Cloud Nothings - Last building burning

Cloud Nothings- Last building burning

Wichita / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 19.10.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Leben mit Sound

Es hört sich an wie ein kurzer Abstecher in die gefühlt ewig weit zurückliegende Jugend, siebte Klasse, Physikunterricht, Getuschel unter Freunden über die Mitschüler, aber: Dieser Dylan Baldi steht ja mal total auf Energie. Hat der Kopf der aus Ohio stammenden Cloud Nothings zumindest unlängst selbst verkündet. Von laut zu leise, oder im Fall seiner Band eher von laut zu noch lauter, mal kontrolliertes Chaos, mal zwei ungebändigt aufeinander einwirkende Kräfte, das Ausbrechen aus feststehenden Schemen, das Sprengen sämtlicher Grenzen – Baldi fährt voll drauf ab. Sagte man doch so in der siebten Klasse, oder? Wie dem auch sei: "Last building burning", das neue und mittlerweile sechste Album von Cloud Nothings, ist einerseits tatsächlich das im Vorfeld angekündigte Energiebündel. Und gleichzeitig auch das vorhersehbarste Werk in der bisherigen Karriere der Noise-Rocker.

Was gar nicht mal schlimm ist: Seit Baldi die Band 2009 ins Leben rief, durfte man sich als Fan vor jeder neuen Veröffentlichung gespannt die Hände reiben ob des kommenden Hörvergnügens. Der 26-Jährige und seine Kollegen legen sich nur ungern auf einen bestimmten Sound fest, und wenngleich jedes der bisherigen Alben – vom selbstbetitelten 2011er-Debüt bis zu "Life without sound" von 2017 – sich an schrammeliger bis deftig krachender Klangkunst bediente, lagen die Besonderheiten stets im Detail. "Last building burning" pfeift darauf. Hier gibt es acht stürmische Songs in etwas mehr als einer halben Stunde Spielzeit, aufgenommen über acht Tage mit Produzent Randall Dunn (Wolves In The Throne Room, Sunn O))), Oren Ambarchi), keine Schnörkel, aber auch keine wirklichen Verluste. Gut, einen vielleicht: Ihr traditionelles Überraschungsmoment haben Cloud Nothings damit verspielt. Macht angesichts der wirklich berauschenden 35 Minuten aber am Ende auch nichts.

Gut los geht es zumindest nämlich schon mit dem Opener "On an edge", der die Hörerschaft innerhalb weniger Sekunden von der Stuhlkante direkt auf die Beine reißt, Schleudertrauma garantiert: Mit Karacho heulen die Gitarren hier los, verprügelt Drummer Jayson Gerycz sein Instrument, spuckt Baldi Gift und Galle ins Mikrofon, als hinge sein Leben davon ab. Die Marschrichtung ist klar, ein Zurück gibt es nicht, links und rechts darf man getrost außer Acht lassen, nur nach vorne gehts, ohne Pause. Gleichermaßen intensiv, aber minimal melodischer schrammeln sich Cloud Nothings über das flehend-wütende "Leave him now" zum soliden Indie-Rocker "In shame", dessen Mitsing-Refrain auf den kommenden Konzerten sicher für Freude und einen entsprechend in die Höhe schnellenden Lautstärke-Pegel sorgen wird.

Womit Cloud Nothings passenderweise auch endgültig in der Rockstar-Schiene angekommen wären, die "Last building burning" durchaus anstrebt. Zugegeben: Das Kostüm des Underdogs aus den Anfangstagen passt Baldi & Co. ja schon länger nicht mehr so richtig. Und doch sind sie immer für ein beeindruckendes Kopfnicken gut, freilich gefolgt von wildem Mähnen-Geschüttel: Wenn das fast elfminütige "Dissolution" aus der bis dahin recht standardmäßig daherkommenden Drei- bis Vier-Minuten-Marke ausbricht und sich in sich mehrfach selbst abreißt und wieder aufbaut, ist das zumindest großes Kino. Und dass Baldi auch ein Händchen für richtig gute Hits hat, beweisen eingängige Chaoten wie "Offer an end" und "Another way of life" fast nebenbei. Für die nach etwas Schatten im Rampenlicht suchenden Fans von früher gibt es mit "So right so clean" ein angemessen düsteres Ventil, das zum Luftholen aber auch nur wenige Sekunden Zeit lässt. Da fühlt man sich dann auch fast wieder wie damals, siebte Klasse, Physikunterricht. Allein mitten im Getuschel. Zum Glück wissen wir mittlerweise: Irgendwann wird alles gut.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • On an edge
  • Offer an end
  • Dissolution

Tracklist

  1. On an edge
  2. Leave him now
  3. In shame
  4. Offer an end
  5. The echo of the world
  6. Dissolution
  7. So right so clean
  8. Another way of life

Gesamtspielzeit: 35:45 min.

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Affengitarre

Postings: 3172

Registriert seit 23.07.2014

2018-10-22 16:23:03 Uhr
Das hört sich doch gut an.

Robert G. Blume

Postings: 377

Registriert seit 07.06.2015

2018-10-22 14:24:08 Uhr
Bis jetzt wars zumindest Attack On Memory. Last Burning Building wird aber mindestens zweiter, wird sich noch zeigen.

Affengitarre

Postings: 3172

Registriert seit 23.07.2014

2018-10-22 13:05:50 Uhr
Welches ist dein Lieblingsalbum? Die hier jetzt oder "Attack On Memory"?

Robert G. Blume

Postings: 377

Registriert seit 07.06.2015

2018-10-22 12:13:49 Uhr
Ja leck mich fett. Richtig großartig. Ich bin eher bei denjenigen zu verorten, die sich von Cloud Nothings volle Energie wünschen, und da werd ich z.B. bei „Dissolution“ und „Echo Of The World“ voll abgeholt. Der Sound könnte tatsächlich ein wenig mehr Hi-Fi sein, aber auch das ist ein Mittel, was die Neue stärker in Richtung „Attack On Memory“ neigen lässt – mein bisheriges Lieblingsalbum von ihnen.
Singt denn...
2018-10-22 08:49:41 Uhr
...der Sänger immer noch mit dem gleichen Spucke-Sprachfehler wie Paul Panzer?
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