Treetop Flyers - Treetop Flyers

Treetop Flyers- Treetop Flyers

Loose / Rough Trade
VÖ: 24.08.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Lebensraum Baum

Kleiner Biologie-Exkurs genehm? Der Baum als Lebensraum für andere Tiere und Pflanzen ist etwas vereinfacht gesprochen in Etagen aufgeteilt. Unten an den Wurzeln setzen sich Bakterien, Pilze und Insekten zugunsten eines symbiotischen Nährstoffe-Austauschs fest. In der darüberliegenden Baumstamm-Etage schlagen meist Spechte Höhlen, die vermehrt von anderen Lebewesien wie Käfern, Fledermäusen und Eichhörnchen zu ihrem Heim gemacht werden. In der obersten Etage, der Baumkrone, finden sich vor allem Vogelnester. Passend zum Namen sind die Erwartungen an die Treetop Flyers und deren selbstbetitelten Nachfolger wegen des hochgelobten "The mountain moves" bis in die Sphäre der Baumkrone hinaufgestiegen. Und nur zu gerne hätte man mehr gehört von dieser im besten Sinne melancholischen Mixtur aus Folk, Country, Americana und Rock.

Die Londoner beweisen auf "Treetop Flyers" jedoch wesentlich größeren Mut als einfach mehr vom Gleichen zu servieren. Stattdessen kommt beispielsweise "Warning bell" mit jeder Menge Soul um die Ecke, die vom achtminütigen "Art of deception" noch um psychedelische Einflüsse ergänzt wird. Dazu finden sich auch noch Jazz-Elemente in den Tracks wieder, etwa im Saxophonspiel in "It's hard to understand" oder dem starken "Needle". Einen solchen Stilmix nicht wie ein vogelwild zusammengewürfeltes Stückwerk klingen zu lassen, wäre bereits eine Leistung, die Mannen um Reid Morrison bringen es allerdings sogar fertig, daraus ein atmosphärisch dichtes, durchgehend starkes Album zu zaubern. Der Grundton ist dabei weit optimistischer als noch zuvor, wie es bereits im entspannt zurückgelehnten instrumentalen Opener "Flea drops" anklingt, bevor "Sweet greens & blues" einen ersten freudigen Höhepunkt setzt.

Voll des Lobes darf man dennoch enttäuscht sein. Denn "Treetop Flyers" ist eben nicht in den Höhen der Baumkronen angesiedelt oder fliegt gar darüber hinweg. So konstant gut das Album auch ist, so nett die zweieinhalb Minuten mit "Astral plane" verfliegen, so fein "Kooky clothes" auch ein zerbrochenes Herz offenlegt, so schön "I knew I'd find you" die große Americana-Lagerfeuer-Romantik beschwört: die ganz großen Momente, Spitzen und Haken, die ein gutes Album erst zu einem besonderen machen, fehlen. Zu selten erzielen die Songs einfach eine tiefschürfende Wirkung und zu oft plätschern Stücke wie auch der Closer "Door 14" schlicht vor sich hin, statt eine aufregende Wendung überhaupt anzustreben. Kritik auf hohem Niveau? Ja. Aber mit der leicht schrägen Analogie des Baums als Lebensraum gesprochen, kann es den Treetop Flyers eben nicht genügen, sich in einer Höhle am Baumstamm einzunisten, selbst wenn sie damit über dem Niveau der meisten anderen liegen. Sie dürfen gerne noch höher ihre Kreise ziehen.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • Needle
  • I knew I'd find you

Tracklist

  1. Flea drops
  2. Sweet greens & blues
  3. It's hard to understand
  4. Kooky clothes
  5. Needle
  6. Astral plane
  7. Warning bell
  8. Art of deception
  9. I knew I'd find you
  10. Door 14

Gesamtspielzeit: 41:05 min.

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Armin

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2018-08-29 18:06:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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