Leoniden - Again

Leoniden- Again

Vertigo / Universal
VÖ: 26.10.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Bald riesig

Man verzeihe bitte folgenden Kalauer: Oops, they did it again. Kapiert? "Again", so heißt das neue Leoniden-Album und ja, sie haben es in der Tat wieder getan: ein Album voller Brecher aufgenommen, zehn Songs ohne jeden Ausfall. Etwa anderthalb Jahre ist das Kracher-Debüt der Hipster-Indie-Rocker aus Kiel schon auf der Welt, und noch immer hat es sich nicht totgehört. Und doch ist es hocherfreulich, dass der Fünfer nun weiteres Material für schwitzige durchzechte Partynächte liefert.

Schon der Opener "River" hat ordentlich Zunder im Gepäck, obgleich er auch langsam und geseufzt beginnt und erstmal ein fröhlicher Mädelschor das Geschehen dominiert. Sobald die Synthies den Refrain anzählen und das Riff einsetzt, ist aber klar, was dieses Album in seiner halben Stunde Spielzeit zu veranstalten im Sinne trägt. Die Handclaps und Fingerschnipse vom folgenden "Kids" grooven sich wundbar ein, bis Streicher die Szenerie fluten und die Chorusline einleiten: "Fuck it all, we kill it tonight!" Die Textzeile "We never sleep, 'cause sleep is the cousin of death" zeigt außerdem unmissverständlich auf: Wer rastet der rostet, oder noch viel Schlimmeres, also los auf die Tanzfläche. Spätestens, wenn Sänger Jakob Amr dann in "Alone" in die Kopfstimme wechselt und der Beat ein bisschen Michael Jackson im Gepäck hat, bleibt kein Tanzbein mehr ungeschwungen.

"Down the line" wählt einen simplizistischeren Rock-Ansatz, weil hier die Gitarren fast durchgängig losböllern dürfen. Vielleicht ist das der beste Foo-Fighters-Song der letzten zehn Jahre? Grooviger wird es dann wieder in "People", das abermals mit einem Chorus anrauscht, den man verdammt noch mal nicht mehr aus dem Ohr bekommen wird. An dieser Stelle stilprägendes Element: Das Piano. Noch eine Spur smoother zeigt sich "Why", das erneut den Mädelschor featured, während Amr sein gesamtes gesangliches Spektrum offenlegt, bis der Song sein obligatorisches Riff hintenan gestellt bekommt. "Colorless" hat mehr Tempo im Gepäck, der Bass sticht hier zunächst heraus, doch zur Hookline bricht ein feuriges Gitarrengewitter über den Song. "One hundred twenty-three" macht erst einen auf Festival-Mainstage, zerfällt aber schließlich in seine elektronischen Einzelteile und lädt auf den Club-Dancefloor ein. Zu "Not enough" könnte man indes sogar Discofox tanzen, während das ausleitende "Slow" seinem Namen zwar zunächst alle Ehre macht, abermals Streicher eingliedert, und dann doch dem totalen Groove verfällt.

Leoniden legen mit "Again" eine Weiterentwicklung vor, ohne Stilbruch zu begehen. Man könnte diese Platte einfach hinter das Debüt setzen und in launiger Stimmung bloß noch diese beiden Hitschleudern hören. Und doch hält ein neues Element im Sound der Kieler Einzug: Sexiness. Während der Erstling noch vor allen Dingen von seiner angriffslustigen Intensität lebte, kommt nun ein bisschen mehr Gefühl ins Spiel, das der Party jedoch absolut gar keinen Abbruch tut. Eigentlich müssten Leoniden schon jetzt saubekannt sein, so richtig groß. Wahrscheinlich werden sie's bald sein.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • River
  • People
  • Why
  • Colorless
  • One hundred twenty-three

Tracklist

  1. River
  2. Kids
  3. Alone
  4. Down the line
  5. People
  6. Why
  7. Colorless
  8. One hundred twenty-three
  9. Not enough
  10. Slow

Gesamtspielzeit: 32:01 min.

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tjsifi

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Registriert seit 22.09.2015

2018-11-02 11:32:49 Uhr
@Dennisololololll: Danke für den "Sanity Check", habe mich schon gefragt ob mit mir irgendwas nicht stimmt weil ich zumindest den musikalischen Output der Band sehr gerne mag. Der Rest (Instagram und pipapo) interessiert mich nicht mal im Ansatz.
Netter Gitarrenpop von mir aus auch ohne Tiefgang. 7-8/10
Armin die Weichflöte
2018-11-02 00:21:39 Uhr
Ohja, genau mein Ding. Hab ich letztens live gesehen im Sommer, die machen richtig dolle so Musik mit ihren Instrumenten. Da dreh ich das Radio auch schon mal auf. Voll cool!
Dennisololololll
2018-11-01 22:38:56 Uhr
Man kann auch Nicht-Hipster sein, vielleicht gar älter und die trotzdem gut finden. Den ganzen Style und die überdrehten Social media-Sachen sind die eine Sache, die aus meiner Sciht wirklich gute neue Platte ist aber eine andere. Für mich funktioniert das neue Album als euphorische Pop-Platte wirklich wunderbar. Die Sachen sind griffiger produziert als auf dem Debut und die Songs sind allerehren wert. Kein Song wird nach schlichtem Strophe-Refrain-irgendwann Bridge-Schema durchgejagt, sondern sie schlagen Haken und bauen kleine Sachen ein, die mir Spaß bringen: Sei es die akustische Gitarre für 10 Sekunden bei "Kids", die auch nur dieses eine Mal erklingt oder die langsame aber wuchtige Zunahme an Instrumenten bei "Alone". Sicher ist das nicht die Zukunft oder etwa Rettung von Rock, aber für launige Pop-Momente ideal. Ich schließe mich den 8/10 an. Schön.
yoyoyo
2018-11-01 22:12:56 Uhr
bzw. bei irgendsoner blöden Show da irgendwann
yoyoyo
2018-11-01 20:26:13 Uhr
Ich habe mich im Leoniden Proberaum mit unkreativem Geltungsdrang angesteckt.
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