Noname - Room 25

Noname- Room 25

Bandcamp
VÖ: 14.09.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Queenage dreams

Wortgewandt ist sie, die gute Fatimah Warner alias Noname. Eine gute Anlaufstelle für amüsante bis zum Nachdenken anregende Wortspiele, mit einem feinem Gespür für Beats und Melodien, über die sie in mittlerweile liebgewonnenem Flow ihre Reime legt. Und auch wenn man von der Rapperin eigentlich nichts anderes gewohnt ist als wahre Worte, überrascht ihre Ehrlichkeit im Vorfeld der Veröffentlichung ihres Studiodebüts "Room 25" doch ein bisschen. Die Produktion des Albums hatte nicht einfach nur künstlerische Gründe, es war nicht nur ihre Leidenschaft für die Musik, nicht nur der Drang, sich selbst und ihr Schaffen unter die Leute zu bringen, die sie ins Tonstudio führten. Tatsächlich lag es zu großen Teilen auch an Geldnot und – man höre und staune – daran, dass sie die Songs ihres 2016er-Mixtapes "Telefone" schlicht nicht mehr spielen mag.

Moment: Debüt? Mixtape? Richtig, Noname bezeichnet "Room 25" selbst als ihr wirklich echtes erstes Album. Das soll die Qualität des Vorgängers nicht schmälern – "Telefone" dürfte dafür gesorgt haben, dass die Chicagoerin trotz diverser früherer Kollaborationen mit Größen wie etwa Chance The Rapper überhaupt erst auf so einigen Bildschirmen aufgetaucht ist. Und dennoch ist "Room 25" größer, ausgearbeiteter als Nonames erster Versuch. Mehr noch: Es fühlt sich in gewissem Sinne gar wichtiger an. Es fängt den Moment ein nach dem Umbruch vom Heranwachsenden zum Erwachsenen. Noname wirkt befreit, selbstbewusst und optimistisch. Zu Recht: "Room 25" beweist, dass die 27-Jährige nicht nur von einer großen Zukunft träumen darf, sondern selbst eine gar nicht allzu kleine Rolle darin spielen dürfte.

Noname ist keine Nicki Minaj, keine Cardi B, keine von all jenen weiblichen Kolleginnen, die mittlerweile mehr durch ihre Inszenierungen auffallen anstatt durch wirkliches Talent. Ein Glück, will man da sagen, obgleich auch Noname kein Blatt vor den Mund nimmt: Wenn "Montego bae" mit Bossanova-Anleihen und Lounge-Feeling von einer Urlaubsliebe in Jamaika berichtet und fast nebenher aus dem erotischen Nähkästchen plaudert, geht das aufgrund der entspannten Stimmung fast unter. In eine völlig andere Kerbe schlägt das jazzige, ultraschnelle "Blaxploitation", in dem Noname mit rasanter Geschwindigkeit einen wütenden Vortrag über Rassismus und die daraus resultierenden Spannungen in den USA ins Mikrofon spuckt – und dennoch stets klingt, als würde sie süffisant lächeln. Wer kann, die kann.

Wer jedoch insbesondere den gelassenen, von den Neunzigerjahren geküssten HipHop des Vorgängers zu schätzen wusste, wird auch hier nicht enttäuscht. Schon der mit knapp eineinhalb Minuten leider arg kurz geratene Opener "Self" macht die Tür zum Zimmer 25 sanftgroovend und doch bestimmt auf, während das Frühlingserwachen in "Regal" eine immerhin äußerst hübsch verpackte Abrechnung mit der US-Regierung und ihres Anführers ist. Währenddessen bedauert das zurückhaltende "Don't forget about me" auf morbide Weise nicht nur den eigenen Tod, sondern ist eine flehende Bitte, dass man sie nicht vergessen soll: "I know everyone goes some day / I know my body's fragile, know it's made from clay / But if I have to go, I pray my soul is still eternal / And my momma don't forget about me." Am stärksten aber wird Noname mit der finalen Doppelspitze "With you" und dem quasi selbstbetitelten "No name": Eine Mischung aus HipHop, Soul und Gospel ertönt und füllt den Raum voll aus, der ihr geboten wird, weit über die Zimmernummer 25 hinaus, raus in die Welt, in eine glorreiche Zukunft. Wahre Worte? Mindestens zuversichtliche.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Blaxploitation
  • With you
  • No name (feat. Yaw & Adam Ness)

Tracklist

  1. Self
  2. Blaxploitation
  3. Prayer song (feat. Adam Ness)
  4. Window (feat. Phoelix)
  5. Don't forget about me
  6. Regal
  7. Montego bae (feat. Ravyn Lenae)
  8. Ace (feat. Smino & Saba)
  9. Part of me (feat. Phoelix & Benjamin Earl Turner)
  10. With you
  11. No name (feat. Yaw & Adam Ness)

Gesamtspielzeit: 34:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Wawa
2018-09-30 16:31:10 Uhr
Verdammt, verdammt, verdammt gut!

Armin

Postings: 13628

Registriert seit 08.01.2012

2018-09-26 20:25:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Jennifer

Postings: 1508

Registriert seit 14.05.2013

2018-09-10 23:47:52 Uhr - Newsbeitrag


Tracklist
01. Self
02. Blaxploitation
03. Prayer Song
04. Window
05. Don’t Forget About Me
06. Regal
07. Montego Bae
08. Ace
09. Part of Me
10. With You
11. no name
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