ClickClickDecker - Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten

ClickClickDecker- Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten

Audiolith / Broken Silence
VÖ: 16.11.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Nicht (ver)missen

Es wäre gelogen, zu behaupten, man hätte die Musik von ClickClickDecker alias Kevin Hamann in den vier Jahren seit "Ich glaube Dir gar nichts und irgendwie doch alles" vermisst. Klingt wie der ultimative Diss, ist aber überhaupt nicht so gemeint. Die Songs aus dem Hause ClickClickDecker waren seit jeher die passenden, wenn man gerade eigentlich überhaupt nichts hören wollte, sie fügten sich in die Stille, ohne sich aufzudrängen, und enfalteten erst dann erst ihre ureigene Sogwirkung, wenn man sie so gar nicht im Fokus hatte. Wie passend, dass der Singer-Songwriter nun mit einem Album zurückkommt, das sich den kleinen Dingen widmet, das gezielt den Blick aufs Detail richtet. "Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten" hat der Hamburger gemeinsam mit seiner angestammten Live-Formation in diversen Studios zwischen Nordfriesland, Hamburg und Berlin eingespielt.

Mehr Bandsound also, das merkt merkt bereits dem Opener "Mandelika" an, der auch als erste Single ausgekoppelt wurde. Das Stück lässt sich eine Minute Zeit für sein fast orchestrales Intro, bis die Akustische und der Gesang die Federführung übernehmen. Der Song steigert sich wunderbar, genauso wie die Erzählung Hamanns, die in folgenden bittersüßen Sätzen kulminiert: "Ich weiß einen Scheiß über Dich / ... / Es interessierst mich einfach nicht." Mit flottem Rhythmus und freudiger Untermalung trotz des ständigen Versagens im Text folgt "Läuft es eher daneben", während "Bielefeld" unumwundener ins Moll schwenkt. Mit kraftvoller Percussion und krummer Harmonica kommt hingegen wiederum "Stoßlüften" daher, welches Hamann in die Kopfstimme wechseln lässt und zur Songmitte tief durchatmet, um schließlich zwischen kratzenden Gitarrensaiten festzustellen: "Du fehlst mir." Das Album dreht sich häufig um das Wechselspiel von Außen- und Innensicht, sein Herzstück bildet dabei das gerade einmal anderthalbminütige "Schreckmensch", in welchem Hamann seiner Depression, die er während der Aufnahmen durchlebte, ins Gesicht blickt. Unverhohlen spricht er dabei die folgenden Worte: "Ich bin der schrecklichste Mensch der Welt."

Doch die musikalische Untermalung des Titels gibt Grund zur Hoffnung, und auch das folgende "Festschwimmen" hat zumindest zunächst mehr Rückenwind, lässt den oszillierenden Gitarren zunächst einmal knapp zwei Minuten Zeit, bis Piano und Drumcomputer übernehmen und der Sänger sein Innerstes abermals exponiert: "Wenn ich Papier wär, was würdest Du auf mir schreiben", möchte der Barde wissen, findet sich selbst "ein wenig anders, ein bisschen seltsam" und entdeckt schließlich darin Selbstakzeptanz. "Liebchen" hat direkt etwas mehr Mut: "Ein Herz wie ein Hotel" unterstellt Hamann da in einer wunderschönen Textzeile seinem Protagonisten, bevor der Gesang im Chor erkennt, wie viele Probleme am Ende selbst gestrickt sind. Auch "Zu spät zu blöd" mit seiner rotzigen Aufnahme ist so ein ClickClickDecker-Song, der unerwartet aus der Tiefe kommt. Noch krasser der Closer "Fast nie eigentlich immer", welcher zum Song- und Albumfinale die Elektrische noch mal abrauschen und die Drums Triolen klopfen lässt.

"Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten" ist das sechste Album aus dem Hause ClickClickDecker und mithin das sechste, das man lieben darf, vielleicht sogar muss. Auch wenn es jedes Bohei vermeidet und keine großen Töne spuckt und sich stattdessen die Zeit für den Blick ins Detail nimmt. Die neuen Klangflächen, die die Band mit ins Studio brachte, stehen der Platte dabei wirklich gut zu Gesicht, auch wenn sie sich durchaus nahtlos in die Diskografie ClickClickDeckers einreiht. Unglaublich eigentlich, aber selbst wenn diese Platte wirklich keiner vermisst hätte, wird man sie in Zukunft kaum mehr missen mögen.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Mandelika
  • Stoßlüften
  • Festschwimmen

Tracklist

  1. Mandelika
  2. La¨uft es eher daneben
  3. Bielefeld
  4. Stoßlu¨ften
  5. Palmaille
  6. Minutenklopfer
  7. Schreckmensch
  8. Festschwimmen
  9. Zwei Klettergeru¨st
  10. Wie wenn Du nicht mitkommst
  11. Liebchen
  12. Zu spa¨t zu blo¨d
  13. Fast nie eigentlich immer

Gesamtspielzeit: 49:51 min.

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Ituri

Postings: 111

Registriert seit 13.06.2013

2018-11-21 10:55:46 Uhr
Das letzte Album fand ich zum Beispiel viel besser als das vorletzte und auch besser als das aktuelle. Aber wie groß ist bitte "Wie wenn Du nicht mitkommst"? Einfach nie enttäuschend, der Mann.
Flimmern
2018-11-16 13:18:15 Uhr
Das letzte Album fand ich ja vom Sound irgendwie sehr "steril", da hatte ich leider keinen Zugang gefunden. Aber das hier mag ich wieder sehr!

Armin

Postings: 13429

Registriert seit 08.01.2012

2018-11-13 19:15:36 Uhr - Newsbeitrag
Am kommenden Freitag erscheint "Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten", das neue Album von ClickClickDecker.

Heute gibt es mit "Palmaille" den dritten Track daraus zu hören. Außerdem wurde zu dem Track ein sehr berührendes und intimes Video gedreht, welches hier zu sehen gibt.



Rund um den Albumrelease werden ClickClickDecker drei paar Shows in lieb gewonnenen, kleinen Clubs spielen. Die Tickets für den Hamburg Termin waren innerhalb von wenigen Stunden weg, für die anderen Shows gibt es noch Restkarten.

15.11. Hamburg - Astra Stube (ausverkauft)
16.11. Jena - Rosenkeller
17.11. Bonn - Bla

Im März folgt dann die offizielle Tour mit folgenden Terminen.

Armin

Postings: 13429

Registriert seit 08.01.2012

2018-11-08 21:18:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Boyz Cascade
2018-10-24 14:59:48 Uhr
Gefällt mir persönlich noch besser als das erste Stück :)
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