Satan - Cruel magic

Satan- Cruel magic

Metal Blade / Sony
VÖ: 07.09.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

In Kurzform

NWOBHM. Es gibt nicht viele Abkürzungen in der Musikwelt, die elektrisierender sind als diese für die New Wave Of British Heavy Metal – ein Begriff, der um 1979 herum entstanden ist. Ganz genau vermag das heute niemand mehr festzulegen. Auf jeden Fall brachte diese Bewegung Bands wie Saxon und Iron Maiden hervor, Gruppen also, die unbestritten zu den großen Ikonen des Metal zu zählen sind. Und die Sammelwut eines Teenagers im kalifornischen Newport Beach Ende der Siebziger führte dazu, dass jener Heranwachsende eben nicht Tennisprofi wurde wie sein Vater, sondern versuchte, das Schlagzeugspiel zu erlernen und letztlich eine Band gründete, mit der er Jahre später sämtliche Superlative des Metal brechen sollte. Die Rede ist natürlich von einem gewissen Lars Ulrich.

Allzu oft fressen solche Revolutionen allerdings ihre Kinder, und so blieb es für viele Bands in jener Zeit bei Live-Auftritten oder Demo-Aufnahmen, ohne jedoch den erhofften Durchbruch zu schaffen. Und als die NWOBHM vor einigen Jahren eine Art Revival erlebte, versuchten sich einige der Genrevertreter an Reunions von eher zweifelhafter Qualität. Nicht viel anders erging es seinerzeit Satan aus Newcastle. Zwar veröffentlichten die Nordengländer 1983 mit "Court in the act" ein durchaus beachtetes Album, das Einflüsse der damals beginnenden Thrash-Welle integrierte, häufige Besetzungswechsel machten der Band aber relativ bald ebenfalls den Garaus. Auch wenn Blind Guardian 1992 mit der Coverversion von "Trial by fire" die Briten kurzfristig zurück ins Rampenlicht brachten. Der Unterschied zu so manch anderer Band dieser Epoche: Mit der Reunion 2011 setzte das Quintett um die Gründungsmitglieder Steve Ramsey und Russ Tippins auf Kontinuität in der Besetzung und auf Authentizität im Sound.

"Cruel magic" ist somit bereits das dritte Album seit der Reunion, und erneut dürften die auf heutige Produktionen gedrillten Hörer angesichts des rumpeligen Sounds zunächst erschrecken. Doch das tut der Klasse der Songs keinen Abbruch. Denn schon der Opener "Into the mouth of eternity" lädt zum fröhlichen Headbangen ein, überzeugt mit wunderbaren Old-School-Riffs der Gitarristen Ramsey und Tippins. Hier spielen keine Rentner, sondern altgediente Veteranen, die während der Bandpause schließlich nicht untätig waren, sondern im Fall von Ramsey und Bassist Graeme English lange Jahre für die Folk-Metaller Skyclad tätig waren. Diese Routine schlägt sich entsprechend in großartigen Refrains wie bei "Legions hellbound" oder "Death knell for a king" nieder, die sofort zünden und den Charme der frühen Achtziger mühelos wiedergeben können.

Apropos Charme. Natürlich müssen sich Satan schon seit Jahren die Frage gefallen lassen, ob es erstrebenswert ist, nahezu exakt wie vor 35 Jahren klingen zu wollen. Doch angesichts ständig schwindender Produktionsbudgets und sinkender Tonträgerverkäufe geben die Briten die richtige Antwort, denn "Cruel magic" klingt eben nicht altbacken, sondern lässt mit jeder Note, mit jedem Riff den Do-It-Yourself-Charakter spüren. Und das ist eben der Unterschied zu einigen der damaligen Zeitgenossen: Während beispielsweise Holocaust zu lange die vermeintliche Ehrung, dereinst von Metallica gecovert worden zu sein, vor sich her trugen, nehmen Satan den Pioniergeist und die Spielfreude der frühen Jahre mit und verbinden dies mit der Routine des Alters. Da mag nicht immer jede Note punktgenau sitzen. Aber "Cruel magic" ist genau durch diese vermeintlichen Unzulänglichkeiten vor allem eines: Eine ehrliche Platte mit Ecken und Kanten. Und eine würdige Reminiszenz an eine ereignisreiche musikalische Epoche.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Into the mouth of eternity
  • Legions hellbound
  • Death knell for a king

Tracklist

  1. Into the mouth of eternity
  2. Cruel magic
  3. The doomsday clock
  4. Legions hellbound
  5. Ophidian
  6. My prophetic soul
  7. Death knell for a king
  8. Who among us
  9. Ghosts of Monongah
  10. Mortality

Gesamtspielzeit: 49:46 min.

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hos

Postings: 117

Registriert seit 12.08.2018

2018-10-24 00:52:26 Uhr
Heir Apparent.

Das Debut von denen war ja damals in den verwegenen Insiderkreisen ziemlich begeistert aufgenommen worden. War dann aber doch eher nicht meins, insbesondere mit dem Gesang kam ich dann überwiegend nicht klar, zu theatralisch, zu "over the top". Passte für meinen Geschmack auch überhaupt nicht zu den Songs, dazu fehlte ihm, wie leider auch dem Schlagzeuger der Groove. Stilistisch vergleichbar hatte ich dann die etwas später als Heir Apparent auftauchenden Crimson Glory wiederum sehr gemocht, auch wenn deren Sänger nicht gerade weniger theatralisch war, lol...
Angelo Sasso
2018-10-23 10:37:12 Uhr
Fifth Angel natürlich. Da war die Euphorie ob des der neuen Platte zu groß.
gähn
2018-10-22 21:57:28 Uhr
wir wissens langsam.
Rudi Aschlmeier, Vampirjäger
2018-10-22 21:53:55 Uhr
Mir ist Metal einfach zu hart. Höre lieber Radiohead und Arcade Fire.
höh?
2018-10-22 21:46:13 Uhr
third angel?
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