Krisiun - Scourge of the enthroned

Krisiun- Scourge of the enthroned

Century Media / Sony
VÖ: 07.09.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Klassenkampf

Ihr findet, die großen Bands sind zu aufgeblasen, zu mächtig? Ihr möchtet wieder Herzblut in der Musik sehen? Ehrlichen Krach hören, bei dem man live noch auf Tuchfühlung mit den Musikern gehen kann? Willkommen in der zweiten Liga des Death Metal, willkommen bei Krisiun. Wobei der Begriff "Zweite Liga" eher auf die Umsätze und die finanziellen Möglichkeiten hindeuten soll, nicht etwa auf vermeintliche Zweitklassigkeit der Musik. Denn die Brasilianer sind mitnichten Newcomer, sondern bereits seit 1990 aktiv. Das Besondere dabei: Die drei Herren bestreiten nicht nur seit Jahren einen enorm aufreibenden Zyklus aus Plattenaufnahmen und intensiven Touren, sondern sie sind auch Brüder. Was vor allem auf Tour hilfreich sein dürfte, wenn – Stichwort "Zweite Liga" – der Nightliner eher ein frommer Wunsch bleibt und man die Fahrten mitsamt der Ausrüstung im Van bestreitet. Lagerkoller? You bet.

Ganz und gar erste Liga hingegen ist seit jeher das technische Niveau, auf dem sich das Trio seit jeher bewegt. Denn vor allem sind Krisiun für ihre atemberaubende Geschwindigkeit bekannt, für haarsträubend schnelle Blastbeats gepaart mit höchst filigraner Gitarrenarbeit. "Scourge of the enthroned", das zehnte Studioalbum, macht da zunächst keinen Unterschied. Ganz im Gegenteil: Der atmosphärische Beginn des eröffnenden Titeltracks ist nur die Ruhe vor dem Sturm, bis Death Metal mit gefühlten 185 BPM über die Hörerschaft hereinbricht. Und ja, das spielt Drummer Max Kolesne auch live, ohne jegliche technische Hilfsmittel. Bis plötzlich der Fuß vom Gas geht und ein schleppendes Break das vorläufige Urteil über die Nackenmuskulatur spricht. Diese kleinen Tempoverschleppungen sind umso fieser, weil der Hochgeschwindigkeits-Death-Metal dadurch umso effizienter seine Schneisen in den Moshpit schlägt.

Geradezu barbarisch wird es im folgenden "Demonic III", bei dem Gitarrist Moyses Kolesne wie entfesselt aufspielt und nebenher ganz galant aus dem Debütalbum "Black force domain" von 1995 zitiert. Doch die Zeiten dessen bisweilen unbeherrschten Gehobels sind endgültig vorbei, statt dessen darf "Devouring faith" augenzwinkernd in Richtung Slayer grüßen. Es liegt in der Natur der Sache, dass nach diesem Gewitter in Form der drei ersten Songs das ganz große Spektakel ein klein wenig heruntergefahren wird. Das bedeutet allerdings nur, dass die ganz großen Überraschungen im weiteren Verlauf eher rar gesät sind. Immer wieder jedoch werden Kleinigkeiten deutlich, die die hervorragenden technischen Fertigkeiten der Band zeigen. "Electricide" ist erneut so ein Beispiel, bei dem sich Moyses Kolesne wahrhaft ins Delirium frickelt, während sein jüngerer Bruder sein Drumkit in Schutt und Asche prügelt. Und über dem ganzen in jeder Note durchdachten Gerüpel röhrt der Älteste, Halbbruder Alex Camargo, seine Vocals heraus. Großartig.

In gewisser Weise wirkt "Scourge of the enthroned" wie das Werk einer Band, die an einem gewissen Punkt ihrer Karriere angekommen ist und nun zurückschaut. Da waren zunächst die ultrabrutalen, hyperschnellen Platten der ersten Jahre, die durch ihren ungehobelten Geschwindigkeitsrausch durchaus ermüdend sein konnten. Und da waren insbesondere die letzten beiden Alben "Forged in fury" und "The great execution", auf denen die Brasilianer tonnenschwere Midtempo-Riffs für sich entdeckten. "Scourge of the enthroned" macht nun insofern einen weiteren Entwicklungsprozess deutlich, als dass es im Grunde diese Entwicklungsphasen vereint. Eine Band, die so lange im Geschäft ist wie Krisiun, könnte locker ihren Stiefel herunterspielen. Doch den Brasilianern ist es auf dem Weg zum 30-jährigen Jubiläum gelungen, sich auf ihre Weise neu zu erfinden, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Und das ist wiederum erstklassig.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Scourge of the enthroned
  • Devouring faith

Tracklist

  1. Scourge of the enthroned
  2. Demonic III
  3. Devouring faith
  4. Slay the prophet
  5. A thousand graves
  6. Electricide
  7. Abysmal misery (Foretold destiny)
  8. Whirlwind of immortality

Gesamtspielzeit: 38:07 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-09-12 21:03:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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