Greta Van Fleet - Anthem of the peaceful army

Greta Van Fleet- Anthem of the peaceful army

Republic / Universal
VÖ: 19.10.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Als wäre es gestern gewesen

Wenn im öffentlichen Popkultur-Diskurs über Greta Van Fleet gesprochen wird, dann wird nicht unbedingt an Superlativen gespart. Und zugegeben: Eine gesunde Skepsis ist bei einem solchen Hype immer eine gute Idee. Die junge Band immer wieder als "die neuen Led Zeppelin" zu bezeichnen, nur weil sie eben so klingen, ist dann doch fernab jedweder vernünftigen Grundlage. Trotzdem gebührt "Anthem of the peaceful army" ohne jeden Zweifel große Anerkennung, weil dieses Album trotz seiner eindeutig retrospektiven Ausrichtung frischen Wind in ein Genre bringt, das aktuell gerade von seinen ursprünglichen Pionieren nur noch als Resterampe für mittelmäßige und seelenlose Headbang-Fabrikware missbraucht wird. Halestorm haben trotz Grammy-Auszeichnung nicht mehr als die üblichen Dadrock-Floskeln zu bieten, die AC/DC-Formel klingt bei Airbourne mittlerweile auch nicht mehr sonderlich frisch und selbst Großmeister Slash bemüht sich bei seinem aktuellen Projekt mit Myles Kennedy gar nicht mehr, irgendetwas anderes als angeberisches Gitarren-Geflexe zu entwickeln.

Gerade aufgrund dieser allgemeinen Oberflächlichkeit klingen Greta Van Fleet wie Heilsbringer, obwohl sie eigentlich nur das gekonnt wiederholen, was vor 50 Jahren bereits gut funktionierte. Hierbei spielt vor allem die geniale Produktion von "Anthem of the peaceful army" eine entscheidende Rolle. Die Band macht sich gar nicht die Mühe, den nostalgischen Led-Zeppelin-Sound in der Gegenwart neu zu arrangieren, sondern bewahrt sich bewusst einen staubigen und klirrenden Grundton, der so viel besser zu dieser Musik passt als irgendeine aalglatte Hochglanz-Polierung der 2010er. Die Gitarre von Jacob Kiszka schnarrt deswegen so herrlich wie die Klampfe in einem Picturebooks-Song und die Stimme seines Bruders Joshua klingt in den breitarmigen Parts von "Anthem of the peaceful army" stets so, als würde er am Rande eines tiefen Tals stehen und nicht in ein Studiomikrofon singen.

Die wichtigste Essenz von "Anthem of the peaceful army" ist aber die Beschaffenheit der Songs an sich. Im Gegensatz zu vielen anderen Zeitgenossen gelingt es Greta Van Fleet nämlich, Varianz zu erzeugen, ohne dabei auf Pseudo-Balladen zurückgreifen zu müssen, die sich spätestens zum Refrain doch wieder als pathetische Power-Hymnen entpuppen. Die Musik des Quartetts aus Michigan klingt schlicht ehrlich. Wenn zum Beispiel der grandiose Opener "Age of man" aus einem sanften Streicherteppich ganz behutsam in eine mächtige Klimax aus schwebenden Gitarren, kraftvollem Gesang und durchdringer Hammond-Orgel-Untermalung driftet, dann klingt das deutlich mehr nach musikalischer Vision als die Songs eines Slash, dessen einziges Ziel die möglichst straighte Platzierung des nächsten Solos ist. Zu den weiteren Highlights von "Anthem of the peaceful army" gehören das herrlich im knarzigen Blues groovende "Mountain of the sun" und das tiefenentspannte und deswegen ziemlich ironisch benannte "Anthem", das beinahe hawaiianische Feel-Good-Vibes erzeugt.

Und so zeigen Greta Van Fleet auf "Anthem of the peaceful army" bei aller Rückwärtsgerichtetheit, dass die verborgensten Schätze manchmal aus Ecken kommen, die man schon fast vergessen hatte. Trotz aller Abklatschvorwürfe zählt dieses Album daher zu den spannendsten und erfreulichsten Debüts des Jahres. Bleibt nur zu hoffen, dass diese junge Band an dem gigantischen Medienrummel, der um sie entfacht wird, nicht schnell wieder zerbricht.

(Jakob Uhlig)

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Highlights

  • Age of man
  • Mountain of the sun
  • Anthem

Tracklist

  1. Age of man
  2. The cold wind
  3. When the curtain falls
  4. Watching over
  5. Lover, leaver
  6. You're the one
  7. The new day
  8. Mountain of the sun
  9. Brave new world
  10. Anthem
  11. Lover, leaver (Taker, believer)

Gesamtspielzeit: 49:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Reine Wingl
2019-01-24 13:11:11 Uhr
Achja und die Durchschnittswertung auf rym spricht ebenfalls eine eindeutige Sprache. Lol
Reine Wingl
2019-01-24 13:10:11 Uhr
Man muss sich nur mal den kürzlichen Auftritt bei SNL anschauen, um zu sehen was das für peinliche Poser sind. Soviel Substanzlosigkeit fällt im Plattentests-Bewertungskosmos unter "sehr gut". Löscht euch.
Alphex
2019-01-24 10:55:21 Uhr
Was machen eigentlich Airborne? Oder Wolfmother?
Armin Linder-Depner
2019-01-24 08:34:04 Uhr
*Amazon-Provision einstreich*
7/10 lol
2019-01-23 23:25:21 Uhr
Plattentests beweist hier wieder absolute Inkompetenz.
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