Laurel - Dogviolet

Laurel- Dogviolet

Counter / Rough Trade
VÖ: 24.08.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Zerbrechlich vehement

"Eine junge Frau singt traurige Lieder mit brüchiger Stimme." Ein Satz, der ungefähr soviel aussagt wie "Nachts ist es dunkler als tagsüber." Die Zahl der Songwriterinnen, auf die die eingangs genannte Beschreibung passt, ist groß. Seitdem Damen wie Adele oder Lana Del Rey zu Weltstars wurden, scheint jede Plattenfirma des Planeten ihre eigene Version dieser Erfolg versprechenden Formel auf die Menschheit loslassen zu wollen. Verübeln kann man dies den Labels nicht, wo eine Nachfrage existiert, wartet schließlich auch fast immer Gewinn. Es wäre allerdings hochgradig unfair, die Londonerin Laurel mittels simpler Vergleiche als weitere Trauerweide mit überschaubarer Blütezeit abzukanzeln. Natürlich werden beim Klang ihrer Stimme Erinnerung an Florence Welch oder eben Adele wach. Und selbstverständlich weist ihr Debüt "Dogviolet" all jene Kennzeichen auf, die schlimmstenfalls zu einem Platz in der Heavy Rotation des Formatradiosenders Eures Vertrauens führen.

Laurel mag eine unter vielen sein, jedoch zeigte sie schon mit ihren ersten EPs, dass ihre Songs etwas mitbringen, das dem Großteil der Konkurrenz abgeht: Substanz. Meist genügen wenige Gitarrentupfer und Beatakzente, um den musikalischen Rahmen für die zwischen Zerbrechlichkeit und Vehemenz pendelnde Darbietung der Sängerin zu schaffen. Stilistisch greift Laurel Einflüsse aus Blues, Folk und gegenwärtigem Pop auf und verbindet sie sachte mit zeitgemäßen Produktionstechniken. So besitzen ihre Kompositionen oftmals einen rauen Charme, der sich beispielsweise in einem scheppernden Schlagzeug oder einer beiläufig gezupften Gitarrenfigur äußert. Alles steht und fällt jedoch mit der Stimme Laurels: Schon die ersten Sekunden von "Life worth living" offenbaren, dass hier ein großes Talent am Werk ist. Leicht rauchig und in leisen Momenten fragil klingt das Organ der Britin, gleichzeitig zeigt sie im Refrain, dass sie auch kraftvoll zupacken kann.

"Dogviolet" erscheint Ende August ferner zum perfekten Zeitpunkt. Der Sommer endet, die ersten kühleren Nächte kündigen den Herbst an. Auf Übermut und Lebensfreude folgt eine Zeit des Nachdenkens und der Selbstreflexion. "All I have been dreaming of is you", schreit Laurel in "Sun king" einem Unbekannten hinterher, während die Begleitgitarre unbeeindruckt vor sich hin zupft. Begriffe wie "Intensität" werden inflationär gebraucht, hier gibt es aber keine Alternativen. Dass auch eine Spur beschwingter gelitten werden kann, zeigt die Sängerin in "Lovesick". Schwere Moll-Akkorde dominieren die Strophen, ehe im Refrain ein synkopierter Groove das Steuer übernimmt. Gefällig ist das, aber niemals banal. Dieses Prinzip prägt das gesamte Album.

Am stärksten ist Laurel immer dann, wenn sie auf den Zuckerguss verzichtet. Das nur aus sich überlagernden Gitarren- und Gesangsspuren bestehende "Recover" braucht keinen Schnickschnack, um zu berühren. Von den opulenter arrangierten Songs ragt das um ein Bluesriff kreisende "Same mistakes" heraus, in welchem die gerade mal 24-Jährige ihre Stimmbänder bis zur Heiserkeit überreizt. Wenngleich manche Momente noch ein Stück weit radikaler hätten arrangiert werden können, hebt die außergewöhnliche Präsenz der Protagonistin selbst unscheinbarere Tracks wie "Hold tight" weit über das Durchschnittsniveau hinaus. Eines Tages wird von älteren Frauen, die traurige Lieder mit brüchiger Stimme singen, die Rede sein. Die Chancen, dass in einschlägigen Listen der Name Laurel auftauchen wird, stehen gut.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Same mistakes
  • Sun king
  • Lovesick
  • Recover

Tracklist

  1. Life worth living
  2. All star
  3. Same mistakes
  4. South Coast
  5. Hold tight
  6. Adored
  7. Sun king
  8. Crave
  9. Lovesick
  10. Take it back
  11. Empty kisses
  12. Recover

Gesamtspielzeit: 48:18 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-08-29 18:04:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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