Huyghend - H1

Huyghend- H1

Dorfjungs / Kompakt / Rough Trade
VÖ: 17.08.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Filmreif

Treffen sich ein Horrorfilmregisseur, ein Hegel-Forscher und ein Eventmanager, geben sich den Namen Huyghend – und machen zusammen wunderschöne Musik. Das Kollektiv aus den insgesamt fünf Musikern, die den verschiedensten Berufen nachgehen, hat in seinem ersten Album "H1" acht Songs versammelt, die sich irgendwo zwischen atmosphärischen Synthie-Klängen, eingängigem Indie-Pop und plötzlich durch die Luft fliegenden Achtziger-Jahre-Sounds bewegen. All das mischt sich zu einem dichten Klanggeflecht, das langsam, wie eine Welle, auf einen zukommt und behutsam mit sich reißt.

"H1" beginnt mit dem Song "Young guns": Störgeräusche am Anfang, die in einen erhabenen, über allem schwebenden Ton übergehen, dann in chaotische Stimmfetzen. Nach einer Art musikalischem Aufatmen, kommt ein Refrain aus zwei übereinander gelegten Stimmspuren, die eine verzerrt, die andere sehr hoch, sehr menschlich, nicht ganz perfekt, aber gerade deshalb so schön. Schon hier wird deutlich, wie schwer es ist, die Musik von Huyghend zu beschreiben. In jedem Song findet sich eine kleine Besonderheit, irgendetwas, das fesselt, wie der plötzlich geflüsterte Refrain in "Runners". Und trotz dieser unterschiedlichen Ansätze bei jedem Song, ergibt sich am Schluss ein stimmiges Gesamtbild.

"Speedboat" öffnet mit einem treibenden Beat, der sich anhört wie ein gehetztes Herzklopfen. Dazu kommt eine krass gegensätzliche, friedliche Melodie, eine sanfte Stimme. Und irgendwie schaffen es Huyghend, dass diese Mischung funktioniert. Noch mehr: dass sie süchtig macht. Etwa in der Hälfte des Songs wird der Beat durch einen anderen abgelöst – übergeleitet durch einen langen, pfeifenden Ton. Der Rhythmus wird schneller, scheint sich zu steigern, vermischt sich am Ende mit dem Beat vom Anfang, immer begleitet von der ungerührten Stimme, die schließlich alleine da steht, die letzte Zeile vor sich hin singt: "I can take you anywhere." Der nächste Song, "Edifice", arbeitet mit einem ähnlichen Prinzip. Über einen nervösen Beat legt sich eine ruhige Stimme, die aber im Refrain plötzlich von einer anderen, verzerrten unterbrochen wird, sich in den Vordergrund drängt, fast verzweifelt oder flehend klingt.

Es folgt das ruhige "Traces", voller Entspannung und leisen Tönen, dann ein rein instrumentales Stück "Lakehouse", das aber ebenso spannend ist, wie der Rest des Albums. Der vorletzte Song "Slow" klingt schon nach Abschluss, ist, wie "Traces", sehr entspannt, Stimmen halten sich zurück, mischen sich in den Klang. "H1" schließt mit dem großartigen Überlänge-Track "Mexico" – nach einem sehr ausführlichen Intro, in dem sich langsam der Sound aufbaut, folgt ein eingängiger Gesangspart, dann eine schräge Überblende, nach der sich der gesamte Song zu einem noch dichteren Klanggebilde steigert. Gegen Ende wird alles wieder reduziert, bis nur noch Stimme und leise Hintergrundgeräusche zu hören sind.

Vor "H1" steuerten Huyghend die Musik zum Horrorfilm "Luz" bei, einem Projekt ihres Mitglieds Tilman Singer, das auf der Berlinale Premiere feierte – daher ist es nicht ganz verwunderlich, dass sich das Album ein bisschen so anhört, wie ein Film: Dass es sich langsam steigert, nervös macht, unruhig macht, kleine Ruhepole bietet und dann mit einem, nochmal alle Motive aufgreifenden, Finale endet.

(Marie Saverino)

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Highlights

  • Young guns
  • Speedboat
  • Mexico

Tracklist

  1. Young guns
  2. Runners
  3. Speedboat
  4. Edifice
  5. Traces
  6. Lakehouse
  7. Slow
  8. Mexico

Gesamtspielzeit: 34:31 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-09-05 21:24:09 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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  • Huyghend - H1 (1 Beiträge / Letzter am 05.09.2018 - 21:24 Uhr)

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