Taskete! - Taskete!

Taskete!- Taskete!

Millaphon / Broken Silence
VÖ: 26.10.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Hauptsache Geräusch

Dass Flo Weber, hauptberuflich Schlagzeuger der Sportfreunde Stiller, schon immer eine Affinität zu härterer Rockmusik hatte, ist bekannt. Bei seiner Hauptband war es ihm bisher nicht vergönnt, seine Liebe zu feisten Riffs in erträglicher Form auf Platte zu bannen. Sein Glück: Aren Emirze, seines Zeichens langjähriger Kopf der sträflich unterbewerteten Harmful, steht seit ein paar Jahren ohne Hauptprojekt da und hatte dementsprechend Zeit und Songmaterial übrig. Da Weber bereits auf dem letzten Harmful-Album als Gastdrummer tätig war, war es von der Idee zur Umsetzung sicher kein großer Schritt. Das Ergebnis dieser Kollaboration erreicht zwar nicht die Abgründigkeit Harmfuls, macht aber von der ersten bis zur letzten Sekunde großen Spaß. In knapp einer halben Stunde brennen Weber und Emirze als Taskete! auf ihrem selbstbetitelten Debüt neben einem Feuerwerk gleich noch die Fabrik mit ab.

Der Fokus liegt klar auf den Hooks, sei es in Form einprägsamer Gitarrenmelodien oder minimalistischer Refrains, die förmlich danach schreien, von einem Publikum mitgeschrien zu werden. Songs wie "Monologue" und "Fossil" leben primär von Emirzes Händchen für dampfwalzende Geräusche aus dem Sechssaiter. Webers Drumming ergänzt die treibenden Riffs hervorragend, da er auf jeglichen Firlefanz verzichtet. Stattdessen unterstützt sein prägnantes Spiel Emirzes reduzierten Ansatz, nachzuhören in dem vertrackten "Building houses", welches in weniger als drei Minuten mehrmals zwischen Niedergeschlagenheit und Ekstase hin- und herspringt. Zwar klingen manche Songs ein wenig zu sehr nach Bekanntem, so könnte "The king is dead" auch auf einem Beatsteaks-Album der jüngeren Zeit vertreten sein, an der grundsätzlichen Qualität der Komposition ändert dies jedoch nichts. Besonders die rhythmisch ausgefuchsten Breaks wissen zu gefallen.

Dass hier nur zwei Musiker aktiv sind, fällt überhaupt nicht auf. Gedankt sei nicht nur dem Octaver, sondern der cleveren Produktion, die den Gitarren weit mehr Platz im Mix einräumt, als man es von gängigen Rockplatten kennt. Wie bereits eingangs erwähnt, geht es für Taskete! vor allem um den Spaß am Musizieren, was auch Albernheiten wie "Hit the cowbell" erklärt. Die wahren Highlights platzieren Weber und Emirze allerdings ganz am Ende des Albums: "Let me be your animal" verwandelt sich von einem unauffälligen Schrammler in eine Abrissbirne. Das, was noch steht, wird von "Heaven holds a place for bastards" endgültig zu Staub verarbeitet. Das alles klingt zu vielversprechend, um als Nebenprojekt abgekanzelt zu werden. Um ausnahmsweise mal eine Fußballmetapher zu bemühen: Werte Herren, der Ball liegt in eurer Hälfte.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Monologue
  • Building houses
  • Let me be your animal
  • Heaven holds a place for bastards

Tracklist

  1. The power and the holy ghost
  2. Monologue
  3. Inner revolutions
  4. Fossil
  5. Out of my head
  6. Building houses
  7. The king is dead
  8. Hit the cowbell
  9. Let me be your animal
  10. Heaven holds a place for bastards

Gesamtspielzeit: 28:10 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 11239

Registriert seit 07.06.2013

2018-11-11 23:40:00 Uhr
Hmm. Schon Harmful waren kras utnerbewertet. Auch das hier scheint leider keinen zu interessieren.

Armin

Postings: 13429

Registriert seit 08.01.2012

2018-11-08 21:21:08 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 13429

Registriert seit 08.01.2012

2018-09-14 21:20:35 Uhr - Newsbeitrag

TASKETE!
Das selbstbetitelte Debüt erschient am 26.10.

Taskete! ist das neue Projekt von Flo Weber (Sportfreunde Stiller)
und Aren Emirze (Harmful)
Die erste Single "Inner Revolution" ab sofort!



