Behemoth - I loved you at your darkest

Behemoth- I loved you at your darkest

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 05.10.2018

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schwarzer Monolith

Es wurde in der Tat ein Meilenstein. Vor viereinhalb Jahren konstatierten wir voller Überzeugung, dass Behemoth mit "The satanist" das Genre noch lange aufwühlen würden. Wie nachhaltig dieses Album allerdings diesen Bereich des extremen Metals, ob wir ihn nun Black oder Death Metal nennen mögen, prägen sollte, war in der Form dann doch nicht absehbar. Denn plötzlich fanden sich die Polen quasi im Mainstream wieder, traten auf den größten Bühnen der größten Festivals auf – ohne jedoch auch nur einen Zentimeter von ihrer Auffassung von Metal und vor allem von der Schärfe der Kritik an der katholischen Kirche abzuweichen. Und als Frontmann Adam "Nergal" Darski Anfang August 2018 auf dem Wacken Open Air den ersten Song der neuen Platte "I loved you at your darkest" ankündigte, war die erste Reaktion des Publikums gespanntes, geradezu andächtiges Schweigen. Bis kurz darauf der euphorisierte Pit explodierte.

Nein, Behemoth sind in den letzten Jahren zwar größer geworden, einer der größten Vertreter ihrer Zunft möglicherweise, aber leiser sind sie auf keinen Fall geworden. Das Schmunzeln über den Kinderreim im Intro "Solve" gefriert mit dem ersten Ausruf "I shall not forgive" zu Eis, bis mit "Wolves ov Siberia" Blackened Death Metal nicht einfach gespielt wird, sondern zelebriert. Erst nach zwei Minuten geht Drummer "Inferno" kurz vom Gas, es wird ein kurzes elegisches Break eingestreut, nur um abschließend weiter zerhackt werden zu können. Was die Polen allerdings im Anschluss mit dem plakativ betitelten "God = dog" abfeuern, lässt zunächst staunen. Dann in Ehrfurcht versinken. Was für eine Atmosphäre! Was für eine Dichte! Was für ein bitterböses Prachtwerk voller finsterer Stimmung, durchsetzt mit Tempowechseln, mit akustischen Widerhaken auf höchstem Niveau. Was schon auf dem erwähnten Wacken-Auftritt als unbekannte Vorab-Single bei Temperaturen aus der Hölle für Gänsehaut sorgte, ist nun ein wahrer Monolith des Bösen.

Wenn wir schon von Höchstniveau sprechen: Auch auf den folgenden Songs geben sich Behemoth nicht den Hauch einer Schwäche, wechseln mühelos von wahnwitzigen Blasts bei "Ecclesia diabolica catholica" – nein, man benötigt kein Latinum, um zu erkennen, wem dieser Wutausbruch gewidmet ist – zu tiefschwarzen Goth-Parts in "Bartzabel", was ohnehin durch die fetten Chöre klingt, als hätten sich die Tore der Hölle zum finalen Abgesang aufgetan. Zu keiner Zeit lässt die Intensität nach, immer wieder tun sich neue Abgründe auf, wenn wie zum Beispiel bei "Havohej pantocrator" theatralische Passagen und Unterwelt-Chöre mit wüsten Black-Metal-Rasereien Schicht um Schicht auftürmen, um sie gegen Ende wieder einzureißen.

Genau jenes Wechselspiel zwischen Konstruktion und Dekonstruktion wird durch eine feine Anspielung mit den Songtiteln von Intro und Outro bestätigt. Denn "Solve et coagula" ist nichts anderes als eine der Schlüsselformeln der Alchemie und bedeutet wörtlich "Löse und verbinde". Reines Gold zu produzieren, bleibt jedoch das einzige, was Behemoth mit "I loved you at your darkest" nicht gelingt. Jede Note, jedes Riff ist punktgenau durchdacht, ohne verkopft zu sein, jeder einzelne verdammte Song besitzt das Potenzial, eine Großtat zu sein. Behemoth werden mit dieser Platte zum Gesamtkunstwerk, eine Demonstration von extremer Kunst von einem höchst eloquenten und intelligenten Frontmann, dessen Auftritte diese Messen, diese Rituale sind, die andere Genrevertreter mit abstrusen Satanstheorien so gerne herbei beschwören möchten. Bestenfalls Triptykon und mit Abstrichen Primordial sind momentan imstande, dieser Wucht auch nur im Ansatz etwas entgegen zu setzen. Dieses Album wird das Genre nicht nur aufwühlen wie sein Vorgänger. Sondern es wird auf längere Sicht das Maß aller Dinge bleiben.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Wolves ov Siberia
  • God = dog
  • Sabbath mater

Tracklist

  1. Solve
  2. Wolves ov Siberia
  3. God = dog
  4. Ecclesia diabolica catholica
  5. Bartzabel
  6. If crucifixion was not enough...
  7. Angelus XIII
  8. Sabbath mater
  9. Havohej pantocrator
  10. Rom 5:8
  11. We are the next 1000 years
  12. Coagvla

Gesamtspielzeit: 46:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Völl
2018-10-05 19:59:01 Uhr
Bartzabel ist sehr geil.
Petition
2018-10-05 11:51:30 Uhr
"Behemoth - I loved you at your darkest" den AdW-Titel + 9/10-Wertung nachträglich aberkennen!
Tom
2018-10-05 11:49:13 Uhr
Interview auf laut.de: "Wenn Christen in einigen Teilen der Welt getötet werden, dann gibt es noch Gerechtigkeit auf Erden."

Bravo.
Rote Arme Fraktion (ausgeloggt)
2018-10-02 12:00:26 Uhr
Voll geil! Besser ist nur NSBM!
nergal the best
2018-10-02 11:46:22 Uhr
goile mucke.
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