Muse - Simulation theory

Muse- Simulation theory

Warner
VÖ: 09.11.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Muse das sein?

Wer angesichts der durchaus fragwürdigen Vorab-Singles in Erwartung eines Vollverrisses auf diese Rezension geklickt hat, der kann beruhigt werden. Neben in der Tat äußerst befremdlich schematischen Synth-Pop-Nummern wie "Dig down" oder "Something human" beherbergt "Simulation theory" genug Songs, die auf dem achten Muse-Album für dessen deutliche Schwachpunkte entschädigen. Dennoch geben die vorab veröffentlichten Songs eine grobe Richtung vor, die über die Gesamtheit der Platte erhalten bleibt und nicht unbedingt zu den positivsten Entwicklungen im Muse-Kosmos gehören. Statt Neo-Prog hat sich das Trio nun geradlinigen Hymnen verschrieben, die selten Haken schlagen, sondern ganz auf die stringente Kraft ihrer simplen Konstruktion setzen. Dadurch ist "Simulation theory" musikalisch weniger komplex als seine Vorgänger.

Nun ist das zwar schade bei einer Band, die einst abwechslungsreiche Großtaten wie "United states of Eurasia" vollbracht hatte, muss aber nicht zwangsläufig das Ende der genießbaren Muse-Musik bedeuten. Platten, die im Songwriting nicht mit einem Übermaß an Kreativität punkten können, lassen sich üblicherweise schließlich durch zweierlei Faktoren retten. Zum einen wäre da ein thematisches Konzept, das im Fall von "Simulation theory" aber auch keine nennenswerten Akzente setzen kann. Die Thematik einer illusorischen Welt im Cyberspace ist zwar zumindest in der Musikindustrie noch relativ unverbraucht, Muse gelingt es aber nicht, mit dieser eine interessante Geschichte oder nennenswerte Emotionen zu vermitteln.

Was dieses Album aber tatsächlich vor der Redundanz rettet, ist seine Sound-Ästhetik, die die Band trotz einer klar beherrschenden Klangwelt aus 80s-Synthwave mit orchestralen Akzenten sehr variabel zu gestalten weiß. Am besten gelingt das in "Break it to me", das zunächst mit arabischer Volksmusik tanzt, um zum Finale fantastisch die Synthesizer kommen zu lassen und schließlich mit Tom-Morello-Scratches und Dubsteb-Drop auszubrechen. Der Opener "Algorithm" weiß ebenfalls sehr zu überzeugen und belegt eindrucksvoll, wie wunderbar schimmernde Elektronik und Queen-Piano-Arpeggios miteinander harmonieren. Manchmal bewegen sich Muse mit diesen Spielereien allerdings auch hart an der Grenze zum Geschmacklosen. "Propaganda" arbeitet mit seiner grotesk tief gepitchten Hook-Phrase extrem plakativ, gerade weil Matthew Bellamy dazwischen in subtil-minimalistischen Funk ausbricht. Derartige Kontrastierung könnte man zwar als klugen Schachzug einordnen, man könnte aber auch fragen, ob man hier überhaupt noch vom Überraschungs-Momentum sprechen kann, wenn besagte Refrain-Gewalt schon gleich zu Beginn des Tracks die Gegebenheiten klar macht. "Get up and fight" würde mit seinem kitschigen Power-Refrain als Thirty-Seconds-To-Mars-Single zwar durchaus positiv konnotiert werden, ist aber eigentlich unter dem Niveau einer Band wie Muse.

Über "Simulation theory" lässt sich viel reden, im Resultat bleiben gemischte Gefühle, denn über die Gesamtdauer ihres achten Albums kann das Trio den Spannungsbogen nicht aufrecht erhalten. Das schmerzt vor allem, weil Muse sich neben den immer größer werdenden Klangwänden ihrer Diskographie fast immer noch den Anspruch bewahrt hatten, kongruent dazu auch musikalische Steigerungen vorzunehmen. Dieser Anspruch scheint nun erloschen – "Simulation theory" ist das erste Muse-Album, das sich mit weniger zufrieden gibt. Das ist eine Entwicklung, wegen der man noch nicht das Handtuch werfen muss, die einen aber durchaus mit großen Sorgenfalten auf der Stirn in die Zukunft dieser Band blicken lässt.

(Jakob Uhlig)

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Highlights

  • Algorithm
  • Break it to me

Tracklist

  1. Algorithm
  2. The dark side
  3. Pressure
  4. Propaganda
  5. Break it to me
  6. Something human
  7. Thought contagion
  8. Get up and fight
  9. Blockades
  10. Dig down
  11. The void

Gesamtspielzeit: 42:10 min.

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The MACHINA of God

Postings: 13542

Registriert seit 07.06.2013

2018-12-26 21:42:17 Uhr
Gut zusammengefasst.

LoarsWoars

Postings: 11

Registriert seit 19.01.2017

2018-12-26 21:36:07 Uhr
Ne Platte, die mir ziemlich schnell ins Ohr ging. Während ich nach Absolution echt immer ne Weile brauchte, um mit der Musik warm zu werden, ist der Funke hier irgendwie schneller über gesprungen. Simulation Theory mag wirklich ne Platte sein, die keine Musikgeschichte schreiben wird, aber der Stil gefällt mir. So wirklich peinlich ist nur Get Up and Fight. Man kann es sich anhören. Kann es aber auch lassen.
Musikpabst
2018-12-23 21:05:59 Uhr
Das können sie besser. Es gibt aber auch schlechtere Sachen von Muse. Das ganze ist hörbar, wird aber auf keinen Fall Musikgeschichte schreiben. Man kann sagen, die Platte ist ganz nett aber mehr auch nicht.
No Filler (interessiert die echt schon keinen mehr?)
2018-12-23 01:00:36 Uhr
Die absolut richtige Richtung... Ich sehe aber keine gute Perspektive für muse, wenn es nicht mal eine innovation in der musik gibt die die band so richtig vom hocker haut. Also entweder die nächste wird wieder richtig gut... oder wir werden uns auf ewig an st erinnern als letzte gute muse scheibe.

No Filler

Postings: 344

Registriert seit 26.03.2015

2018-12-19 14:34:20 Uhr
Boah... Was ist auf diesem Forum nur mit meiner Rechtschreibung los...

Ich mag ein Muse Fanboy sein.. aber für mich:

Klasse bis Resistance

2nd law schwächelt ein wenig Drones ähnlich... beide wohl das schlechteste was muse gemacht haben... aber extrem in ordnung und cool.

Die neue könnte ein gutes ergebnis dieser beiden sein.
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