Lance Butters - Angst

Lance Butters- Angst

Four / Sony
VÖ: 12.10.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Avantgarde der schlechten Laune

Anno 2018 ist Deutschrap populärer denn je und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Die einen fangen mit Rin, Trettmann und Ufo361 den deutschsprachigen US-Zeitgeist ein, andere hören immer noch ihre alten Helden Samy, Savas und Sido, und die alternativen Szene-Kids besinnen sich auf Grenzgänger wie Casper. Lance Butters machte aus seiner Abneigung gegen jegliche andere Rapper und Trends nie einen Hehl – und veröffentlicht mit "Angst" nicht nur sein bis dato wohl miesgelauntestes Album, sondern auch den Beweis: Es gibt immer noch szenefreie HipHop-Künstler, denen man ihre Referenzen zu keiner Sekunde anhört.

Seine langgezogenen Verse um Selbsthass, Zeitverschwendung und Antipathien kennt man zwar bereits aus seinen vergangenen Releases – in seiner misanthropischen Konsequenz steht "Angst" allerdings für sich. Die Depressivität, die Lance Butters hier offenbart, ist im Unterschied zu Emo-Rap à la Lil Peep oder Nothing, Nowhere allerdings von einer modrigen Schicht aus Narzissmus verdeckt, was nicht das Gefühl von Selbstmitleid, aber durchaus von desillusioniertem Idealismus erweckt: "Der größte Gegner in meinem Leben / Sitzt tief drin in meinem Schädel / Doch ich kann nichts dagegen / Und ich kann auch nichts dafür" rappt der Künstler gleich im eröffnenden Titeltrack. Wie viel Talent Butters ans Kiffen, Schlafen und Rumhängen verliert, weiß er wohl selbst am besten – und widmet diesem destruktiven Hang in "PZP" ein paar Zeilen von entwaffnender Monotonie: "Lass mal lieber pennen oder zocken / Hab wohl nicht genug meines Lebens verbockt."

Neben der schonungslosen Offenlegung Butters persönlicher Dämonen darf natürlich das Schießen gegen die Hypes nicht ausbleiben, die ihm so richtig auf dem Sack gehen – und das sind so ziemlich alle. "Kuchen" feuert direkt gegen Cro, "Vater" räumt mit Modetrends auf und auch "Respekt" richtet sich gegen das simple Kopieren der Sounds anderer Künstler: "Mann, wie ich's hass', wenn man 'nen Artist anhört / Und dabei ganz genau erkennt, was dieser Artist so hört." Untermalt wird dieser kulturelle Nihilismus von ebenso großartig abgestumpften Beats des Rap-Kollegen Ahzumjot, die mit trockenen Bässen und stampfender Eintönigkeit auch unvergleichlich bleiben. Als einziges Features des Albums fasst er es auf "Gefahr / JM" selbst zusammen: "Wir begraben ein paar Körper unter Beats." Das alles bleibt im Deutschrap-Kosmos einzigartig. Die Anklagen gegen zeitgemäße Künstler gepaart mit dauerhafter schlechter Laune machen Butters höchstens vergleichbar mit der umstrittenen Wuppertaler Underground-Ikone Prezident – ansonsten bleibt der Misanthrop eine Ausnahmeerscheinung und perfektioniert das triste Gift-und-Galle-Spucken mit jedem Album weiter.

(Julius Krämer)

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Highlights

  • Wake up fucked up
  • PZP
  • Gefahr / JM (feat. Ahzumjot)

Tracklist

  1. Angst
  2. Wake up fucked up
  3. PZP
  4. Kuchen
  5. Keller
  6. So schön
  7. Interlude
  8. Wald
  9. Vater
  10. Mag sein
  11. Yeeeaaah
  12. Respekt vor dir
  13. Gefahr / JM (feat. Ahzumjot)
  14. Karma

Gesamtspielzeit: 48:20 min.

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Okay
2018-11-15 09:36:58 Uhr
Album ist absolut in Ordnung, aber dass man Ahzumjot nicht anhören soll, dass er gerne Travis Scott pumpt, naja.
@maxlivno
2018-11-13 12:39:59 Uhr
Yo, wenn man sonst nur Stromgitarrenmusik unter seinem Plattentest.de-Stein hört, dann bekommt man nicht so viel von Rapdeutschland mit.

maxlivno

Postings: 347

Registriert seit 25.05.2017

2018-11-09 14:15:52 Uhr
Fand 2018 eher schwach für Deutschrap, da gehört das schon mit zu den besseren Alben
ppfff
2018-11-09 12:47:22 Uhr
dreiste kopie von jack the real weasel

Armin

Postings: 13429

Registriert seit 08.01.2012

2018-11-08 21:18:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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