Aurora - Infections of a different kind – Step 1

Aurora- Infections of a different kind – Step 1

Decca / Universal
VÖ: 28.09.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Ich mach' mir die Welt

Mit 22 Jahren, so meinen viele, solle man doch endlich erwachsen sein. Das Leben selbst in die Hand nehmen, auf eigenen Füßen stehen, der Realität ins Auge sehen. Aurora Aksnes hat mittlerweile jenes Alter erreicht und nimmt sicher die Rolle der Bestimmerin über ihren eigenen Weg ein. Schließlich ist sie nicht nur am Songwriting ihrer Musik beteiligt, sondern wacht vor allem über die umgebende Ästhetik – welche mit der Wirklichkeit allerdings auch auf "Infections of a different kind – Step 1" mindestens fremdelt. Das überraschend veröffentlichte zweite Album der Norwegerin ist die erste Hälfte einer geplant zweiteiligen Serie. Es folgt auf ihr beachtliches Debüt "All my demons are greeting me as a friend", das immerhin damals die Spitze der Charts in der Heimat einnehmen konnte. Ihr eigenes Wunderland hat Aurora nicht verlassen, sie lässt es expandieren. Alice war gestern.

Was ein Titel wie "Queendom" verspricht, halten die in den acht Tracks behandelten Sichtweisen. Maskulinem, martialischem Vokabular mischt die eigensinnige Blondine eine Breitseite an willkommenheißender Empathie bei. "My queendom come", skandiert sie im Opener wie ein flatterndes Transparent, ohne die Tore jedoch zu verschließen: "You have a place in my queendom." Die zentrale Aufforderung im "Soft universe" lautet nicht grundlos: "Speak to me." "Like a gentle earthquake it intensifies", singt sie an anderer Stelle, und es beschreibt auch, wie ihre Songs gereift sind. Diese sind zwar wie auf dem Vorgänger um eingängige Refrains strukturiert, zeigen sich aber drumherum deutlich komplexer und feinfühliger instrumentiert. "All is soft inside" versinkt in einer Welt aus Nebelschwaden und entschlossen schlagenden Drums, "It happened quiet" ist ein kleines Klagelied. Die recht straighten, schon länger zuvor veröffentlichten Singles "Queendom" und "Forgotten love" dienen nur als Einstieg, führen stilistisch aber eher auf eine falsche Fährte.

Umso überraschender ist der verblüffende Wandel von "Churchyard", das als getragener Pop startet und mittendrin äußerst schmissige Beat-Unterstützung bekommt. Zudem mag man die Feststellung vom "wichtigsten Song", den sie je geschrieben habe, als Klischee-Quark abtun, aber beim Hören den abschließenden Titeltracks muss man feststellen: Es ist was dran. Eine märchenhafte Ballade, die alles Gegebene auf den Kopf stellt. "If there is a god / Would he believe in us?", fragt Aurora aus ihrer Utopie in Richtung Realität zurück. In einer gerechten Welt würde so etwas den überbordenden Kitsch von Musicalstücken ersetzen. Man würde die Zuschauer mit einem fernen Knistern entlassen, mit einem distanziert verhallten Chor. Hier bleibt die Gewissheit, einem eindrucksvollen Reifeprozess beizuwohnen. Das Erwachsenwerden ist bei diesem Talent bestenfalls Nebensache, wenn sie sich als Ersatz eine solche Kunstwelt erschaffen kann. "Be God in the shape of a girl", in der Tat.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • All is soft inside
  • Churchyard
  • Infections of a different kind

Tracklist

  1. Queendom
  2. Forgotten love
  3. Gentle earthquake
  4. All is soft inside
  5. It happened quiet
  6. Churchyard
  7. Soft universe
  8. Infections of a different kind

Gesamtspielzeit: 33:13 min.

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Edrol

Postings: 9

Registriert seit 19.10.2018

2018-10-25 20:31:04 Uhr
Wirklich ein schönes, kleines Album. Irgendwie wohlig und perfekt für den immer näher kommenden Winter. Würde auch 7/10 geben.

Armin

Postings: 13825

Registriert seit 08.01.2012

2018-10-24 23:20:38 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 13825

Registriert seit 08.01.2012

2018-09-28 18:58:59 Uhr - Newsbeitrag


AURORA veröffentlicht heute ihr neues Album "Infections of a Different Kind - Step One". Physisch wird das komplette Album in Step Two Anfang nächsten Jahres erscheinen.
Download Album-Artwork
"Infections of a Different Kind - Step One"
Label: Vertigo/Capitol



AURORA – ihr Name und ihr Wesen verzaubern gleichermaßen. Doch der erste Eindruck mag täuschen: Hinter diesem zierlichen, ganz sonderbaren und einzigartigen Nordlicht steckt eine gehörige Portion Power und Talent.

