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Tricky - Vulnerable

Tricky- Vulnerable

Anti / Epitaph / SPV
VÖ: 19.05.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kopf, Stein, Pflaster

Niemand schafft es, derart briefmarkenknapp am Pop vorbei zu schrammen und sich an den entstandenen Striemen auch noch zu weiden. Eigentlich könnte sich Adrian Thaws könnte dieses Prinzip längst patentieren lassen, doch noch immer will man ihm das mißliebige TripHop-Etikett ans Revers heften. Und doch zeigte spätestens "Blowback" vor zwei Jahren, daß Tricky zu viel mehr als schleppenden Rhythmen und verko(r)ksten Stimmungen fähig ist. Auf "Vulnerable" geht er diesen Weg konsequent weiter. Man könnte durchaus auch von "stur" reden, denn niemand braucht Angst zu haben, der Brite würde es mit dem Bügeleisen oder der Hochglanzpolitur übertreiben. Stellen wir uns Trickys Musik lieber wie eine Vinyl-Schallplatte vor: Gerade in den Furchen liegt die Musik.

Während sich auf dem Vorgänger noch ein wahres Star-Ensemble tummelte, geht Tricky auf "Vulnerable" gesangstechnisch wieder auf Nummer Unsicher. Als gänzlich unbeschriebenes Blatt erscheint seine neue Muse: Constanze Francavilla ist für die säuselnden Momente zuständig, die den zerfahrenen Schlaufen aus HipHop, Rock, Dub, Blues, Klassik und Elektronik etwas Beruhigung verschaffen. Schon im Opener "Stay", der sich wie ein einziger Spannungsbogen erhebt, läßt ihr unterkühlter Vortrag aufhorchen. Das eigene Verbluten in "Car crash" erlebt sie beinahe romantisch zu sanften Gitarren und schwebenden Streichern. Und im derben Kracher "Where I'm from" spuckt sie plötzlich auch noch einen feisten, italienischen Rap hervor. Ernsthaft: Das Mädel kann was.

Einmal mehr zeigt der Dauergrummler aus Bristol also sein ausgezeichnetes Gespür für außergewöhnliche Frauenstimmen. Und bei der obligatorischen Coverversion durfte nach Nirvana, Public Enemy, Motörhead, Siouxsie & The Banshees und Depeche Mode diesmal "The love cats" von The Cure dran glauben. Guter Geschmack, der Herr. Entsprechend geschmeidig zerschleichen Tricky und Partnerin das überdrehte Original. Diese Katzen wälzen sich zu lasziven Grooves auf zerwühlten Laken.

Daß sich Tricky wie nebenbei auch noch erlaubt, Joy Division und Pink Floyd durch den Sample-Wolf zu drehen und in einen völlig neuen Kontext zu stellen, erscheint da schon fast wie Routine. Apropos Routine: Nicht immer zünden Trickys Songbaustellen wie gewünscht. "Dear God" schleicht etwas zu ungerührt umher, und "Moody" zeigt uns eine noch kältere Schulter. Doch wenn sich gleich darauf in "Wait for God" Mundharmonika, brunftige Gitarren und zickiges Gefidel ineinander verheddern, ist die Welt wieder in Unordnung. "Executive roosters and pop producers / What you're used ta I get looser." Wie wahr, wie wahr. Denn nicht erst seit den Gorillaz wissen wir Bescheid: Lockere Schrauben grooven besser.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Stay
  • How high
  • Car crash
  • The love cats

Tracklist

  1. Stay
  2. Antimatter
  3. Ice pick
  4. Car crash
  5. Dear God
  6. How high
  7. What is wrong
  8. Hollow
  9. Moody
  10. Wait for God
  11. Where I'm from
  12. The love cats
  13. Search and survive

Gesamtspielzeit: 45:15 min.

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