Kittin - Cosmos

Kittin- Cosmos

Nobody's Bizzness / Dark Entries
VÖ: 02.11.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Im Weltraum hört man keine Bass-Drum

Sich altersgemäß zu benehmen ist vielleicht etwas, das einer hocherfolgreichen DJane irgendwann sinnvoll erscheint. Nicht nur, dass Caroline Hervé das Miss aus ihrem Künstlernamen gestrichen hat, ihr neues Album "Cosmos" gibt sich auch viel weniger dancy als ihre früheren Großtaten in den Nullerjahren. Ein Hinweis auf diese Entwicklung gab bereits die zweite Hälfte ihres Doppelalbums "Calling from the stars" aus dem Jahr 2013. Da fehlte auf einmal der zackige Beat, der Stil war eher Ambient als EDM, und weitschweifende Klangflächen waren auf einmal wichtiger als eine körperbetonte Motorik. Dies greift Kittin nun wieder auf und stellt im eröffnenden "Cosmic address" gleich selbstbewusst fest: "I am exactly where I should be". Dieses Gewissheit, genau das Richtige zu machen, scheint durch die zwölf Stücke, welche auf eine tanzflächenfreundliche Bass-Drum komplett verzichten – das Höchste der Gefühle sind ein paar perkussive Breaks, wie in "Question everything". Stattdessen erschafft Kittin einen trotz der relativ knappen Songlaufzeiten schier endlosen Raum, der in die Weite geht und sich eindeutiger Gerichtetheit entzieht.

Das Menschliche trifft dabei auf die Technik, der rhythmisch pulsierende Moog oder der rotierende Bass-Synth geben zumindest ein wenig Orientierung, dazu wechselt der stimmliche Vortrag Kittins zwischen roboterhaftem Sprachvortrag und interstellarem Sirenengesang. Viel Wissenswertes kann man entlang des Weges übrigens auch aufschnappen: In "Atoms" werden die Rudimente der Chemie aufgezählt, ähnliches macht "Multiverse" mit den Sternenbildern und "Deep space station" erläutert die Begleitumstände einer zukünftigen Mars-Expedition. Educational Electronics in Reinform. Aber zum Glück taugt die maßgebende Musik gehörig was.

Indem Kittin ihre Stücke oftmals wie Intros zu wuchtigen Dance-Eskapaden erscheinen lässt, den Ausbruch dem Hörer aber immer vorenthält, schleicht sich in das sphärische Gleiten immer eine gewisse Erwartungshaltung und Anspannung ein. Das Spiel damit beherrscht die Französin perfekt, verwehrt immer die Erlösung, lässt den Hörer in Stücken wie dem Opener und "Are you there?" gehörig zappeln. Da kann man fast schon den meisterhaften Umgang mit den Synthies übersehen, ob sie flimmernd kristalline Signale senden, weite, nebulöse Flächen auslegen oder taktil den Rhythmus betonen. Diesem Instrument hat Hervé hier ein kleines Denkmal gesetzt. Der dezent motorisierte Vocal-Ambient von "Cosmos" schaut also in die Ferne, baut unterschwellig Spannung auf und hat in "#MeToo" auch noch ein passendes Statement zur jetzigen Zeit: "I am responsible for who I am / All my dreams / Everything I built is mine". Wie gesagt, die Dame fühlt sich wohl.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Cosmic address
  • Multiverse
  • Deep space station

Tracklist

  1. Cosmic address
  2. Are you there?
  3. Question everything
  4. Elevate
  5. Atoms
  6. Multiverse
  7. Last day on Earth
  8. Deep space station
  9. Scanner
  10. #MeToo
  11. White magic
  12. Utopia

Gesamtspielzeit: 37:05 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-11-08 21:19:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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