Marilyn Manson - The golden age of grotesque

Marilyn Manson- The golden age of grotesque

Interscope / Motor / Universal
VÖ: 12.05.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

March of the pigs

Er liebt es, heilige Kühe zu schlachten und inszeniert sich mit Vorliebe auf der eigenen Schlachtbank. Er spuckt auf amerikanische Sitten und badet im Speichel der ereiferten Öffentlichkeit. Er besudelt vergötterte Ikonen und wurde so selber zu einem eindrucksvollen Klischee: Marilyn Manson, Schockrocker vom Dienst. Doch so manches hat sich seit den Zeiten von "Antichrist superstar" für Mister Brian Warner geändert. Der verkannten Großtat "Mechanical animals" folgte der beinahe schon kompromißdurchsetzte "Holy wood (In the shadow of the valley of death)", auf dessen Cover Manson in der Kruzifix-Pose prangte. Doch trotz des Rückgriff auf alte Untugenden traumatisierte längst nicht mehr jede seiner Attacken auf den "guten Geschmack" so wie gewünscht. Und auch der Rausschmiß von Langzeitpartner und Ex-Busenfreund Twiggy Ramirez hinterließ vor allem ein Fragezeichen.

Doch Marilyn Manson ist Trademark genug, um sich nicht von fehlgeleiteten Erwartungen stören zu lassen. Angriff ist die beste Verteidigung, und mit Luzifer persönlich auf der Trainerbank, der neuerdings vor allem Mansons Libido reizt, steht dieser wieder voll unter Dampf. Von wegen "Rock is dead"! Und mit dem KMFDM-Basser Tim Skold, der für Ramirez ins Boot geholt wurde, haut das unruhige "This is the new shit" denn auch in gewohnt bombastischer Manier auf die Kacke: "Let us entertain you". Marilyn ist eben doch der bessere Robbie.

"The golden age of grotesque" - das sollen die dekadenten Zwanziger Jahre sein. Und schnell erfahren wir, was sich Manson darunter so vorstellt: ausschweifende Erotik, hungrige Leidenschaften, latente Aggression. Wir warten auf den Orgasmus und verzieren uns mit Cheerleader-Blut und Gitarren-Sperma. "We're tasteless, but we taste good." Lecker. Angemessen breitbeinig kündigt "mOBSCENE" den Plan an: "It's better than a sex scene." Doch der selbsternannte "hate-pop" legt sich mit Vorliebe in fremde Betten. Rein und wieder raus - das bekannte Spiel mit der Promiskuitivität. "I got an F and a C and I got a K, too / And the only thing that's missing is a bitch like yoU."

Während die Gitarren erigierte Riffs in die Höhe recken, züngeln sabbernde Synthesizer an Lack und Leder vorbei. Verdammt, wo war noch gleich das Gummi? Natürlich, auf dem Regal mit den künstlerisch wertvollen Fickfilmchen. "I memorize the words to the porno movies / It's the only thing I want to believe." Manson unterwirft sich der Ästhetik der primären Geschlechtsorgane. In voller Aktion natürlich. Und während sich die Körper zu hyperventilierendem Industrial Rock aneinanderreiben, gibt sich sich ihr Choreograph musikalisch variabel wie selten. Manson versteckt allerlei Gimmicks im Klanggewand - Funkbaß, Kirmesflair, Swing, Breakbeats, anything goes - und sorgt so für ein wahres Wechselbad der mulmigen Gefühle. Und ganz nebenbei beantwortet der Sadomaso-Entertainer auch gleich noch die nächste Glaubensfrage: "I never believed the devil was real / But God couldn't make someone filthy as you." Gehet hin und verderbet Euch!

Jenseits jeglicher Subtilität treibt Manson das Spiel mit Symbolen wie gewohnt immer ein Stückchen weiter als bis zum Anschlag. Für das Cover hatte Manson ursprünglich eine Vergewaltigung der bekanntesten Maus des Universums geplant. Nachdem Manson kürzlich schon mit Marshall Mathers AKA Eminem gemeinsame Sache gemacht hatte, wäre mit Mickey Mouse, dem dritten Doppel-M, das Triumvirat der amerikanischen Unterhaltungsindustrie komplett gewesen. Aber das war Disney wohl nicht familientauglich genug.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • This is the new shit
  • (s)AINT
  • Spade
  • Slutgarden

Tracklist

  1. Thaeter
  2. This is the new shit
  3. mOBSCENE
  4. Doll-dagga buzz-buzz ziggety-zag
  5. Use your fist and not your mouth
  6. The golden age of grotesque
  7. (s)AINT
  8. Ka-boom ka-boom
  9. Slutgarden
  10. Spade
  11. Para-noir
  12. The bright young things
  13. Better of two evils
  14. Vodevil
  15. Obsequy (The death of art)
  16. Tainted love

Gesamtspielzeit: 61:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Wirsing
2019-07-07 21:16:12 Uhr
Dito.
SpookyKid
2019-07-07 21:03:16 Uhr
Bin ganz bei Günni: Die letzte gute Platte, die MM gemacht hat.
Günni
2019-07-07 20:46:10 Uhr
Sein schwächstes finde ich das überhaupt nicht, sicherlich ein Stück zurück von den starken Vorgängern, aber insgesamt noch ganz ordentlich. Die drei Alben danach finde ich da schon deutlich magerer.

The MACHINA of God

Postings: 15465

Registriert seit 07.06.2013

2019-07-07 20:19:52 Uhr
Boah, warum müssen seine Alben immer so lang sein. Versuch es gerade mal wieder und bin nach 2/3 doch recht gelangweilt. Dann lieber das tolle Spätwerk "The pale emperor".

The MACHINA of God

Postings: 15465

Registriert seit 07.06.2013

2019-07-07 20:03:09 Uhr
Sein schwächstes?
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