Release-Tour im November! Tour-Trailer hier
08.11. Hamburg – Molotow Sky Bar
09.11. Bremen – Zollkantine
10.11. Schwerin – JUZ Schwerin
11.11. Berlin – Musik & Frieden
12.11. Köln – Stereo Wonderland
13.11. Frankfurt – Nachtleben
14.11. Schweinfurt – Stadtbahnhof
15.11. Weinheim – Café Central
16.11. München - Milla


Häufig, wenn sich zwei Veteranen eines bestimmten Metiers treffen, entsteht viel Nostalgisches, es passiert Geschichtsklitterung und weitschweifiges Wiedererwecken der guten alten Zeit. Ganz anders verhält es sich mit den beiden Musik-Veteranen, von denen hier die Rede sein soll: Zum einen Aren Emirze, ein Frankfurter Hans Dampf in allen Musikgassen, der 22 Jahre und neun Alben lang der Noiserock-Formation Harmful vorstand. Der darüber hinaus mit Emirsian seit mittlerweile fast 15 Jahren ein wunderbar fragiles, oft intensiv von seinen armenischen Wurzeln geprägtes Singer-/Songwriter-Soloprojekt etablierte und zuletzt in Kollaboration mit dem Brothers Keepers-Mitglied Chima erstmals mit deutschen Texten und einer unerwarteten Soulfulness überraschte. Und zum anderen Flo Weber, seit ebenfalls 22 Jahren Schlagzeuger der Sportfreunde Stiller, daneben Buchautor, Superkicker im Amateur-Bereich und vorübergehend auch Sänger und Gitarrist der Bolzplatz Heroes.



Aren und Flo lernten sich schon vor vielen Jahren kennen; im Rahmen des hochbrachialen Harmful-Albums „Sick and Tired of Being Sick and Tired“, 2013 erschienen, arbeiteten sie sodann auch erstmals musikalisch zusammen. Es sollte das letzte Album von Harmful bleiben, der brillante Titel der Platte wurde damit zum Fanal. Dennoch geriet die Abschiedstour des Trios zu einem wahren Siegeszug komplexer Lärmwände, mit einem Flo Weber am Schlagzeug, der hier erstmals öffentlich seine Qualität als wutschäumender Fell-Prügelknabe ohne jeden Kompromiss unter Beweis stellte. Nach der Tour gingen beide dennoch erst mal wieder ihrer Wege, und Aren hängte die Rockgitarre für längere Zeit ganz an den Nagel.

Irgendwann, so erzählt er nun, „bekam ich aber mal wieder Lust darauf, ordentlich zu scheppern, und schrieb ein paar drückende Rocksongs. Und als ich mich fragte, mit wem ich das wohl gern weiter entwickeln wollte, kam mir sofort Flo in den Sinn. Nun ist er ein vielbeschäftigter Typ, von daher wollte ich ihn nicht nerven.“ Doch das Schicksal wollte es wohl so, dass Aren nur wenige Tage nach diesem Gedanken eine Mail von Flo erhielt, in der stand, auch er habe da einige Songs geschrieben – ob man sich nicht mal treffen wolle? Bereits kurz darauf formulierten die zwei im Proberaum mit „Power and the Holy Ghost“ innerhalb weniger Stunden den ersten Song einer neuen Projektidee (der uns nun als Appetizer auch in das vorliegende Album einführt), entschieden noch am selben Abend, dass sie nichts weiter brauchen als den jeweils anderen, und legten damit den Grundstein für das irrwitzig vielseitige Noiserock-Duo Taskete!.

Dabei unterscheidet sich Taskete! in vielen Punkten von ihrer ersten Kollaboration in der Harmful-Endphase. Zum einen ist Flo hier weit mehr als 'nur' der Nachfolge-Drummer seines Vorgängers, sondern ein kongenialer kreativer Kopf, der am künstlerischen Gelingen der gesamten Unternehmung einen großen Anteil trägt – und dies nicht nur durch das Mitbringen von rund der Hälfte der Songs. Denn zum anderen verleitete Flo durch diesen Input auch Aren dazu, sich auf stilistisches und künstlerisches Neuland zu wagen, das er ohne seinen neuen Partner wohl nie entdeckt und evaluiert hätte.

Denn da sind nicht nur die Pop-Referenzen, die mutigen Spielereien mit Effektbausteinen des Mainstreams, die hier mit Wucht und Chuzpe zurück in den Underground gezogen werden – wie man etwa in der Single-Auskopplung „Inner Revolution“ hören kann. Vor allem zählt „Taskete!“, das Album, zweifellos zu dem intuitivsten Stück Musik des großen Nachdenkers Emirze, der seiner Musik sonst oft gern einen umfangreichen konzeptionellen Überbau angedeihen lässt. Hier hingegen hört man, was das Projekt in seinem Wesenskern vom ersten Probentag an ist: Ein Nukleus spontaner Ideen und unverfälschter Freude am teils durchaus kuriosen Experiment. Eine Demonstration von situativer Intensität und laut krachender Ursprünglichkeit im Wechselspiel mit unerwarteter Zutraulichkeit. Und ein Beweis, wie atemberaubend geil und eigenständig intuitivste Rockmusik sein kann, wenn man all das Denken mal weglässt und sich einfach erlaubt zu machen, was gefällt. Alles im übrigen mehr als brillant eingefangen und in seiner mitreißenden Ursprünglichkeit roh belassen von Deutschlands Rockproduzenten-Ikone Moses Schneider.


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