Echo & The Bunnymen - The stars, the oceans & the moon

Echo & The Bunnymen- The stars, the oceans & the moon

BMG / Warner
VÖ: 05.10.2018

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Aus alt mach weniger alt

Fassen wir mal kurz zusammen: Es ist nicht Weihnachten, noch bewegen wir uns langsam auf die besinnliche Zeit zu, auch wenn uns der Lebkuchen-, Zimtstern- und Spekulatiusstand im Supermarkt das glauben lassen will. Niemand von Echo & The Bunnymen, egal aus welcher Besetzung, ist vor kurzem verstorben. Und pleite dürfte Ian McCulloch auch nicht unbedingt sein. Aber: Will Sargeant wurde im April dieses Jahres immerhin schon 60. Alles Gute nachträglich! Und auch die Band feiert 2018 bereits ihr 40. Jubiläum, ungeachtet dessen, dass es in den Neunzigern eine kleine Pause gab. Und dennoch fragt man sich an dieser Stelle, was zur Hölle der Sinn und Zweck von "The stars, the oceans & the moon" sein soll, jenes Werkes, das McCulloch da als neues Album zu verkaufen versucht und das doch nur eine Ansammlung alter Hits ist.

Ja, schon gut: alte Hits, die zumindest neu aufgenommen wurden. Die Klassiker in Ehren, aber: Aus der Erbsensuppe vom Vortag wird auch kein neues Gourmetmahl, nur weil man etwas Petersilie reingestreut und den Topf noch mal erwärmt hat. Und McCullochs hanebüchene Erklärung setzt dem Dilemma die Krone auf: Er habe das "Album" für niemand anderen produziert, nur für sich selbst, um die altehrwürdigen Tracks noch besser zu machen. Is' klar. Warum dann die Veröffentlichung? Um das in aller Deutlichkeit zu sagen: "The stars, the oceans & the moon" ist kein neues Album von Echo & The Bunnymen, sondern eine Best-of-Compilation, bei der sich jeder Verantwortliche irgendwie davor drückt, sie als genau das zu bezeichnen. Stattdessen werfe die Platte "ein völlig neues Licht auf das Backcatalogue-Repertoire einer der strahlendsten Formationen der modernen Rockmusik". Zwei neue Songs gibt es obendrauf, die nun aber ganz ehrlich niemand gebraucht hätte.

Schluckt man den ersten Ärger runter wie die natürlich immer noch vollkommen einwandfreie Erbsensuppe von gestern und verdrängt den Gedanken an "Killing moon: The best of Echo & The Bunnymen" und "The works", zwei andere Compilations von 2007 und 2008, die völlig ausreichend waren, kann man sich vielleicht, womöglich, unwahrscheinlicherweise über "The stars, the oceans & the moon" freuen. Alle alten Freunde sind vereint: "Nothing lasts forever", "Ocean rain", "Seven seas", "The killing moon", um nur ein paar zu nennen, einige davon schneller wiedererkennbar als andere. Am Ende aber tragen sie alle die Handschrift von McCulloch, der zusammen mit Sargeant nun alleine hinter Echo & The Bunnymen steht. Entsprechend solo-esk klingen die Neuauflagen, und selbst die beiden neuen Stücke "The somnambulist" und "How far?" täuschen trotz einer Extraportion Bombast nicht darüber hinweg, dass das Ganze offenbar die One-Man-Show eines Musikers ist, der solch lächerlich anmutende Schreie nach Aufmerksamkeit eigentlich nicht mehr nötig haben sollte. Hier ein paar neue Instrumente, da ein anderes Tempo, dort etwas mehr Kitsch: Besser geworden sind die Hits dadurch nicht. Im Gegenteil. Aber es ist eben zumindest eine Lehre, die man im Falle McCullochs auch mit knapp 60 Jahren noch ziehen kann. Manche Dinge sollte man wirklich besser für sich selbst behalten.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Nothing lasts forever

Tracklist

  1. Bring on the dancing horses
  2. The somnambulist
  3. Nothing lasts forever
  4. Lips like sugar
  5. Rescue
  6. Rust
  7. Angels & devils
  8. Bedbugs & ballyhoo
  9. Zimbo
  10. Stars are stars
  11. Seven seas
  12. Ocean rain
  13. The cutter
  14. How far?
  15. The killing moon

Gesamtspielzeit: 63:55 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 13137

Registriert seit 08.01.2012

2018-09-26 20:23:27 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Hogi

Postings: 255

Registriert seit 17.06.2013

2018-08-21 07:36:48 Uhr
Seven Seas vorab ist schonmal richtig schlecht...brauch ich absolut nicht.

Autotomate

Postings: 895

Registriert seit 25.10.2014

2018-08-21 07:12:48 Uhr
13 modernisierte Versionen unsterblicher Klassiker aus dem umfangreichen Schaffen von Echo & The Bunnymen: So wurden Kulthits wie „The Killing Moon“, „Nothing Lasts Forever“ oder „Rescue“ noch einmal völlig neu aufgenommen und um diverse Elemente wie Synthesizer und Streicher ergänzt.

Wow, eine meiner Lieblingsbands! Bleibt eigentlich nur die Frage, ob das richtig üble Scheiße oder doch nur ganz normaler Schrott wird...
Echo von Echo
2018-08-21 04:56:50 Uhr
Ich weigere mich, eine Veröffentlichung mit zwei neuen Stücken als "neues Album" anzuerkennen.
Ja, super!
2018-08-20 18:32:22 Uhr
Einfach toll!
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