The Good, The Bad & The Queen - Merrie land

The Good, The Bad & The Queen- Merrie land

Rykodisc / Warner
VÖ: 16.11.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

The Queen isn't dead

Der geschätzte Ex-Kollege Wollmann schrieb in seiner im Jahr 2007 verfassten Rezension zum Debütalbum von The Good, The Bad & The Queen, dass Damon Albarn nach sämtlichen Exkursionen und Nebenprojekten hoffentlich irgendwann dahin zurückkehren würde, wo es am Schönsten ist. Er meinte damit natürlich: zu Blur. Und ja, so kam es dann letztendlich auch: 2015 gaben Blur mit "The magic whip" ein rundum gefeiertes Comeback und Albarn konnte sich in der Folge wieder seinen anderen Schätzchen widmen. Seither sind zwei Alben der Gorillaz erschienen und auch Albarns Art-Rock-Projekt The Good, The Bad & The Queen erhält nun sein von einigen Fans lange erwartetes Update. "Merrie land" heißt die neue Platte, die der Blur-Frontmann gemeinsam mit Simon Tong, Paul Simonon und Tony Allen aufgenommen hat und sie klingt leichtfüßig, verspielt und, na logo, trotzdem melancholisch.

Gründe dafür, Trübsal zu blasen, gab es zuletzt ja reichlich, insbesondere als Brite. Entsprechend bestätigte das Blur-Mastermind bereits vorab in einem Interview mit einer schottischen (!) Zeitung, dass die neue Platte auch eine Art Abschiedsbrief an die Europäische Union sei und überdies auch als eine Meditation darüber verstanden werden kann, was es bedeutet, im Jahre 2018 britisch zu sein. Man hört dem Album diesen Anspruch auch an, keine Frage. Die zehn Stücke sind elegant instrumentiert, hochwertig arrangiert und pflanzen einem jene Melodien in den Kopf, für die man Albarn schon immer verteufeln wollte, bekommt man sie doch nicht mehr so schnell aus selbigem Körperteil. Der Titelsong setzt beispielsweise auf eine kunstvolle Staffage aus Streichern und kreiert damit einen leicht verschnupften Walzer, wie ihn letzten Endes nur Albarn hinbekommt. Und im folgenden "Gun to the head" beschwören The Good, The Bad & The Queen bierselige Schunkelstimmung herauf. Man wähnt sich an der britischen Küste, Regen peitscht einem ins Gesicht und der Geruch fettiger Fisch- und Kartoffelspeisen liegt in der salzigen Luft. Aber all das ist ja kein Grund, den Kopf in den nordenglischen Küstensand zu stecken.

Das elegische "Lady Boston" quält sich indes mit der Frage: "Where does she go now? / Where will she carry me?" Das Tempo bleibt gedrosselt, die sanftmütige Melancholie dringt hier aus jeder Pore, Albarns Stimme klingt nur bedingt hoffnungsfroh, auch wenn die Melodie und der im Hintergrund anschwellende Männerchor zarte, silberne Streifen an den hellgrauen Horizont pinseln. Beschwingter hingegen kommt das kurze "Drifters and trawlers" um die Ecke: Zweieinhalb verspielte Minuten purer Britpop, dessen Wurzeln bis hinein in den Afrobeat reichen. Hier spielen The Good, The Bad & The Queen eine ihrer wesentlichen Stärken aus: Die Einflüsse der verschiedenen Musiker dieser sogenannten Supergroup reichen weit, sind authentisch und ergeben am Ende dennoch ein stimmiges Ganzes, das nicht beliebig zusammengeflickt wirkt. Einen Kontrapunkt setzt kurz vor Schluss das krawallige Spoken-Word-Stück "The last man to leave", das mit alkoholisierter Kodderschnauze schon leicht giftig wirkt. Aber eben auch das ist Großbritannien. Und am Ende versöhnt "The poison tree" dann doch wieder und alle liegen sich in den Armen, während die Möwen am Himmel kreisen und natürlich auch ihren Senf dazugeben. Dieses Album könnte kaum passender enden.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Gun to the head
  • Lady Boston
  • Drifters and trawlers

Tracklist

  1. Introduction
  2. Merrie land
  3. Gun to the head
  4. Nineteen seventeen
  5. The great fire
  6. Lady Boston
  7. Drifters and trawlers
  8. The truce of twilight
  9. Ribbons
  10. The last man to leave
  11. The poison tree

Gesamtspielzeit: 37:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Loketrourak

Postings: 1030

Registriert seit 26.06.2013

2019-02-15 15:49:49 Uhr
nach zwei Monaten kann man sagen: Superplatte
Peppermint Patty
2018-12-18 10:58:09 Uhr
Hab jetzt über die ME-CD wenigstens mal Merrie
Land kennengelernt.Ein wirklich wunderschöner
Song.

Mister X

Postings: 2510

Registriert seit 30.10.2013

2018-11-25 22:51:44 Uhr
Ist schon wirklich stark Brexit gepraegt das Album. Scheint Albarn ja wirklich mitgenommen zu haben. Gefaellt mir die Platte. Albarn sowieso ein Arbeitstier dass viel zu wenig gewuerdigt wird ! Leider wohl erst zu seinem Tod.

The MACHINA of God

Postings: 16456

Registriert seit 07.06.2013

2018-11-23 16:06:33 Uhr
Ich hör mich grad so rein, aber ja, es hat etwas diesen "alten" britischen Geist.

2plus2gleich5

Postings: 293

Registriert seit 22.08.2016

2018-11-23 15:19:08 Uhr
Oh, das wächst ganz schön. Tolle Texte. Die Lieder entfalten sich langsam, aber stetig. Erinnert mich atmosphärisch manchmal ein wenig an "Let England Shake", nicht nur wegen der offensichtlichen thematischen Gemeinsamkeiten. Geht das noch jemandem so?
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