Faces On TV - Night funeral

Faces On TV- Night funeral

Unday / Rough Trade
VÖ: 21.09.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Weltreise nach Hause

"Suspicious", der Opener dieses Albums mit dem mysteriösen Titel "Night funeral", entführt den Hörer sogleich in einen Urwald der Kuriositäten. Federnde Drum-Grooves, ein Sammelsurium an Rhythmusinstrumenten, mehrstimmige Panflöten in spannungsreichen Harmonien, ein Xylophon, ein Akkordeon, und ein mehr gewisperter als gesungener Text über die zerstörerische Kraft des Misstrauens. Alles ist darauf ausgelegt, auf möglichst faszinierende Weise zu befremden.

Warum klingt in belgischer Musik eigentlich so oft ein Gefühl von Abenteuer und Mysterium mit? Fast scheinen sich die Bands darin überbieten zu wollen, mit den jeweils genretypischen Mitteln eine Sehnsucht nach dem Unbekannten oder Überraschenden in Musik zu fassen. Andererseits kann man sich kaum vorstellen, dass ein Konkurrenzkampf die Musikszene des kleinen Landes zerreißt, schließlich sind fast alle Indie-Bands miteinander verwandt oder verschwägert. Jasper Maekelberg ist dort ein alter Bekannter, er ist nicht nur Produzent, sondern auch Gitarrist der Band Warhaus, die wiederum von Balthazar-Frontmann Maarten Devoldere gegründet wurde. Und kaum veröffentlicht Maekelberg nun unter dem Namen Faces On TV sein Solodebüt, stehen schon dEUS und Balthazar vor der Tür und wollen ihn mit auf Tour nehmen.

So abgesichert Maekelbergs Position in der heimischen Bandlandschaft ist, so wagemutig gibt er sich auf seinem Album: Er wirft darauf wild mit elektronischen Klängen und exotischen Instrumenten um sich, jeder Aspekt der Musik wird Gegenstand ausgeklügelter Experimente. Der Titelsong erschafft durch leicht schräge gezupfte und gesungene Töne zunächst eine unheimliche Atmosphäre, durch kaum merkliche Verschiebungen in den Harmonien wechselt die Stimmung zu tiefer Ruhe und Geborgenheit und wieder zurück. In "Same thing" hallt der Gesang blechern nach, mündet in metallenes Quietschen, aber auch von afrikanischer Popmusik inspirierte Gitarrenriffs werden eingebracht und auf vielfältige Weise verarbeitet. Bei "The image of boy wonder" spielt ein wummernder synthetischer Bass die Hauptrolle, was etwas hart klingen würde, wenn nicht eine Schäferflöte und diverse nicht unmittelbar erkennbare Saiteninstrumente den zähfließenden Song bereichern würden. In "Tell me" ist neben Maekelbergs Stimme nur ein Vibraphon oder ein ähnliches Schlagstabspiel zu hören.

Und so ist "Night funeral" wirklich eine wahre Fundgrube für den Instrumentenkundeunterricht. Es überrascht wenig, dass das Album zu großen Teilen im Wohnwagen entstand, während Maekelberg mit Warhaus unterwegs war. Und wo endet die Reise ins Unbekannte? Den Schlusspunkt setzt nicht ein fulminanter Showdown, sondern das sanfte "Terminal case", das sich leise und unspektakulär, mit klassischem Akustik-Pop und nur noch ein wenig Wehmut hinausschleicht – vielleicht direkt in Maekelbergs Wohnzimmer in Gent. Schön hier.

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • Suspicious
  • Night funeral
  • Same thing

Tracklist

  1. Suspicious
  2. Dancing after all
  3. Night funeral
  4. Same thing
  5. The image of boy wonder
  6. Tell me
  7. Call me up
  8. Looking glass
  9. Slowly fading out
  10. Terminal case

Gesamtspielzeit: 40:26 min.

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User Beitrag
zu faul sich einzuloggen
2018-10-08 11:02:07 Uhr
Nochmal klare Empfehlung. Glass Animals passt am besten in den Referenzen, finde ich.
zu faul sich einzuloggen
2018-10-05 13:09:18 Uhr
Das heimliche Album der Woche. Auch hier gibt's bei youtube diverse Songs.

Armin

Postings: 13137

Registriert seit 08.01.2012

2018-10-04 21:24:40 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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