Hodja - The flood

Hodja- The flood

Noisolution / Soulfood
VÖ: 17.08.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Freuden der Verwesung

Binsenweisheit des Tages: "Mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang kann man im Grunde nichts falsch machen." Tenboi Levinson, Gitarrist von Hodja aus Kopenhagen, der es folglich wissen muss, trifft mit dieser an sich matten Erkenntnis den Nagel auf den Kopf: Dem Trio genügen diese begrenzten Mittel auch auf dem dritten Longplayer nach "The band" und "Halos" voll und ganz, um auf wenig mehr als einem Bierdeckel enorme Power zu entfesseln, die sich aus den schwarzen Wurzeln des Rock'n'Roll, der dunklen Spielart des sumpfigen Delta Blues und rabiatem Punk-Gesense speist. Eine willkommene Abwechslung für Sänger Claudius Pratt und Drummer Matthias Arbo Klein, die in ihrer Hauptband Reverend Shine Snake Oil Co. zu Kontrabass und Akustischer musikalisch deutlich feinsinniger, obwohl stilistisch ähnlich zu Werke gehen.

Da mag der Opener zu schwer atmenden Drums und rasselnden Saiten noch so nachdrücklich "Everything is gonna be all right" versichern – spätestens wenn Pratt zum Maschinengewehr-Rap ansetzt, rauft sich auch Bob Marley im Grab die Dreadlocks, weil er aufgrund der drangvollen Enge nicht seine Gitarre zerdeppern kann. Macht aber gar nichts: Das erledigt Levinson in "The sour taste" höchstselbst und lässt brachiale Sägezahn-Riffs mit Uptempo-Raserei kollidieren, während Hodja mehrstimmig über die Freuden der Verwesung jubilieren. Als würden die Jungspunde von Radkey vorzeitig den Weg allen Fleisches entlanghetzen oder wäre Manuel Gagneux von Zeal & Ardor mit fliegenden Gospel-Fahnen vom Black Metal ins Hardcore-Lager übergewechselt. Filigrane Muse? Eher weniger. Dicke Dinger mit Begeisterungsgarantie? Auf jeden Fall.

Stets eine Hauptrolle in diesem mitunter wüsten Mit- und Durcheinander grob geschnitzter Strukturen aus entstellter Rockmusik und seelenschlürfendem Voodoo-Soul spielt dabei der im New Yorker Underground künstlerisch sozialisierte Pratt, der in düster glühenden Stücken wie dem jazzigen Schleicher "Not karma" oder dem Titelsong so lange schamanisch barmt, bis Levinson seine Klampfe inmitten einer präzisen Blues-Figur nach allen Regeln der Laubsägekunst zerlegt. Nur eine der zahlreichen Stolperfallen, auf die der Hörer im Verlaufe dieses Albums gefasst sein muss: "Ego" lässt sich zunächst von bewusstseinserweiterndem Geflöte einwickeln, um dann urplötzlich in einem orgiastischen Zusammenprall der Instrumente zu verpuffen. Und auch die nächste Abfahrt auf dem schon heißgelaufenenen Griffbrett kommt bestimmt.

Besonders dann, wenn Hodja in einen Groove verfallen, den Veteranen wie Living Colour oder 24-7 Spyz ab Mitte der achtziger Jahre in einer brodelnden Crossover-Ursuppe versenkten: "On and on" ist so ein sich hyperaktiv um sich selbst windender Hit, der Red Hot Chili Peppers mit einer speckigen Kruste überzieht und per Scratching mit ein paar Bröseln der neuesten HipHop-Errungenschaften nachspült, ebenso unbeugsam gibt sich "Never kneel", ein stampfendes Stahlbad in der Tradition von The Heavys "Girl" – weniger lüstern, dafür mindestens doppelt so lärmig. "Can't stop an idea whose time has come", gibt Pratt im abschließenden "Desperate souls" zu bedenken, ehe das Wah-Wah-Pedal endgültig durchschmort – welche er wohl meint? Doch nicht die mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang? Sei's drum – auch alter Hut kracht gut.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Everything is everything
  • The sour taste
  • On and on
  • Never kneel

Tracklist

  1. Everything is everything
  2. The sour taste
  3. The flood
  4. On and on
  5. Ego
  6. Not karma
  7. Big tease
  8. Never kneel
  9. The void
  10. Desperate souls

Gesamtspielzeit: 32:37 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-08-29 18:04:16 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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