Teesy - Tones

Teesy- Tones

Chimperator / Groove Attack
VÖ: 24.08.2018

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Geschichten aus der S5

Nachdem Cro seinem langjährigen Label Chimperator den Rücken gekehrt hat und er zuvor mit seinem letzten Album "Tru." ohnehin experimentelle Töne anschlug, ist beim Label mit dem Affenkopf-Logo Platz für einen legitimen Raop-Nachfolger. Im ersten Eindruck ist genau dieser mit Teesy gefunden, dabei ist der Musiker aus Berlin-Kaulsdorf viel mehr als ein einfacher Nachahmer des Maskenrappers. Im dritten Album "Tones" lässt Toni Mudrack aka Teesy den Bombast seiner beiden Vorgänger hinter sich, rappt und singt auf selbst produzierten Vintage-Beats und inszeniert sich mit einer ganze Menge Soul. Dabei erzählt er Geschichten aus seiner Heimat. Problem dabei: Das Leben in Berlin-Kaulsdorf ist nicht sonderlich spannend.

Und genau so verhält es sich mit Mudracks Texten. Während die 13 Songs instrumental betrachtet allesamt handwerklich gut gemacht sind, sind die Wohlstandslyrics bis auf wenige Ausnahmen gähnend langweilig. Im Introsong "Home sweet home" erklingt ein schöner, staubiger Kopfnickerbeat, Teesy rappt euphorisch und motiviert, gibt dabei aber Kalendersprüche ab à la Julia Engelmann. Beispiel: "Baby, alle sagten, dass es unmöglich wär' und nicht klappt / Aber dann kam einer, der das nicht wusste, und hat's gemacht." In der anschließenden Single "Girls" bleibt neben einem gut gemachten Beat leider ebenfalls nur ein gut gemeinter Text. Lou Bega hat die Thematik seinerzeit besser und vor allem langlebiger hinbekommen. Immerhin: Der im letzten Drittel platzierte liebevolle Gruß an die eigene Mum ist eine willkommene Abwechslung zur sonst üblichen Mutterthematik im deutschen Rap.

Trotz der überwiegenden Inhaltsleere gibt es in einigen Songs positive Ausrutscher. In "Stranger" erzählt Teesy die Geschichte eines Stalkers, übt Sozialkritik light in "Likes" und begibt sich wie der Rezensent auf "Die Suche nach der Tiefe an der Oberfläche". In Sätzen wie: "Ich denke, bin ich irgendwas wert? / Bin ich irgendwem irgendwas wert? / Aber Quatsch / Das fehlende Teil auf meiner Suche bin ich selbst" zeigt sich der Berliner reflektiert und mit einfacher Wortwahl persönlich und nahbar. Zusammen mit dem Song für seinen verstorbenen "Opa" bietet Teesy wenigstens gelegentlich so etwas wie eine Identifikationsfläche und sorgt damit für kurze Spannung.

Es ist schwer, Teesy nicht zu mögen. Ihn zu mögen aber ebenfalls. Zu banal sind die Texte, zu emotionslos der Vortrag. Die Blässe der Kunstfigur wird erst dann mit Farbe gefüllt, wenn sie wirklich mit persönlichen Geschichten gefüttert wird. Dabei schimmert das vorhandene Talent immer wieder durch: Mudracks eigene Produktion ist liebevoll, zeitgemäß und versprüht angenehme 90er-RnB- und Soul-Vibes. Die Stimme ist warm, die Flows on point und wenn Teesy zum Gesang ansetzt, gehört sein souliger Vortrag im Vergleich zum allgemeinen deutschsprachigen Mainstream zum Besseren. Justin Timberlake und The Weeknd klängen ähnlich, würden ihre Texte ins Deutsche übersetzt, allerdings kann die Sinnhaftigkeit bei englischsprachiger Musik deutlich besser ausgeblendet werden. Bis auf wenige Ausnahmen bleiben die Tracks über das Aufwachsen an der S-Bahn-Linie 5 leider nicht sehr spannend. Der Umstieg in die S75 ist derzeit deutlich interessanter.

(Sebastian Schiller)

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Highlights

  • Stranger
  • Opa

Tracklist

  1. Home sweet home
  2. Girls
  3. Renaissance
  4. Usain Bolt
  5. Stranger
  6. Wesley
  7. Likes
  8. Die Suche nach der Tiefe an der Oberfläche
  9. Frei
  10. Ich lebe für dich
  11. Opa
  12. Story
  13. Tones (Outro)

Gesamtspielzeit: 42:35 min.

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Armin

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2018-08-29 18:06:31 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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