Phil France - Circle

Phil France- Circle

Gondwana / Groove Attack
VÖ: 07.09.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Das Leben ist schön

Der Name Phil France mag seltsam klingen, wenn man aus Yorkshire stammt und in Manchester wohnt, aber ansonsten hat der 47-jährige Komponist und Produzent ein Händchen, wenn es um die Betitelung von Bands und Alben geht. Früher war er bei den wahrlich epischen The Cinematic Orchestra auf Alben wie "Everyday" und "Man with a movie camera" als Bassist tätig, sein Solodebüt aus 2013 nannte er "The swimmer". Entsprechend tanzten und funkelten die Töne dort wie Wassertropfen im Licht, während der Brite den Hörer in eine von Filmmusik inspirierte Klangwelt eintauchen ließ. Der Nachfolger heißt "Circle" – runde Sache, klar. Vor allem aber ist die Platte mit dem sanften, synthetischen Titeltrack als Einleitung und seiner klavierbetonten Fassung am Schluss eine elliptische Reise. Beide Stücke dienen als Ankerpunkte in die Wirklichkeit, von der sich France in der Zeit dazwischen vollkommen entfernt. Die Destination ist klar: Schönheit, in ihrer allumfassenden Form.

"Circle" mag auf der Oberfläche wie Wohlfühl-Elektro wirken, doch unterhalb ihrer Fassade strahlen die Songs in diversen anderen Facetten und es fällt erst bei näherem Hinhören auf, wie weitgehend organisch die Platte instrumentiert ist. Vor allem die Rhythmussektion wird häufig von Schlagzeug und Bass bestimmt, die Synthesizer sorgen hingegen für kraftvolles Volumen und für die feinen Verzierungen auf der Oberfläche. Herausragend ist beispielsweise die letzte Minute von "Bells" mit dieser himmlisch vertraut düdelnden Melodie, die zwischen den Ohren hin und her hüpft. Neben elektronischen Leisetretern wie Roman Flügel erinnern die Stücke häufig auch an die ruhigen Momente von Postrock-Bands à la Sigur Rós und Mogwai. Oft reicht ein kleines Motiv aus wenigen Tönen im Loop für die Entfaltung der Glückseligkeit, in der "Circle" vollkommen aufgeht. Ab der Albummitte, wenn das softe Blubbern von "Mr Jackal" seine Kreise zieht, bekommen die Songs eine melancholischere Note, lassen mehr Persönlichkeit in der Musik zu.

Das Klavier – zuvor gar nicht auf den Plan getreten – nimmt in den letzten beiden Stücken die prominente Rolle ein. Die bereits erwähnte, abschließende Reprise des Titeltracks kann sich dabei schon beinahe mit Großtaten wie Yann Tiersens "Comptine d'un autre été, l'après-midi" aus "Die fabelhafte Welt der Amélie" messen. Das davorgesetzte "The breaks" ist mit den schnellen Piano-Arpeggios eines dieser Stücke, die mit wenig Staffage viel erreichen und trotz zaghafter Entwicklung gerne viel, viel länger dauern dürften. Was auch auf "Circle" im seiner Gesamtheit zutrifft. Denn in Frances Traumwelt hätte man gut und gerne noch deutlich mehr Zeit verbringen können. Zumal dieses Album fünf Jahre auf sich hat warten lassen. Akkordarbeit ist eben nicht sein Ding. Die Detailverliebtheit und die zum Seufzen wunderbare Schönheit ist die Entschädigung, die "Circle" bietet. Man muss sich bedanken.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Bells
  • The breaks
  • Circle reprise

Tracklist

  1. Circle
  2. Bells
  3. River
  4. Prophet
  5. Mr Jackal
  6. The first thing that you say
  7. Cathedrals
  8. The breaks
  9. Circle reprise

Gesamtspielzeit: 37:09 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-09-05 21:23:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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