Logh - The raging sun

Logh- The raging sun

Bad Taste / Soulfood
VÖ: 26.05.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die neue Bescheidenheit

Wir alle müssen sparen und den Gürtel enger schnallen, weil wenn das alle tun geht's uns erst so richtig schlecht. Und wer sind traditionell die Meister im Sparen? Nein, natürlich nicht Hans Eichel. Wie bitte? Genau, die Schotten. Und so sparen auch schottische Musiker gerne an Frohsinn und perfekter Produktion. Aber geht's denen wirklich so schlecht weil sie sparen oder sparen sie weil's ihnen so schlecht geht? Im Grunde egal, solange es gefällt, berührt und bewegt. Und anhand solcher schottischen Erzeugnisse kann man auch Logh einordnen: spärlicher als Mogwai aber plus Gesang, weicher als Aereogramme oder auch knarziger als die so sympathisch wie erfolgslosen Snow Patrol.

Der Unterschied zu besagten Bands liegt vor allem darin verborgen, daß Logh - die früher nur "Log" hießen, aber wegen Namensgleichheit mit diversen US-Kapellen ein "h" anhängten - aus Schweden stammen. Und in jenes Land paßt solche Musik ebenso wie in Glasgows graue Industrie-Ruinen oder die kargen Highlands. Gut vorstellbar, daß der eher dezente LoFi-Rock auf "The raging sun" von einem end-pubertierenden Michel aus Lönneberga, vom ersten Lebensfrust gezeichnet, an einem mückenumschwirrten Teich sitzend dem Sonneuntergang feilgeboten werden hätten können.

Mattias Friberg und seine Mannen musizieren in mehr oder weniger derselben Besetzung seit Mitte der Neunziger zusammen, brachten aber erst Anfang 2002 ihr offizielles und kompakt "Everytime a bell rings an angel gets his wings" betiteltes Debütalbum unters Volk. Und obwohl es flott erscheinen mag, daß nun schon der Nachfolger präsentiert werden kann, scheint dieser keineswegs locker von der Hand gegangen zu sein. Denn nach eigenen Angaben mußten während der Aufnahmen drei Mikros, drei Verstärker, ein Computer, eine Wasserpumpe, drei Mäuse und nebenbei auch das Selbstvertrauen der Band ihr Leben lassen. Auch wenn es im Nachhinein für die einzelnen Beteiligten, insbesondere die Mäuse, kein echter Trost sein mag: Es war die Mühe wert!

Grundehrliche, hautnahe Songs, die sich dem Leben und Lieben unter der "wütenden Sonne" widmen. Lieblingslieder sind das todtraurige, mit seichtem Piano unterlegte "End cycle", der dezent schlurfende Pop von "An alliance of hearts", der wie ein Bastard aus frühen dEUS- und späten Chokebore-Elementen tönende Titelsong und der schiere Aggressionsausbruch namens "The bones of generations". Echte Schwachpunkte wie beim eingelullten Vorgänger sind nicht nicht mehr auszumachen, denn trotz der recht dunklen und kargen Grundausstattung wird es einem mit Logh nicht langweilig. Der Spannungsbogen will und will einfach nicht abreißen - zumindest bis man durch das jähe Ende des Albums seinen Tagträumen entrissen wird und sich auf die Suche nach der Mückensalbe macht.

(Peter Schiffmann)

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Highlights

  • End cycle
  • An alliance of hearts
  • The raging sun

Tracklist

  1. The Contractor and the assasin
  2. End cycle
  3. An alliance of hearts
  4. The raging sun
  5. Thin lines
  6. The bones of generations
  7. A vote for democracy
  8. At this my arm was weakened
  9. City, I'm sorry
  10. Lights from sovereign states

Gesamtspielzeit: 44:49 min.

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