Mantar - The modern art of setting ablaze

Mantar- The modern art of setting ablaze

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 24.08.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf! Die! Fresse!

Plötzlich waren sie so etwas wie die Shooting-Stars in der Black-Metal-Szene. Denn es war nicht wirklich damit zu rechnen, dass Mantar 2016 mit ihrem Album "Ode to the flame" dermaßen durch die Decke gehen und mit dem Song "Era borealis" gar einen veritablen Ohrwurm produzieren sollten. Was vor allem am wahnwitzigen Refrain "This is era borealis / This is death über alles" lag. Aber natürlich ruft so viel fast schon mainstreamige Eingängigkeit die Szenepolizei auf den Plan, die erst recht aufbegehrte, als Frontmann Hanno Klänhardt erklärte, dass der Wechsel zu einem der größten Metal-Labels nicht zuletzt aus finanziellen Gründen erfolgt sei. Aber hey, mit seiner Musik Geld verdienen zu wollen, scheint immer noch nicht TRVE zu sein. Wie dem auch sei, der Ruf, den sich das aus Bremen stammende Duo mit "Ode to the flame" und irrwitzigen Live-Shows erarbeitet hat, sorgt natürlich für eine entsprechende Erwartungshaltung für das dritte Studioalbum "The modern art of setting ablaze".

Die zunächst einmal in Form einer deutlich fetteren Produktion bedient wird. Ganz offensichtlich hat der Erfolg der Vorgängerplatte für ein entsprechend großzügigeres Produktionsbudget gesorgt – noch so ein Mittelfinger in Richtung derjenigen Stilwächter, deren Überzeugung zufolge Black Metal wie aus der Blechdose klingen müsse. Dabei ist der Opener "Age of the absurd" Schwarzmetall in seiner reinsten Form, pure Raserei, unterfüttert mit irrsinnigen Blastbeats von Drummer Erinç Sakarya. Und während Klänhardt kehlkopfmordend wie eh und je seine Vocals herauskotzt, ist sein Gitarrenspiel von Beginn an songdienlicher, geradezu filigran. Resultat sind Riffmonster wie "Seek + forget" oder "Taurus", die mit einer gehörigen Crust-Punk-Schlagseite zum zünftigen Pogo bitten.

Aus eben jener Punk-Attitüde resultiert zudem eine unfassbare Kompaktheit – Klänhardt selbst hat sich laut eigener Aussage auferlegt, keinen Song länger als fünf Minuten dauern zu lassen, was ihm bis auf eine Ausnahme auch gelingt. Genau dadurch jedoch wirken die Songs dichter, intensiver, kommen gnadenlos auf den Punkt. Wer nun meint, die Hanseaten würden aus diesem Grund ihre Songs nur noch hemmungslos herunterknüppeln, sieht sich beim atmosphärischen "Obey the obscene" getäuscht, obwohl die Vocals auch hier nicht einen Hauch weniger irre daherkommen. Nur wer nach einem neuen "Era borealis" gesucht hat, dürfte zunächst enttäuscht sein. Doch zum einen lässt sich ein solcher Hit wohl kaum wiederholen, ohne eher gewollt als gekonnt zu klingen, zum anderen könnte "Teeth of the sea" mit seinem geradezu, nun ja, melodischen Refrain gehöriges Ohrwurm-Potenzial besitzen.

Um die urwüchsige Gewalt, den rohen Wahnwitz, die pure Spielfreude von Mantar wirklich erfassen zu können, muss man dieses Duo wohl live erleben: Ein George-Clooney-Lookalike rastet am Schlagzeug aus wie das Tier in der Muppet-Show, und der spindeldürre Frontmann, der eben noch komplett enthemmt ins Mikro keift, fragt zwischendurch plötzlich höflich nach, ob die anwesenden Zuschauer denn noch "Bock auf 'n paar auf die Fresse" habe. Insbesondere auf diversen Festivals im Sommer hinterließen Mantar so nur noch verbrannte Erde. Ähnlich überrollt dürfte sich fühlen, wer mit das erste Mal Kontakt mit der Band hat. Doch nach nur wenigen Durchläufen verbergen sich hinter dem grandiosen Krach Struktur, ausgefeilte Riffs und ein gehöriges Hit-Potenzial. "The modern art of setting ablaze" vereint diese Eigenschaften auf meisterhafte Art, eine alles niederwalzende Wand. Manchmal muss großartiger Metal halt weh tun.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Age of the absurd
  • Seek + forget
  • Teeth of the sea

Tracklist

  1. The knowing
  2. Age of the absurd
  3. Seek + forget
  4. Taurus
  5. Midgard serpent (Seasons of failure)
  6. Dynasty of nails
  7. Eternal return
  8. Obey the obscene
  9. Anti eternia
  10. The formation of night
  11. Teeth of the sea
  12. The funeral

Gesamtspielzeit: 47:45 min.

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