Hater - Siesta

Hater- Siesta

Fire / Cargo
VÖ: 28.09.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Große Töne

"Heartbreak has never sounded so sweet", lässt der Promo-Text zum neuen Hater-Album wissen. Tatsächlich? Dann müsste das Quartett ja sein Debüt "You tried" aus dem Jahre 2017 noch mal toppen. Die Band aus dem schwedischen Malmö macht Lo-Fi-Dream-Pop, der ganz natürlich nah am Herzen ist, so als wären Hater unaffektierte The xx oder die unkonventionelleren Alvvays, als wäre der Hambacher Forst einfach nur ein hübsches Wäldchen, als hätte das Internet nie das Clickbaiting hervorgebracht und wären Gefühle eine Sprache, die jeder spricht und versteht. Auch die zweite Platte "Siesta" lebt von ihrer eintauchenswerten, einsaugenden Stimmung, die sich hier für eine knappe Stunde entfaltet.

Bereits der Opener "From the bottom of your heart" entwickelt ebenjenen angesprochenen Sog, wenn der Rhythmus das Artwork aufgreift und im Trab den hauchenden Gesang einleitet. Spätestens aber beim zauberhaften "I wish I gave you more time because I love you" mit seinem noch zauberhafteren Titel ist man Hater wieder ganz und gar verfallen. Das sanfte Saxofon versprüht dabei eine unwiderstehliche Sexiness, die selbst härteste Hunde übermannt. Nicht weniger herzlich erscheint "It's so easy", das einen Synthie ins Setting packt und den Beat etwas flotter agieren lässt. Schön an dieser Stelle auch, wie die Drums immer wieder aufdrehen, ohne sich aufzudrängen. Das sakrale "I sure want to" bohrt sich mit seinem ätherischen Klopfen, der schmerzgeplagten Orgel und dem zweistimmigen Gesang ganz tief in die Gehörgänge und noch viel weiter.

"Your head your mind" bewerkstelligt Selbiges mit seiner melodieführenden Gitarre, die ein paar Blondie-Assoziationen zulässt, während Sängerin Caroline Landahl die noisige Melancholie der Instrumentierung reflektiert, um immer wieder kurz innezuhalten und zwischendurch zu erklären: "And as we slowly drew apart / I focused, I swore." Trennung kann so liebevoll geschehen, meint man, am Ende jedoch explodiert der Sound für Hater-Verhältnisse, wenn ein blubbernder Synthie die Federführung übernimmt, die Gitarren crashen und der Text bittersüß konstatiert: "Went too long to hold on." Ein großartiger Song. Ebenso toll: "Things to keep up with", dessen Gitarren schon zu Beginn kräftige Verheißungen einstreuen und im Verlauf des Titels immer wieder neu aufkeimen, bis gebrochene Drones sie umgarnen und ins Wanken bringen. Apropos umgarnt: "I’ve been to Hollywood just maybe / Dressed up in silk all because of the web", lautet der Refrain, der erneut eine tragische Wendung zum Aufhänger nimmt und den Schmerz aber durch seine Freude über die Erkenntnis wieder wettmacht.

"Seems so hard" mit seinem verlorenen Piano wendet sich wieder den Beziehungen zu und fragt: "I feel alone / Should I have to?" Die bittere Pille zum Schlucken liegt schon bereit und auch wenn der zweistimmige Chorus noch mal alle Kräfte sammelt, ein Happy-End wird es nicht geben. Das jedoch manifestiert sich im abschließenden "Weekend", das lyrisch die Wiedervereinigung zelebriert und sich dabei von einer friedvollen Slidegitarre umschwingen lässt. Zur Songhälfte verstummt der Gesang und weicht schließlich lauter werdendem Stimmengewirr. So als hätte es "Siesta" nie gegeben, leitet das Stück dieses Album aus und untermalt, wie wenig Aufhebens die Schweden um ihre Musik machen. Das ist wahnsinnig charmant, und fügt sich ins Schema dessen, wie Hater ihre Songs konzipieren und vortragen. Keineswegs nervös, durchaus selbstbewusst, aber eben auch ohne große Töne zu spucken. Wobei: Große Töne gibt es auf "Siesta" zuhauf.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • It's so easy
  • I wish I gave you more time because I love you
  • Things to keep up with
  • Your head your mind

Tracklist

  1. From the bottom of your heart
  2. It's so easy
  3. I wish I gave you more time because I love you
  4. Closer
  5. Fall off
  6. I sure want to
  7. Things to keep up with
  8. Your head your mind
  9. Why it works out fine
  10. The mornings
  11. Cut me loose
  12. All that your dreams taught me
  13. Seems so hard
  14. Weekend

Gesamtspielzeit: 57:07 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-10-14 19:54:27 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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