KEN Mode - Loved

KEN Mode- Loved

Season Of Mist / Soulfood
VÖ: 31.08.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eine Schmerzensangelegenheit

"Spiel Du mit der Barbie, ich spiel mit Ken", so einst der semi-legendäre Kölner Lo-Fi-Liedermacher Harald "Sack" Ziegler in einer seiner dezent sinnfreien Song-Miniaturen. Doch was wohl passiert wäre, wenn der Guteste versehentlich eine Platte von KEN Mode in die Finger bekommen hätte? Mit dem Herzbuben der berühmtesten Puppe der Welt hat das Trio aus Winnipeg seit sieben Alben nämlich herzlich wenig am Hut und will den ersten Teil seines Namens stattdessen als Akronym für "kill everyone now" verstanden wissen. Beste Voraussetzungen für nahezu entmenschten, metallischen Noise-Rock, der unter markerschütterndem Geschrei sein perfides Spiel mit verkrusteten Sludge-Versatzstücken treibt – die schwarze Gestalt vom Artwork grinst schon demonstrativ diabolisch ob der stählern malmenden Knochenmühle, die in der kommenden guten halben Stunde wartet. "Doesn't feel pain like he should"? Das wollen wir doch mal sehen.

Denn dass es sich bei dem höhnisch betitelten Longplayer in der Tat um eine Schmerzensangelegenheit handelt, registriert der Hörer schon bei den ausgesucht fiesen Rückkopplungen, mit denen dieser vorab ins Rennen geschickte Opener anhebt, bevor es erstmals tief in die akustische Sushi-Maschine geht. "The illusion of dignity"? Ist längst enttarnt, wenn sich Jesse Matthewson im folgenden Stück zu penetranten Kreisch-Leads, einer Wuchtbrumme von Rhythmusgruppe und freidrehender Saxofon-Einlage die Stimmbänder blutig raspelt und alle an der Absurdität des Daseins Verzweifelnde dazu auffordert, doch wenigtens zu lächeln, auch wenn ihnen zum Heulen zumute ist. Für den Hörer leichter gebrüllt als getan: Erst "Feathers & lips" kriegt die Kurve zu einem leidlich straighten, wiewohl Gift und Galle spuckenden Rocker, bei dem religiöse Fanatiker und abgestumpfte Fundamentalisten gleichermaßen ihr Fett wegbekommen. Auch wo die Liebe nicht hinfällt, kann es eben richtig wehtun.

Da vermögen die Kanadier selbst einen drahtigen Groove-Metaller wie "Very small men" in der Rekordzeit von zweieinhalb Minuten vor die Wand zu fahren. Etwas mehr Knautschzone hat das teufelnde "This is not a love test", das seinem Titel alle Ehre macht: an den Eingeweiden schabender Seismografen-Bass statt zarter Gefühle, monströses Riffgewitter und atonal blökendes Gebläse statt Friedenspfeife – als hätten John Zorns Freejazz-Extremisten Painkiller just in dem Moment das Studio gekapert, als Big Black gerade "Kerosene" einspielten. Und falls jemand Steve Albini vermisst: Der hatte anders als auf dem Vorgänger "Success" diesmal keine Zeit – schadet aber nichts, solange Andrew Schneider vom Unsane-Ableger Pigs so auf den neuralgischen Punkt produziert, dass auch der defensive Abschluss "No gentle art" schließlich in ein entfesseltes Inferno umkippt. Wer jetzt ein wenig Humor braucht: Das Covermotiv trägt den Titel "Happy person having a pleasant conversation in public". Ha ha. Und: Aua.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • The illusion of dignity
  • Very small men
  • No gentle art

Tracklist

  1. Doesn't feel pain like he should
  2. The illusion of dignity
  3. Feathers & lips
  4. Learning how to be too cold
  5. Not soulmates
  6. Very small men
  7. This is a love test
  8. Fractures in adults
  9. No gentle art

Gesamtspielzeit: 35:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
leider...
2018-09-21 22:17:53 Uhr
...falscher thread ;-)
leider...
2018-09-21 22:16:46 Uhr
...versteht "subtil" schon längst keiner mehr.....hard times!
wilson (ausgeloggt)
2018-09-21 22:14:30 Uhr
@dude83: definitiv!!
dude83
2018-09-21 18:02:43 Uhr
dafür aber ein geiles Album.
wilson (ausgeloggt)
2018-09-13 16:01:30 Uhr
ups...da hätte ein wenig recherche, in meinem fall, wohl auch genügt...;-)
trotzdem, wie rudi schon sagte, ein peinliches review...
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