The Ocean Collective - Phanerozoic I: Palaeozoic

The Ocean Collective- Phanerozoic I: Palaeozoic

Pelagic / Metal Blade / Sony
VÖ: 02.11.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Winter is coming

Ungefähr 300 Millionen Jahre. Das sind über vier Millionen Menschenleben hintereinander. Sie lassen die aktuelle Jahreszahl unserer Zeitrechnung bestenfalls wie einen Amöbenschiss aussehen und sind immer noch gut 63 Jahre länger als sich Drakes "Scorpion" anfühlt. Genau diese Spanne umfasst der thematische Hintergrund von "Phanerozoic I: Palaeozoic", dem siebten Album von The Ocean. Die Berliner Band, diesmal als The Ocean Collective unterwegs, hat sich nach Konzeptalben über Religion und die ozeanischen Tiefensphären dem Nachfolger zum epischen "Precambrian" angenommen. Und da wir bei Plattentests.de gerne unserem Bildungsauftrag nachkommen, nachfolgend ein kleiner erdhistorischer Exkurs: Auf ebenjenes Präkambrium folgt in der Reihenfolge der Äonen das Phanerozoikum, in welchem wir uns am heutigen Tage noch befinden. Dieses ist wiederum in drei Ären aufgeteilt, davon stellt das Paläozoikum die erste davon dar – 550 bis 250 Millionen Jahre vor Christus. Hier setzt der erste Teil der "Phanerozoic"-Serie an.

Wie es der Ordnung halber gehört, sind entsprechend den Perioden des Paläozoikums die sieben Stücke auf "Phanerozoic I: Palaeozoic" benannt – und selbstverständlich kleiden The Ocean Collective das alles in ein gewohnt angemessenes großformatiges Gewand. Die harten Bretter, welche noch auf "Precambrian" die Einleitung stellten, sind hier jedoch gänzlich verschwunden, wie graduell bereits auf den Vorgängern. Stattdessen pendelt "Phanerozoic I: Palaeozoic" mühelos zwischen heftigen Growl-Gewittern und versöhnlichem Postrock mit cleanem Gesang hin und her. Streicher, Keyboards, Klavier, Bläser? Wie selbstverständlich alles in den Sound eingewoben, allein schon in "Silurian: Age of sea scorpions" findet sich all dies, ohne dass etwas fehl am Platze wirkt. Gegenüber "Pelagial" sind The Ocean Collective noch ein Stück abgeklärter und reifer geworden, keinesfalls aber auch nur ansatzweise langweilig – sondern konstant großartig.

So wird in den eröffnenden "Cambrian"-Teilen das Entstehen der heutigen Tierstämme mit einem Klavier-Intro bedacht, der Gegensatz in der Sounddynamik findet sich auch im Text: "And the you will find pain in every pleasure." "Ordovicium: The glaciation of Gondwana" fragt nicht lange nach, sondern powert sich durch einen mitreißenden Song. Dem Zeitalter der Fische wird mit dem elfminütigen "Devonian: Nascent" die längste Spielzeit zugesprochen, entsprechend der Fortbewegung der schuppigen Meeresbewohner beginnt der Track geschmeidig und besonnen, endet jedoch in einer Art Lauerstellung. Das brachiale Instrumental "The Carboniferous rainforest collapse" kündet mit viel Dramatik und klagendem Moll von verheerenden Wald- und Flächenbränden, welche den Grundstein für die folgende abschließende Katastrophe legen.

Die folgt in "Permian: The great dying". Mehr als 96 Prozent der Meeresbewohner und rund drei Viertel der Landlebewesen sterben in dieser Zeitperiode aus. The Ocean Collective verstärken dazu folgerichtig den apokalyptischen Unterton der Gitarren, eine Soundwand schiebt sich unbarmherzig durch den Song. "This is the water / It smells so different / A cold wind is blowing / The sea's already dead." Der Zerfall ist omnipräsent, die Platte endet wie die titelgebende Ära mit Tabula Rasa. "That's all we got to know", singt Vokalist Loïc Rossetti noch, und plötzlich übernimmt die digitale Verzerrung die Überhand, ein paar donnernde Drumschläge und dann nur noch eine beeindruckende Stille. Fast alle sind tot, ein eisiger Wind weht. Eigentlich wie bei "Game of thrones". Zu gut, dass die wissenschaftliche Zeitrechung weitere Staffeln des Phanerozoikums vorgesehen hat.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Silurian: Age of sea scorpions
  • The Carboniferous rainforest collapse
  • Permian: The great dying

Tracklist

  1. The Cambrian explosion
  2. Cambrian II: Eternal recurrence
  3. Ordovicium: The glaciation of Gondwana
  4. Silurian: Age of sea scorpions
  5. Devonian: Nascent
  6. The Carboniferous rainforest collapse
  7. Permian: The great dying

Gesamtspielzeit: 47:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

8hor0

Postings: 299

Registriert seit 14.06.2013

2020-03-06 13:16:49 Uhr
Ja, gemischt wird angeblich schon seit Beginn des Jahres!

Oceantoolhead

Postings: 1321

Registriert seit 22.09.2014

2020-03-06 11:38:56 Uhr
Da darf auch gerne mal der 2.Teil von rauskommen !

8hor0

Postings: 299

Registriert seit 14.06.2013

2020-03-06 11:12:46 Uhr
Großartig, vor paar Tagen wiederentdeckt! 9/10

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17900

Registriert seit 08.01.2012

2019-01-07 19:06:20 Uhr - Newsbeitrag
The Ocean kommen 2019 mit Zusatzterminen zurück

Nach der erfolgreichen Europa-Tour im November und insgesamt fünf Konzerten in Deutschland spielen The Ocean im März nochmal fünf Zusatzshows.

Hinter The Ocean liegt bereits eine Schaffensphase von über 17 Jahren, Liveauftritte in allen Winkeln und auf den namhaftesten Festivals der Welt, sowie Shows mit Größen wie Opeth, Mastodon oder Mono. Am 2. November erschien das neue Studioalbum „Phanerozoic I: Palaeozoic“. Die Veröffentlichung des zweiten Teils dieses neuen Album-Doppelpacks ist für Ende 2019 geplant.

Bei den Konzerten in Stuttgart, Köln, Leipzig, Bremen und Hamburg werden die Fans brachial-epische Live-Shows erleben, bei denen das neue Album im Vordergrund steht, aber auch einige ältere Songs nicht fehlen werden. Als Specials Guests kommen Downfall of Gaia und Herod mit auf Tournee.

Tickets sind unter eventim.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

THE OCEAN | "Phanerozoic I" Tour
Special Guests: Downfall of Gaia & Herod

Präsentiert von: FUZE | Laut.de | Visions

13.03.2019 Stuttgart | Im Wizemann
27.03.2019 Köln | Club Volta * Special Guest: Herod
28.03.2019 Leipzig | Werk 2 Club
30.03.2019 Bremen | Tower
31.03.2019 Hamburg | Logo
Rent Reznor!
2019-01-05 21:49:20 Uhr
Ist übrigens ein tolles, mitreissendes Album geworden. fette Produktion, bläst mich weg! Und schöne Songs, Gottseidank auch immer wieder Platz für postrockige Atmosphäre.
Zum kompletten Thread

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