Lil Wayne - Tha Carter V

Lil Wayne- Tha Carter V

Young Money / Republic / Universal
VÖ: 28.09.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Geister, die er rief

"The universe needs Ye and Wayne music at the same time." Kanye hatte wohl geahnt, dass die fünfte Ausgabe von Lil Waynes ikonischer "Tha Carter"-Reihe sein neues Album "Yandhi" abhängen würde. Dieses sollte ursprünglich genau einen Tag nach "Tha Carter V" erscheinen , verzögert sich nun jedoch um zwei Monate – ein Fliegenschiss im Vergleich zur Ankündigung Waynes vor sechs Jahren, dass der Abschluss der "Tha Carter"-Reihe und gleichzeitig sein letztes Soloalbum 2013 erscheinen würde. Fünf Jahre später spricht die freundschaftliche Geste Kanyes Bände: Wem sollte er den Vorrang lassen, wenn nicht dem selbsternannten "best rapper alive"?

Ein halbes Jahrzehnt hat die HipHop-Welt also auf "Tha Carter V" gewartet – vielen Jahre, in denen viel passiert ist. Rap setzte in seinem Heimatland USA zum ersten Mal mehr um als Rockmusik, oftmals belächelte Stilelemente wie Autotune wurden endgültig salonfähig, Trap, Cloud und Mumble Rap traten ihren Siegeszug an. Paradoxerweise hinkt Lil Waynes zwölftes Studioalbum angesichts seiner langen Entwicklungsphase all diesen Entwicklungen hinterher – obwohl es doch der Südstaaten-Rapper war, der zusammen mit seinem Freund Kanye West als einer Wegbereiter modernen HipHops gilt. Das Finale der "Tha Carter"-Reihe lässt daher zeitgemäße Instrumentals vermissen und zelebriert stattdessen lieber den New-School-Sound, den Wayne einst mit "Tha Carter III" etablierte – was unterm Strich noch deutlich würdevoller peinlich daher kommt als Eminems letzten verzweifelten Versuche, sich wieder Relevanz zu verschaffen.

Dabei findet sich auf dem Album durchaus ein Haufen guter Songs – in knapp anderthalb Stunden ist ja auch reichlich Zeit dafür. Angefangen mit der emotionalen Hook des verstorbenen Emo-Rap-Pioniers XXXTentacion auf "Don't cry" über das Feature mit Shootingstar Travis Scott auf fiebrigem, passiv-aggressivem Beat und der abschließenden Feststellung: "C five / Best rapper alive" oder der Boombap-Revival-Song "Uproar" mit klassischen Club-Lyrics: "What the fuck though? Where the love go? / Five, four, three, two, I let one go." HipHop-Messias Kendrick Lamar rappt Weezy dagegen auf "Mona Lisa" an die Wand, was eines der zentralen Probleme der Platte offenbart: Angesichts des Staraufgebots auf seinen Songs wirkt Wayne auf seinem eigenen Album oft wie ein Statist – seine Schützlinge, die er selbst entdeckte oder zumindest entscheidend prägte, wuchsen in den letzten fünf Jahren schlichtweg über ihn hinaus.

Eine große Stärke von "Tha Carter V" bleiben aber seine schonungslos offenen Texte, auf denen sich Wayne mit den eigenen Dämonen, Tiefen seiner Schaffenszeit und verlorener Liebe beschäftigt. Man muss kein Nostalgiker sein, um angesichts von Hits wie Lil Pumps "I love it" Inhalte in kontemporärem Rap zu vermissen. Eines der thematischen Höhepunkte ist trotz YouTube-Piano-Beat sicher die selbstkritische Aufarbeitung seiner vernachlässigten Kinder auf "Famous", dessen Hook passenderweise von seiner Tochter Reginae Carter gesungen wird: "This is how you live your life / Different city every night / You must be famous." Ob "Tha Carter V" tatsächlich wie angekündigt sein letztes Album bleibt, ist zweifelhaft angesichts von Weezys grundsätzlich hohem Arbeitstempo. Vorerst verabschiedet er sich zumindest mit einer musikalischen Zeitreise ins Jahr 2013, viel zu vielen Songs und einem Aufgebot an Stars, das seinesgleichen sucht. Jetzt ist aber erst mal gut.

(Julius Krämer)

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Highlights

  • Don't cry (feat. XXXTentacion)
  • Mona Lisa (feat. Kendrick Lamar)

Tracklist

  1. I love you Dwayne
  2. Don't cry (feat. XXXTentacion)
  3. Dedicate
  4. Uproar
  5. Let it fly (feat. Travis Scott)
  6. Can't be broken
  7. Dark side of the moon (feat. Nicki Minaj)
  8. Mona Lisa (feat. Kendrick Lamar)
  9. What about me (feat. Sosamann)
  10. Open letter
  11. Famous (feat. Reginae Carter)
  12. Problems
  13. Dope niggaz (feat. Snoop Dogg)
  14. Hittas
  15. Took his time
  16. Open safe
  17. Start this shit off right (feat. Ashanti & Mack Maine)
  18. Demon
  19. Mess
  20. Dope new gospel (feat. Nivea)
  21. Perfect strangers
  22. Used 2
  23. Let it all work out

Gesamtspielzeit: 87:43 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-10-24 23:23:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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