  6. Fast summer
  7. Leave
  8. Nobody's home (In my home I'm alone)
  9. Dive
  10. All mine
  11. Friend

Gesamtspielzeit: 43:03 min.

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User Beitrag

derdiedas

Postings: 277

Registriert seit 07.01.2016

2018-10-23 09:12:20 Uhr
Fand Aydos Projekte von Ken bis Abay eigentlich alle cool, aber stimmt, die längste Halbwertszeit haben die nicht unbedingt, das sind so Platten, die man 2 Wochen rauf und runterhört, und dann erstmal liegen lässt weil man alles schon auswendig kann... was nichts schlechtes ist, gute eingängige Musik muss man auch erstmal machen können. Aber Kurt als Gegenpol fehlt halt
Hansi Beimer
2018-10-22 10:41:51 Uhr
Aydo hängt jetzt nur noch in der Lindenstrasse ab und macht sich zum Depp.

Voyage 34

Postings: 80

Registriert seit 11.09.2018

2018-10-22 09:29:55 Uhr
Von Aydos Sachen konnte mich bisher nix längerfristig packen, keins seiner 100 Projekte. Das aktuelle abay scheint da leider keine Ausnahme zu sein
Suzann
2018-10-22 08:00:08 Uhr
Was machen die Jungs eigentlich?

Hör gerade das Abay was wirklicht gut geworden ist.

nörtz

Postings: 4665

Registriert seit 13.06.2013

2018-10-21 17:17:02 Uhr
Wär ja mal Zeit für ein Blackmailsongvoting. Wenn schon die Band nichts mehr liefert...
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