„Infections Of A Different Kind – Step 1“ ist in vielerlei Hinsicht ein Statement. Ein Statement, dass AURORA zurück ist, aber auch die Verkündung ihres Aufstiegs in die oberste Liga. Es gibt keine Geheimnisse, hinter jeder Aussage steckt eine Bedeutung. Es ist ein Paukenschlag, ein Aktionsaufruf, eine Platte, die vor Selbstbewusstsein, bunten Facetten und tiefer Hingabe nur so strotzt.

„Im Vergleich zum ersten Album habe ich eine schärfere Selbstwahrnehmung und ein tieferes Verständnis für das, was ich sagen möchte. Alles ist jetzt noch mehr im Einklang mit meiner Seele und dem, was ich bin“, erklärt die in Bergen lebende Künstlerin. „IOADK-S1 handelt von den vielen Aspekten unseres Daseins als Menschen. Es erzählt davon, wie wir leiden, wie wir lieben und davon, wie wunderschön und zugleich furchtbar wir sind.“

Aufgenommen in einem märchenhaften Studio, genau genommen einem Chateau – mitten im Nirgendwo, irgendwo im Süden Frankreichs – behandeln ihre neuen Songs alles vom Persönlichen bis hin zum Politischen und lassen mit Themen wie Trennung, dem Tod, Feminismus und Umweltschutz nichts aus. Es gibt Songs, die Trost spenden und auch Songs, die Fragen aufwerfen. „Die Welt ist ziemlich chaotisch geworden,“ sagt AURORA über die schwebende Ungewissheit, die auch klanglich reflektiert wird, aber das muss nicht unbedingt etwas Schlimmes heißen. „Ich glaube das tut uns ganz gut. Es ist gut, auch mal eine Kostprobe vom Chaos zu bekommen, umso mehr wissen wir zu schätzen, wenn es gut läuft.“

Obwohl „Infections Of A Different Kind – Step 1” vom britischen Duo MyRiot [London Grammar, Rae Morris] und dem aufsteigenden norwegischen Talent Askjell co-produziert wurde, hat AURORA darauf bestanden, sich auch selbst zu großen Teilen in die Produktion mit einzubringen. „Es ist unheimlich wichtig für mich, dass die Musik am Ende wirklich mich widerspiegelt“, erklärt sie. „Ich bin die einzige, die mich wirklich kennt, mein tiefstes Inneres, und ich kann nun mal am besten ich sein!“ In einer Welt, in der Künstlerinnen immer wieder eingeredet wird, mit männlichen Produzenten zu arbeiten, setzt das ein wichtiges Zeichen.

Unterstützt wird ihr einzigartiger, wahrhaft verzaubernder Sound von dem Trondheim Symphony Orchestra, der Florence and the Machine-Harfenistin Ruth Potter, einem Cello-Quartett und einem 32-köpfigen Schwulenchor aus Oslo. „Sie sind spektakulär“, schwärmt sie über die Gesangsgruppe, die auf Churchyard zu hören ist. „Sie haben eine wahnsinnige Energie, so lebendig, ungezogen und fröhlich. Ich liebe sie einfach.“ AURORA legt einen Balanceakt zwischen Leichtigkeit und Schwere hin. „Jeder Song hat andere Bedürfnisse und jede Zeile erfordert eine andere Emotion. Manchmal passt eine unschöne Gesangsinterpretation einfach besser zur Emotion, es kann also auch mal hässlich, rau und dreckig werden, das ist auf diesem Album noch mehr herauszuhören.“

Sentimental und fragil, aber auch stark und widerstandsfähig, so möchte AURORA den Menschen vermitteln, „dass sie alles erreichen können. Ich fühle mich wie eine Kämpferin oder eine Jägerin – wie jemand, der alles machen kann.“

Mit unfassbaren 200+ Millionen Streams und mehr als 500.000 verkauften Tonträgern und Downloads für ihr 2016 erschienenes Debütalbum „All My Demons Greeting Me As A Friend“, ist es schwer zu glauben, dass die dynamische Sängerin/Songwriterin aus Norwegen erst 21 Jahre alt ist, doch genau jetzt ist AURORA bereit, noch viel mehr in Bewegung zu setzen als je zuvor!

„Ich fühle mich wie eine Art Sprachrohr und das ist ein wirklich schönes Gefühl, denn ich bin nicht ich, ich bin niemand bestimmtes – Ich bin einfach nur eine Stimme und das ist etwas ganz Wunderbares!“
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