Mark Forster - Liebe

Mark Forster- Liebe

Four / Sony
VÖ: 16.11.2018

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Nie wieder

Mark Förster hat niemandem tatsächlich etwas getan. Und auch, wenn Fatoni den Namen des kappentragenden Singer-Songwriters immer so schön falsch ausspricht, ist Mark Ćwiertnia – so heißt der 34-Jährige aus der Pfalz in Echt – ja nun wirklich kein Bernd Höcke. Nein, Mark Forster hat niemandem tatsächlich etwas getan. Scheißmusik zu machen fällt nicht unter die Genfer Konventionen, es gibt keinen StGB-Paragraphen dafür, auch zivilrechtlich wurde noch keiner verurteilt, weil seine Mucke recht billig ist. Was zur Ahndung bleibt, ist die Häme, ist der Schimpansen-Vergleich, wie ihn Böhmermann 2017 auf Forsters Seelenlosigkeits-Kollegen Max Giesinger anwendete. "Menschen Leben Tanzen Welt" hieß damals der Disstrack des Satirikers. Forsters neues Album komplettiert die Reihe der bedeutungsschwangeren Leerwörter und nennt sich "Liebe".

Entsprechend eröffnet "Comeback" den Reigen: "Ich hab Bock auf ein Comeback, 'Beybäh'", lässt Forster zwischen groovigen Drones, Kinderchor und Gitarrensolo im letzten Songdrittel verlauten und vernachlässigt dabei einfachste Dating-Regeln. Die erste Single "Einmal" schließt an und thematisiert die erste große Liebe und dass manche Dinge eben nur einen Versuch bekommen, also genau das, was Forster im Song davor noch negierte. Der Titel nimmt zur Hälfte Fahrt auf, die Stimme bekommt eine Portion Hall und mit jenem den gewünschten Pathos, der auf Forsters Fans wirkt wie die Glocke auf den Pawlowschen Hund. Das Titelstück "Liebe" nimmt zunächst mit der Akustischen vorlieb, wünscht sich mit der Geliebten nach Las Vegas. Nach einer Minute naht elektronische Verstärkung heran, während der Beat seinen hüftschwingenden Rhythmus aufnimmt. Na ja, also Liebe ist das Größte, bla bla, ein Song wie eine Friteuse: sprudelnder Schmalz.

Weitere Lowlights auf "Liebe": "194 Länder" und "747". Ersteres prahlt sinnloserweise mit geographischen Kennzahlen, lässt die Musik orientalisch aufspielen, während eine gezupfte Gitarre die Melodie wiederholt und der Refrain im "Lala-lalala" versandet. Im zweiten Stück vergleicht Forster sich mit einem Flugzeug: "Wie 'ne 747 muss ich fliegen, fliegen, fliegen." Fürchterlich hier, wie er beim Wort "abheben" in die Kopfstimme driftet. In "Danke danke" gesellt sich Sido hinzu, macht den Scheißsong aber auch nicht besser. Kaum zu ertragen ist dabei, wie Forster "mille grazie" ausspricht. Wahrscheinlich stirbt bei jedem Spotify-Play ein Italiener, was die Bevölkerungsdichte des Stiefels durchaus empfindlich treffen könnte. Apropos sterben, in "Killer" besingt der Sänger sein offenbar umwerfendes Gegenüber: "Kill-la-la-la, ey Killer, Du killst mich." Autsch. Weiterhin festzuhalten: Das von Maro & Maurice Kirya gefeaturte und mit afrikanischen Zeilen unterfütterte "Chip in" ist genauso wenig hörenswert wie "Irgendwann happy", die obligatorische Durchhalteparole, welche auf jedem aktuelleren deutschsprachigen Album mit scheingefühligem Anspruch besungen werden muss.

Mark Forsters Musik bewegt sich am Rande der Unerträglichkeit. Und dennoch ist er wahnsinnig erfolgreich. Sein Geheimrezept ist dabei einfach entschlüsselt: Omnipräsenz und Schwiegersohnigkeit. Der Typ ist einfach überall, ist bei "The Voice of Germany" und "The Voice Kids", bei "Sing meinen Song", als Gast bei "Inas Nacht". Glotze an, da isser, der sympathische Grinsebub mit der Cap. Im Radio nix anderes. Aber nicht vergessen: Mark Forster hat niemandem tatsächlich etwas getan. Seine Musik ist kacke, aber harmlos. Trotzdem saubitter, wie seine beschriebene Allgegenwärtigkeit den Fokus der Masse verschiebt, wie sie Besserem, aber weniger plakativ Aufgetischtem die Sichtbarkeit raubt und die Güte des Opulenten herbeilügt. Forsters musikalischer Output wird am Ende schlicht über das Maß seiner Feierungswürdigkeit hinaus gefeiert. Der Rezensent macht da nicht mit, verkneift sich immerhin halbwegs die Häme, hört "Liebe" nach dieser Rezension jedoch auch nie wieder an.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

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Tracklist

  1. Comeback
  2. Einmal
  3. Liebe
  4. Was Du nicht tust
  5. 194 Länder
  6. 747
  7. Danke danke (feat. Sido)
  8. Nimmerland
  9. Killer
  10. Genau wie Du
  11. Chip in (feat. Maro & Maurice Kirya)
  12. Irgendwann happy
  13. Gerade jetzt

Gesamtspielzeit: 53:29 min.

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Pascal

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2019-01-17 00:17:08 Uhr
Danke vielmals für die Blumen :-)
Rezi des Jahres
2019-01-15 22:04:09 Uhr
Zurecht Rezension des Jahres geworden. Die Stelle mit den Italienern ist grandios!
also
2018-12-30 17:24:06 Uhr
die listening sessions zu radiohead alben sind auch immer klasse unterhaltsam und lustig
Einfach
2018-12-30 00:32:22 Uhr
Zeitlos.
Ja
2018-12-30 00:11:41 Uhr
Stimmt
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