Jain - Souldier

Jain- Souldier

Columbia / Sony
VÖ: 24.08.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Die Vertonung der Welt

Der erste Eindruck trügt bisweilen. Manchmal steckt in nettem und harmlosen Radio-Pop, dessen Hauptqualitäten Tanzbarkeit und Chart-Eignung zu sein scheinen, doch mehr als man denkt. Zum Beispiel bei Jain, die seit 2016 im frankophonen Europa am oberen Ende der Hitparaden mitmischt. Wer ihre volle Stimme mit dem weichen afrikanischen Akzent und der im Afropop und Reggae verwurzelten Musik hört, stellt sich unter der Interpretin wahrscheinlich auch nicht gerade eine zierliche weiße Französin vor. Doch eine solche ist Jain, wenn auch keine gewöhnliche. Ihre Eltern waren beruflich viel im Ausland unterwegs, einen Großteil ihrer Kindheit verbrachte Jain in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Als Jain 13 war, zog die Familie in den Kongo. Dort erlebte die Teenagerin zunächst einen verheerenden Kulturschock, dann aber eine musikalische Erweckung. Die dort allseits beliebten synthetischen Trommeln und der ausschmückungsreiche lokale Gesangsstil dienten als Grundlage ihrer ersten eigenen Songs.

Zu ihren großen musikalischen Vorbildern zählten nunmehr Größen wie Vanessa Mdee, Youssou N'Dour und Miriam Makeba. Letzterer hat Jain die Hymne "Makeba" gewidmet, die mit ihrer ansteckenden guten Laune und der unerbittlichen Bassline alles wegfegt. Jaden Smith, der Sohn von Will Smith, machte in den Song in seiner Internetradiosendung einem Millionenpublikum bekannt, und durch die Webekampagne einer weltbekannten Jeansmarke, die die unbändige positive Energie der Songs erkannte und sich zu Nutzen machte, kamen noch mal ein paar Milliönchen hinzu. So begann der rasante Aufstieg von Jain, die mit bürgerlichem Namen Jeanne Louise Galice heißt. Nun veröffentlicht sie ihr zweites Album "Souldier", das transparente Wortspiel ist schon ein Hinweis darauf, dass texterische Raffinesse und politische Statements darauf eher nicht zu finden sind. Dafür aber guter, einfallsreicher Pop.

Afrika ist dabei eine bleibende Bezugsgröße. Zum Beispiel wenn im Opener "On my way" dröhnende Synthiebeats und eine verspielt changierende, herauf und herab intonierende Gesangslinie zu Bongos und Cabasas auf den Dancefloor steppen. Aber auch die Karibik hat prominente Auftritte. In der Musik gewordenen Durchhalteparole "Alright" kommt die Steel Drum mit hüftschwingender Leichtigkeit daher. In "Feel it" wird deutlich, dass Jain auch gerne Bob Marley nacheifert und dazu außer einem Reggae-mäßigen Offbeat und einer fluffigen Melodie nicht viel benötigt. Auf "Abu Dhabi" hingegen findet man – wenig überraschend – orientalische Skalen und Touareg-Gitarren, ansonsten neigt der Song eher zu Hip-Hop und Rap und erinnert nicht selten an M.I.A. So viele Stile und Einflüsse wie möglich miteinander zu vermischen und eine multikulturelle Musik zu schaffen, die leicht und spielerisch und nicht angestrengt klingt, ist das erklärte Ziel dieser Weltreise durch den Pop. Das mag erst mal nach einem wahnwitzigen Vorhaben klingen. Aber im Zerstören erster Eindrücke ist Jain ja schon geübt.

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • Alright
  • Flash (Pointe Noire)
  • Oh man

Tracklist

  1. On my way
  2. Flash (Pointe-Noire)
  3. Alright
  4. Oh man
  5. Inspecta
  6. Dream
  7. Star
  8. Feel it
  9. Abu Dhabi
  10. Souldier

Gesamtspielzeit: 31:16 min.

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User Beitrag
Dennisolllllllolol
2018-09-20 21:24:05 Uhr
Also wirklich wirklich gut. Vergleichbar vielleicht mit dem erstem Album von NElly Furtado, das ich heute noch gerne höre.
Dennisolllllllolol
2018-09-20 21:23:23 Uhr
Aber das erste war wirklich gut.
French Honk
2018-09-20 20:14:25 Uhr
Wenn dieses zweite Album bei euch eine 7 bekommt, dann solltet ihr Jain's erstes Album ZANAKA schnell noch rezensieren und ihm eine 9 geben...
Dieses zweite Album hat kaum Seele. Sehr schade.

Armin

Postings: 13618

Registriert seit 08.01.2012

2018-09-19 20:47:35 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

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