Villagers - The art of pretending to swim

Villagers- The art of pretending to swim

Domino / GoodToGo
VÖ: 21.09.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kopf über Wasser

Auf Villagers kann man sich verlassen. Und auch wenn Mastermind Conor O'Brien im Titel des vierten Villagers-Studioalbums etwas von Vortäuschung erzählt, darf man getrost sagen: Der Ire macht weder sich noch seinen Fans etwas vor. Acht Jahre nach Veröffentlichung des Debüts "Becoming a jackal" von 2010 ist die Band zwar nicht mehr wirklich ein Geheimtipp, aber dennoch weit entfernt von wirklichem Fame. Vielleicht auch besser so – auf den kann O'Brien eh ganz gut verzichten. Bei einer solch ehrlichen Haut hört man dann auch doppelt gern zu. Nicht, dass "The art of pretending to swim" bei Kennern überhaupt auf irgendwelche Argumente zur Aufmerksamkeit angewiesen wäre. Der sanft flowende Opener "Again" erfasst es entsprechend früh und richtig: "We fall again / Under the spell again." Es ist aber auch wie verhext.

"The art of pretending to swim" mag sein angebliches Schwimmtalent also nur vorgeben, hat dabei aber immerhin stets den Kopf über Wasser. Mehr noch: Hektische Bewegungen, angsteinfößende Strömungen, hohe und mitreißende Wellen haben hier nichts verloren. Das Viertlingswerk von Villagers geht, pardon, schwimmt den Weg des zuletzt erschienenen "Darling arithmetic" von 2015 noch etwas weiter. Die Zurückhaltung des Vorgängers haben O'Brien & Co. deutlich zurückgefahren, stattdessen setzt das Album noch mehr auf Offenheit, Warmherzigkeit und das eine oder andere Mal auch auf pure, gemeinsam zelebrierte Lebensfreude. Und selbst die düsteren Themen verpacken Villagers in derart schöne und berührende Melodien, dass es zum gewaltigen Hieb das Kühlpack direkt dazu gibt – so etwa im anfänglich leicht verschroben wirkenden "Love came with all that it brings", das sich seine liebe Zeit zur Entfaltung nimmt und am Ende nicht nur dank der immer besser werdenden Zeilen "Love came with all that it brings / Including the fact that it stings / Like a motherfucker" im Kopf nachhallt.

War "Darling arithmetic" noch die geradezu perfekte Untermalung für einen Abend in kleiner Runde am Lagerfeuer, benötigt "The art of pretending to swim" zwar nicht unbedingt das größere Publikum, doch aber mehr Raum. Songs wie die Single "A trick of the light" oder das detailverliebte "Hold me down" klingen zwar bereits beim ersten Hördurchgang durchaus angenehm, verbreiten ihren Anmut und ihre Leidenschaft aber erst beim zweiten, dritten, vierten Mal, je nach Art und Weise unterschiedlich stark ausgeprägt, aber immer tief unter die Haut gehend. Ganz abgesehen von der schieren Wucht des eigentlich ganz entspannt startenden "Long time waiting", das sich in gerade mal gut fünf Minuten von einer lockeren Indie-Pop-Nummer mit Rhythmusgefühl in regelrecht noisigen Freak-Folk mitsamt aus der Reihe tanzenden und spielenden Blas-Orchester verwandelt. Klingt irre? Ist es. Aber der Zauber O'Briens wirkt noch immer. Mit dem abschließenden Feuerwerk "Ada" in leicht esoterischer Atmosphäre beenden Villagers ihre Schwimmstunde wieder in vertrauten Gewässern. Kaum überraschend: Hier ging natürlich niemand baden.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Long time waiting
  • Love came with all that it brings
  • Ada

Tracklist

  1. Again
  2. A trick of the light
  3. Sweet saviour
  4. Long time waiting
  5. Fool
  6. Love came with all that it brings
  7. Real go-getter
  8. Hold me down
  9. Ada

Gesamtspielzeit: 41:26 min.

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User Beitrag

Robert G. Blume

Postings: 366

Registriert seit 07.06.2015

2018-09-24 11:40:45 Uhr
Wirklich sehr gut. Lässt sich schön am Stück durchhören und bietet immer wieder Neues zu entdecken.
Dorfbewohner
2018-09-24 11:39:51 Uhr
Sehr sehr schönes Album. Konstant auf einem hohen Level, fantastische Arrangements

musie

Postings: 2271

Registriert seit 14.06.2013

2018-09-24 08:38:39 Uhr
Ganz starkes Album, aus einem Guss! x mal gehört am Wochenende, kein Song fällt ab.

Zappyesque

Postings: 41

Registriert seit 22.01.2014

2018-09-23 19:42:30 Uhr
Sehr positiv überrascht!
Sein Songwriting mit der modernisierten Produktion und unter anderem Instrumentierung gepaart funktioniert wirklich gut.
Da muss man auch keinen Song wirklich hervorheben, die Scheibe funktioniert als Ganzes wunderbar und am Ende wünscht man sich gar noch ein wenig mehr.
Fake-Knut
2018-09-23 15:42:57 Uhr
Finde das neue Album super. Weniger Folk tut eben auch mal gut. Der Bonus-Song der Deluxe-LP würde sogar hervorragend auf "My Sister Is My Clock" von dEUS passen. Wer hätte sowas von den Villagers erwartet...
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