Slothrust - The pact

Slothrust- The pact

Dangerbird / The Orchard
VÖ: 14.09.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In neuem Glanz

Mit alten Gewohnheiten ist es wie mit Zahnbürsten: Eine Zeit lang ist es durchaus sinnvoll, sie zu bewahren, zu lange sollte man sie trotzdem nicht bei sich behalten. Auf ihrem vierten Platte "The pact" machen Slothrust diese Prämisse zum federführenden Leitgedanken. Dabei hätte das Bostoner Trio allen Grund, an Bewährtem festzuhalten. "Everyone else", der Vorgänger von "The pact", war eine famos ausgespielte Verneigung vor der Grunge-Ära, die sich dabei trotzdem nicht wie eine bloße Rekapitulation eines längst verbrauchten Genres anhörte, sondern den Vorbildern der Band mit frischen Ideen und erstaunlicher Variabilität neues Leben einhauchte. Eigentlich könnte man also meinen, Slothrust hätten ihre innere Mitte bereits gefunden. "The pact" tänzelt dennoch galant in bisher unergründete Sphären.

Völlig aus dem Nichts kommt diese Entwicklung nicht. Schon auf "Everyone else" hatten Slothrust immer wieder mit zuckersüßem Indie-Pop kokettiert, obwohl dieser dem dreckigen Grunge-Timbre so gar nicht zu schmeicheln schien und gerade dadurch so großartig funktionierte. "The pact" öffnet dieser Neigung nun aber alle Türen und erkundet munter alle Spielarten von Slothrusts zurückhaltender Seite. Dabei fühlt sich der Opener "Double down" noch kurz wie ein Rückblick zum Grunge-Kapitel an, schlägt im Anschluss aber geschickt eine Brücke zwischen alter und neuer Platte. Mit unglaublich cool aufgedrehtem Fuzz lassen Slothrust ihre Gitarren groovig aufheulen, täuschen dann aber den eskalierenden Refrain nur an und weichen smooth in unbeschwertes Gepfeife aus. Das Trio gibt hier einen ersten Vorgeschmack darauf, wie es im Laufe des Albums den Dreck aus seiner Musik immer weiter entfernen wird. Während "Peach" noch als hymnische Garage-Rock-Ode fungiert und "Planetarium" gar rock'n'rollige Tanzbarkeit entfaltet, ist spätestens die intim bluesige Ballade "Walk away" im Melancholie-Modus angekommen.

Das hindert Slothrust aber nicht daran, ihre Stärken auszuspielen, sondern sorgt im Gegenteil dafür, dass die Band Freiheiten in ihrem Songwriting findet, die sie zuvor noch nicht ausgespielt hatte. Dabei gelingen dem Trio viele Highlights. "On my mind" erschafft seine wunderschön brodelnde Soundwand aus subtilen Synthie-Streichern mit einem klug eingesetzten Jazz-Saxophon-Solo und erneuert den Eindruck, die Band sei die rüde Version von People Like You. "New red pants" gelingt mit nur einer kurzen, immer wieder wiederholten Melodie-Phrase eine starke und gleichzeitig subtile Klimax. Das grandiose "Fever doggs" beginnt wiederum mit psychedelisch verhallter Klavier-Chromatik, stürzt schließlich doch in herrlich schnarrenden Garage-Rock und endet in einem völlig verrückten Accelerando.

Slothrust decken auf ihrem vierten Album Gegensätze auf, die man schon vorher immer vermuten konnte, nun aber in nie dagewesener Klarheit erkennen kann. Schon immer war die Band in der Lage, angestaubte Klänge nicht angestaubt klingen zu lassen. "The pact" ist der Beweis, dass dies auch im Rückbezug auf die eigene Diskografie gilt. Und deswegen kann auch das nächste Slothrust-Album eigentlich nur fantastisch werden.

(Jakob Uhlig)

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Highlights

  • Double down
  • New red pants
  • Fever doggs
  • On my mind

Tracklist

  1. Double down
  2. Peach
  3. Planetarium
  4. Walk away
  5. Birthday cake
  6. For Robin
  7. The haunting
  8. New red pants
  9. Fever doggs
  10. On my mind
  11. Some kind of cowgirl
  12. 12 travel bug

Gesamtspielzeit: 44:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Blob
2018-09-14 06:17:49 Uhr
Bis jetzt nur die Vorab Singles gehört. Diese machen aber Lust auf mehr. V. A Peach und Birthday Cake.

Wird Zeit das Slothrust hier endlich mal erwähnt wird.
Die beiden Vorgänger kann ich auch nur jedem ans Herz legen.

Armin

Postings: 13429

Registriert seit 08.01.2012

2018-09-12 21:05:39 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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